WERNECK

Wenn der Roboter bei der Operation am Knie hilft

Professor Christian Hendrich führt im Himmelsaal des Orthopädischen Krankenhauses Werneck die „Makoplasty“ vor. Foto: Anand Anders

Wie Bezirkstagstagspräsident Erwin Dotzel so mit der Knochensäge ins Kunstknie säbelt – man könnte meinen, die neue Robotertechnik setzt die Knieprothese von ganz alleine ein. Ganz so ist es nicht, aber fast. Bei großem Presseaufgebot wurde am Dienstag die neue Generation des robotergestützten OP-Verfahrens „Makoplasty“ für Knie und Hüften vorgestellt. Neu ist, dass mit dessen Hilfe nun auch eine Totalprothese, also ein komplettes neues Kniegelenk, eingesetzt werden kann. Bislang waren nur Teilprothesen möglich. Laut dem Ärztliche Direktor des Orthopädischen Krankenhauses Schloss Werneck, Professor Christian Hendrich, wurde im Februar in Werneck die erste OP dieser Art in Europa durchgeführt.

Hauptargument: Präzision

Den größten Vorteil der Technik betont Hendrich immer wieder: Präzision. „Wir haben ein vorhersehbar perfektes Ergebnis“, schwärmt der Professor. 100-prozentige Symmetrie, ein Kunstknie so gut wie ein echtes. „Selbst ein sehr erfahrener Knochensäger bekommt das so nicht hin.“ Dotzel lacht, pflichtet bei und sagt, „er ist wirklich begeistert“.

Bei der Makoplasty wird das Knie (oder die Hüfte) vorher bei einer Computertomografie (CT) genau vermessen. Hier wird die individuelle Anatomie des Patienten erfasst. Am 3D-Modell kann dann die richtige Größe des Implantats genau bestimmt werden. Das Implantat-Modell ist laut Hendrich bewährt und habe keine „Kinderkrankheiten“. Bei der OP werden am Bein dann „Antennen“ angebracht, die mithilfe einer 3D-Kamera das CT-Modell mit dem realen Knie zusammenbringen. Beugt man das Bei, bewegt es sich auch auf dem Bildschirm.

Der Roboterarm kommt dann zum Einsatz, wenn das sogenannte Prothesenbett gesägt wird. Der Computer gibt exakt vor, wie der Operateur sägen muss – und blockiert falsche Schnitte. Der Bereich, der für das Implantat weggesägt werden muss, ist auf den Monitoren grün markiert. Aber selbst wenn der Arzt wollte, der Roboterarm lässt ihn nur innerhalb des vorgegebenen Bereichs sägen. „Der perfekte Sägeschnitt ist nicht vom Operateur abhängig“, sagt Hendrich. Könnte also doch Bezirkstagspräsident Dotzel operieren? „Die Technik ersetzt mich nicht, aber ich kann Patienten beruhigen“, so der Orthopäde. „Endoprothetik 4.0“ nennen sie das.

„Der perfekte Sägeschnitt ist nicht vom Operateur abhängig.“

Die erste OP mit dem verbesserten „Mako“ des Herstellers Stryker in Europa haben Hendrich und der leitende Oberarzt Dr. Franz Engelmaier am 14. Februar durchgeführt. Seitdem wurde nun auch in London die neue Generation der Technik eingeführt. „Wir haben uns ein Rennen mit London geliefert“, sagt Hendrich. In den USA sei die Technik schon viel weiter verbreitet. Mittlerweile haben die Wernecker Orthopäden zehn Operationen mit dem verbesserten Verfahren gemacht. Die Maschine hat, wenn man so will, sogar einen eigenen Angestellte: Biomedizin-Ingenieur Khodor Dayekh arbeitet für den Hersteller und kommt zu jeder Operation nach Werneck, um die Makoplasty-Maschine genau zu justieren.

Patienten kommen schneller wieder auf die Beine

Gekostet hat der „Stryker Mako“ laut Dotzel fast zwei Millionen Euro. Eine gute Million bei der ersten Anschaffung, den Rest für das aktuelle „Update“. Dotzel und Rainer Klingert (Geschäftsleiter der Krankenhäuser und Heime des Bezirks) sind sich aber sicher, dass sich die Investition lohnt. Unter anderem seien die Patienten schneller wieder fit und könnten häufig schon nach wenigen Tagen die Klinik wieder verlassen.

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