Gerolzhofen

Wenn die "Zwemoochn" unterwegs sind

Die Versuchung, zu hamstern, besonders in unsicheren Zeiten, scheint im menschlichen Wesen angelegt zu sein. 
Die Versuchung, zu hamstern, besonders in unsicheren Zeiten, scheint im menschlichen Wesen angelegt zu sein.  Foto: Rene Traut

Was haben wir im Pfarrhaus gelacht, als unser kleiner Feriengast Valentin wieder auf die Schranktür mit Süßigkeiten zuging und auf die Frage, warum er denn schon wieder Süßigkeiten wolle, zur Antwort gab: „Ich hab zwei Bäuch', einen für Nudel und einen für Süßigkeiten. Der für die Nudel is schnell voll, aber der für die Süßigkeiten ist immer leer.“

Welch kindliche Phantasie von zwei Mägen. Ich werde nachdenklich. Bei uns im Fränkischen gibt es den Ausdruck „Zwiemoochn“. Gemeint ist damit ein Mensch, der nie genug kriegen kann, der nicht nur einen Magen hat, sondern zwei. Der Angst hat, zu kurz zu kommen. Der denkt: Hauptsache ich. Der sein Schäfchen ins Trockene führen will. Die Leute im Aschaffenburger Raum nennen solche Menschen „Allmoi“, alles mir.

Ja, die Angst, zu kurz zu kommen, der Antrieb, zu hamstern, die Gier - eine große Versuchung, auch und gerade jetzt in Zeiten der Corona-Krise.

Pfarrer Stefan Mai.
Pfarrer Stefan Mai. Foto: Michael Mößlein

Diese Versuchung ist da, auch wenn überall, wie in der TV-Ansprache der Bundeskanzlerin, versichert wird: „Alle können sich darauf verlassen, dass die Lebensmittelversorgung jederzeit gesichert ist, und wenn Regale einen Tag mal leergeräumt sind, so werden sie nachgefüllt. Jedem, der in den Supermärkten unterwegs ist, möchte ich sagen: Vorratshaltung ist sinnvoll, war es im übrigen immer schon. Aber mit Maß. Hamstern, als werde es nie wieder etwas geben, ist sinnlos und letztlich vollkommen unsolidarisch.“

Die Versuchung, zu hamstern, war schon immer im Menschen drin, besonders in unsicheren Zeiten, wo sich Angst um die Zukunft in die Seele frisst. Ein Paradebeispiel dafür ist die Erzählung vom Manna-Wunder aus dem Alten Testament, aus dem 16. Kapitel des Buches Exodus: Das Volk Israel ist seit langem in der Wüste unterwegs. Die Essensvorräte gehen langsam aus. Die Angst geht um. Wie lange reicht's noch? Murren im Volk macht sich breit, eine Revolte gegen Mose bahnt sich an. Überall Stimmen: Wären wir doch bei den Fleischtöpfen Ägyptens geblieben!

Doch dann das unverhoffte Manna-Wunder. Es regnet Manna vom Himmel. Mose ordnet an, jeder soll soviel sammeln, wie er für sich und seine Familie braucht. Eine Vorratssammlung anzulegen,mache keinen Sinn. Nur für den Sabbat solle man das Doppelte sammeln. Aber wie die Menschlein sind: Sie hamstern. Aber siehe da, was sie mehr gehamstert haben als sie brauchen, ist am nächsten Tag wurmig und stinkt. Und wer am Sabbat hinausgeht, um zu hamstern, findet nichts. Und Mose ordnet an, um es allen in die Köpfe einzuhämmern: Ein Gefäß voll Manna soll gefüllt werden und vor aller Augen vor die Bundeslade gestellt werden. Es soll für die nachkommenden Generationen aufbewahrt werden, um zu zeigen: Es ist genug für alle da, wenn Menschen solidarisch im Vertrauen auf Gottes Hilfe handeln.

Vielleicht sind solche alte Geschichten mit ihrer Lebensweisheit gerade in jetziger Zeit wichtiger als überquellende Vorratskammern in den Häusern. Sie drücken es viel tiefsinniger aus, was Otti Schmelzer musikalisch in einem Schnaderhüpfl auf derb-fränkisch und zum Lachen in einem Videoclip in Facebook versucht: „Ja des Klopapier ist momentan sehr rar, ist bundesweit äußerst beliebt. Ja des war mir vor Corona gar net gewahr, dass es in Deutschland so viel Arschlöcher gibt.“

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