SCHWEINFURT

Wer die Wahl hat

Bei der U18-Wahl haben über 2000 Schüler ihre Stimme abgegeben. Der Kreisjugendring war bei der Auszählung dabei: (von links nach rechts) Christoph Simon, Melissa Voll, Sabrina Leske, Christian Starodub und Tobias Freibott. Foto: Laureen Voll/KJR

Es ist eine Wahl auf Probe. In den vergangenen zwei Wochen durften Kinder und Jugendliche an den Schulen aus Schweinfurt und dem Landkreis ihre Kreuze machen. Sie sind noch zu jung für die richtige Wahl. Die Schüler sollen so aber an die Politik herangeführt werden.

Bei der U18-Wahl hat sich die Zahl der Teilnehmer verdoppelt. 2086 Jugendliche haben laut den Jugendringen aus Stadt und Landkreis ihre Stimme abgegeben. 16 Schulen aus der Region haben sich beteiligt. Es gab einen Rekord an Wahllokalen in ganz Bayern. Das Ganze ist ein Projekt des Deutschen Bundesjugendrings, in Schweinfurt gibt es das schon seit Jahren.

„Die Jugendlichen merken durch die Teilnahme an der Wahl, dass ihre Beteiligung wichtig ist“, sagt Sabrina Leske. Sie ist Geschäftsführerin des Kreisjugendrings, die politische Bildung der Schüler ist ihr Thema. Für die diesjährige Wahl hat sie mit dem Team des Kreisjugendrings eine sogenannte Wahlsynopse zusammengestellt. Darin werden lokale Politiker gegenübergestellt, die Fragen zu bestimmten Themen beantworten.

Schüler werden selbst aktiv

Die Shell-Jugendstudie von 2015 bestätigt den Trend: Das politische Interesse der Jugendlichen im Alter von 15 bis 25 Jahren ist seit 2002 um elf Prozentpunkte gestiegen. 41 Prozent der Befragten gaben demnach an, dass sie sich für Politik interessieren. Ein Großteil der Jugendlichen weist zudem einen hohen Bezug zu Wahlen auf. 72 Prozent der Teilnehmer der Studie stimmten der These zu, dass eine Beteiligung an Wahlen Bürgerpflicht sei.

Bei der U18-Wahl sind die Schüler selbst aktiv geworden. Sie haben Wahlbenachrichtigungskarten vorbereitet und die Stimmen ausgezählt. Die meisten Jugendlichen sind in den siebten oder höheren Stufen, aber auch Fünftklässler sind dabei. Sie haben sich durch das Fach Sozialkunde auf die Wahl vorbereitet.

Die Ergebnisse im Stimmkreis Schweinfurt ähneln den aktuellen Umfragen für die Landtagswahl. Die CSU erhält 24,21 Prozent, die Grünen kommen auf 19,65 Prozent. Die SPD rangiert mit 13,85 Prozent auf Platz 3, gefolgt von der AfD mit 10,83 Prozent. Im Landtag der Jugendlichen wäre die Tierschutzpartei mit 7,19 Prozent vertreten. Unter der Fünf-Prozent-Hürden bleiben die Freien Wähler mit 4,94 Prozent, die Linke mit 4,36 Prozent und die FDP mit 3,98 Prozent.

Jugendliche sollen Demokratie verstehen

Leske hat solche Zahlen erwartet. Die Ergebnisse seien schon seit Jahren vergleichbar mit den Prognosen. Die Geschäftsführerin führt das auf die Kenntnisse der Schüler in der Politik zurück. „Jugendliche können sich eine politische Meinung bilden“, sagt sie. Viele wollen mit 18 Jahren auf jeden Fall wählen gehen. Vor allem die größeren Parteien seien in der Öffentlichkeit präsent. „Das geht natürlich nicht spurlos an den Jugendlichen vorbei. Es gibt viele, die sich informieren, sich interessieren und sich auskennen“, sagt Leske.

Die Juniorwahl verfolgt ein ähnliches Ziel wie die U18-Wahl. Jugendliche sollen verstehen, wie Demokratie und Wahlen funktionieren. Die Ludwig-Erhard-Berufsschule aus Schweinfurt beteiligt sich an dem Projekt. Mehr als 300 Schüler können in dieser Woche wählen.

Ulrike Hoch ist Fachbetreuerin für Sozialkunde an der Schule und hat spontan beschlossen, „da machen wir mit“. Der Großteil der teilnehmenden Schüler ist zwischen 15 und 19 Jahre alt. „Das ist der Unterschied zur U18-Wahl, bei uns wählen alle. Manche sind schon 18. Es gibt welche, die haben Abitur und welche, die kommen von der Hauptschule.“

Schüler können ihre Wahlzettel ungültig machen

Die Jugendlichen haben sich im Voraus im Unterricht mit der Wahl befasst. „Die Lehrer haben das Wahlsystem und den Ablauf erklärt und besprochen, warum man wählen gehen soll“, sagt Hoch. Die Funktionen der Parteien sowie ihre Programme – anhand des Wahl-O-Mat – waren Thema. „Wir haben die Schüler aber nicht nur durchklicken lassen, sondern die Thesen diskutiert.“ Die Lehrer haben deutlich gemacht, dass die Wahlprogramme nicht alles zeigen. „Man sollte beobachten, was die Politiker sagen und was sie wirklich tun, wenn sie gewählt werden“, sagt Hoch.

Die Wahlen an der Berufsschule sind freiwillig. Bisher liegt laut Hoch die Beteiligung bei 70 bis 80 Prozent. Die Schüler können auch einen ungültigen Stimmzettel abzugeben, beispielsweise wenn sie keine der Parteien wählen wollen. „Aber sich gar nicht interessieren, ist in der Demokratie ganz schlecht“, ermutigte Hoch ihre Schüler, ihr Stimmrecht zu nutzen.

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