SCHWEINFURT

Wenn ein Job das Leben komplett verändert

Bei bb-net im Schweinfurter Hafen hat Sebastian Bauriedl Arbeit und neue Motivation gefunden. Zuständig ist er heute für Vorreinigung und Verpackung, doch neue Aufgaben warten schon auf ihn.
Bei bb-net im Schweinfurter Hafen hat Sebastian Bauriedl Arbeit und neue Motivation gefunden. Zuständig ist er heute für Vorreinigung und Verpackung, doch neue Aufgaben warten schon auf ihn. Foto: Katja Beringer

Freundlich und geduldig erklärt Sebastian Bauriedl, was er an seinem Arbeitsplatz bei der bb-net media GmbH macht. Im Hintergrund staunen Sabrina Klein vom Schweinfurter Unternehmen und Lena-Marie Schlichenmaier Bauklötze. Wie selbstsicher und kompetent sich der 24-Jährige jetzt präsentiert, hätte man vor einem Jahr nicht im Traum gedacht. Damals schwieg der junge Mann seine neue Betreuerin beim Schweinfurter Integrationsfachdienst mehr an, als dass er mit ihr sprach. Und sah dem Praktikum bei bb-net mehr skeptisch entgegen als erwartungsvoll.

Alles damals war anders. In der Schule war es leidlich gelaufen, die Ausbildung zum Maler und Lackierer im Anschluss hat Sebastian Bauriedl zwar geschafft, doch arbeiten konnte er in diesem Beruf nicht. Eine Neurodermitis-Erkrankung machte dem einen Strich durch die Rechnung. Der heute 24-Jährige wurde ein Fall für die Agentur für Arbeit, bekam vom Jobcenter Praktika vermittelt, die allesamt mehr schlecht als recht liefen – und verlor immer mehr Selbstbewusstsein. Ohne Job, mit dem „Gefühl nicht dazuzugehören“ und nichts hinzubekommen, getrieben von Selbstzweifeln, die immer stärker wurden. Die Agentur suchte Unterstützung, übergab die Betreuung an den IFD. Und irgendwann landete Bauriedl bei Lena-Marie Schlichenmaier.

Kooperation für Integration

Auch sie suchte und fand einen Praktikumsplatz. Doch diesmal war es der richtige. Seit Jahren arbeitet die junge Firma bb-net, die abgeschriebene Technik aus Unternehmen ankauft, aufbereitet und dann selbst auf den Markt bringt, mit dem ifd zusammen. Aus Überzeugung, wie Geschäftsführer Michael Bleicher sagt. Seit Jahren bietet bb-net Praktikumsplätze an, hat inzwischen eine Kooperationsvereinbarung mit dem ifd abgeschlossen. Um speziell Menschen mit Behinderung die Chance zur Integration auf dem Arbeitsmarkt zu geben.

Sebastian Bauriedl allerdings ist so etwas wie ein Vorreiter, wenn sich die Hoffnungen seiner Betreuerin erfüllen. Denn er war der erste Praktikant aus dieser Zusammenarbeit, den bb-net übernommen hat. In einen festen Vertrag. Zwei Jahre läuft er. Für eine Verlängerung sieht es gut aus, gibt Sabrina Klein von bb-net dem Mitarbeiter zu verstehen. Beide lächeln, man versteht sich, ist per Du, wie alle hier. Und genau das, das gute Arbeitsklima, ist eines der Dinge, die der 24-Jährige an seiner Firma so schätzen gelernt hat.

„Ohne mich läuft nichts“

Bei bb-net, sagt Sebastian Bauriedl, hat er gemerkt, dass er etwas verändern, dass er Leistung bringen kann. Im November 2017 begann er hier sein sechsmonatiges Praktikum. Er musste sich einfinden, auch in die Technik, die hauseigene Software. Doch schon bald hat es „Klick gemacht“, kam die Motivation, „hat sich der Knoten gelöst“. Und im April hat er seinen Arbeitsvertrag bekommen. Heute sagt der 24-Jährige schlicht und selbstbewusst über seinen Arbeitsplatz: „Ohne mich läuft nichts.“ Womit er Recht hat. Sebastian Bauriedl ist für die Vorreinigung der Geräte zuständig und damit für den ersten Schritt der Produktion.

Im Neubau, der gerade in der Lissabonstraße entsteht und ab November das komplette Unternehmen und seine aktuell 60 Mitarbeiter unter ein modernes Dach bringen soll, wird diese Vorreinigung eine Maschine übernehmen. Angst um seinen Job muss sich der 24-Jährige aber nicht machen. Schon heute hat er sich die Verpackung von TFT-Monitoren inklusive Qualitätssicherung als zweiten Bereich erarbeitet. Neue Aufgaben, so Klein, warten schon auf ihn. Dass er es kann, hat er schon bewiesen.

Hilfe für Menschen in besonderen Situationen

In einer losen Serie von Artikel wollen wir Menschen vorstellen, denen der Integrationsfachdienst Schweinfurt (ifd) geholfen hat. Menschen mit körperlichen Handicaps und auch psychischen. Menschen, die an Depressionen leiden zum Beispiel, Menschen mit Behinderung oder andere, die nach einem schweren Unfall und langer Krankheit wieder zurück wollen in den Job – und mehr Hilfe brauchen als über die normale Wiedereingliederung möglich ist. Das Spektrum der Themen ist groß – so wie die Vielfalt der Beratungen.

Seit diesem Jahr gibt es in Schweinfurt noch eine weitere Beratungsstelle, die in dieser Richtung aktiv ist, und – wie der ifd – unter dem Dach der Gesellschaft für berufliche und soziale Integration (gfi) läuft: die ergänzende, unabhängige Teilhabeberatung. Ein Projekt, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales finanziert wird.

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