WERNECK

Werneck: Gewerbegebiet keine Konkurrenz für Altort

Vertragen sich weitere Fachmärkte im Wernecker Gewerbegebiet Spitzäcker mit dem ebenfalls verfolgten städtebaulichen Ziel einer „Stärkung des Altortes“? Abklären sollte dies ein Gutachten, das der Gemeinderat auf Wunsch der Regierung von Unterfranken im März bei der GfK GeoMarketing in Auftrag gab (wir berichteten). Schließlich steht in Werneck die Neugestaltung des Kernort- und Kreuzungsbereiches Schönborn-/Meininger-/Julius-Echter-Straße an, wofür der Markt auf 850 000 Euro Städtebaufördermittel hofft.

Das Ergebnis dieses „Standort- und Marktgutachtens“ sowie einer „Auswirkungsanalyse“ zu den geplanten Fachmärkten für die Marktgemeinde stellte GfK-Mitarbeiter Timm Jehne jetzt dem Gemeinderat vor. Dazu mutete Jehne dem Gremium zunächst viele Zahlen und Untersuchungsdetails zu, um schließlich zum Kernergebnis zu kommen: Nennenswerte negative Auswirkungen auf das Ortszentrum von Werneck sowie das übrige Gemeindegebiet seien aus der geplanten Ansiedlung eines Textil- sowie eines Blumen- und Garten-Fachmarktes nicht zu erwarten. Vielmehr stellten sie eine passende Abrundung dar und würden als „innenstadtverträglich“ eingestuft.

Gesamten Einzelhandel erfasst

Für das Gutachten waren der gesamte Einzelhandel („alle Geschäfte“) in Werneck erfasst, sämtliche Verkaufsflächen (insgesamt 17 050 Quadratmeter) und die Umsatzzahlen (Gesamtumsatz knapp 47 Millionen Euro) ermittelt sowie „Abschöpfungsquoten“ nach Warengruppen berechnet worden. Birgit Schmitt und Roswitha Ziegler bremsten den Gutachter nach halbstündigem Vortrag aus, da er mit den vielen Daten das Gremium überfordere, zumal die an die Wand projizierten Tabellen für viele Räte nicht lesbar waren.

Anders als von Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl angekündigt war das Gutachten den Fraktionen nicht im Vorfeld zur Einsicht zugegangen, da es erst wenige Tage vor der Sitzung im Rathaus vorlag. Peter Vanselow verwies darauf, dass das Gremium das Ergebnis des Gutachtens schnell auf den Tisch wollte. Da Baumgartl zusicherte, dass jeder Rat eine Ausfertigung des Gutachtens bekommt, könne man sich „zuhause noch mal intensiv damit beschäftigen“, meinte Vanselow.

Wissen wollte Silvia Weisenberger vom Gutachter, ob Auswirkungen auf bestehende Blumenläden im Wernecker Altort und auch eine Gärtnerei in der Nachbargemeinde berücksichtigt seien. „Die wollen wir nicht kaputt machen“, sagte Weisenberger. Zu schützen sei laut Gutachter nur der zentrale Versorgungsbereich, mithin das Ortszentrum. Dies sei im Gutachten berücksichtigt. Alle anderen Anbieter hätten sich dem normalen Wettbewerb zu stellen. Auf Nachfrage von Birgit Schmitt nach der Herkunft der Umsatzzahlen erklärte Jehne, dass es sich um geschätzte Zahlen auf Grundlage eines Vororteindrucks in den Geschäften handle.

Während das Gutachten im Bereich von Warengruppen wie Lebensmitteln und Dingen für den täglichen Bedarf kaum noch Bedarfslücken feststellt, wird bei Warengruppen im periodischen Bereich teilweise noch Entwicklungspotenzial gesehen. Dazu rechnet das Gutachten Haushaltswaren, Möbel, Schuhe/Lederwaren und eben Heimwerker- und Gartenbedarf sowie Bekleidung/Textilien. Bei letzterem wäre mit dem geplanten 1200 Quadratmeter großen Textil-Fachmarkt allerdings der Bedarf abgedeckt.

Ergänzend gab Architekt Joachim Schmitz-Klopf dem Rat eine Bewertung der Fachmarktansiedlungen unter städtebaulichen Gesichtspunkten. Demnach entwickle sich der Kernort zunehmend zu einem „Ort des Verweilens“ der durch Dienstleistungen im Bereich Ärzte, Gastronomie und Beherbergung sowie durch kleine Läden geprägt sei. Fläche für größere Einzelhandelsgeschäfte sei nicht vorhanden. Für denkbar hält der Architekt lediglich eine kleine Boutique für hochwertige Mode. Eine Konkurrenz der geplanten Fachmärkte zum Kernort sei deshalb auch aus städtebaulicher Sicht nicht gegeben. Die Neugestaltung des Kreuzungsbereiches wertete er als konsequente Weiterführung der Kernortsanierung, die das Zentrum stärke.

Nicht alle Standorte geeignet

Stellung nahm Schmitz-Klopf auch zu Anfragen bezüglich einer Einzelhandelsansiedlung im Anschluss an die Esso-Tankstelle in der Meiniger Straße oder alternativ nördlich des Kindergartens. Beiden Standorten konnte der Architekt aus städtebaulicher Sicht nichts abgewinnen. Zum einen nannte er die prekäre Straßensituation, die Alleinlage und beim Kindergarten zudem vorprogrammierte Konflikte. Als vertretbar wertete er die Ansiedlung einer Bäckerei neben der Tankstelle, wofür es ebenfalls eine Anfrage gibt.

Beschlüsse zum Gutachten waren nicht erforderlich. Allerdings standen erneut die Bebauungsplanänderungen beim Gewerbegebiet Spitzäcker sowie beim Industrie- und Gewerbegebiet – beides Voraussetzung für den Bau der Fachmärkte – auf der Tagesordnung. In den Bebauungsplan aufgenommen wurden mit Billigung des Rates die Ergebnisse des Gutachtens, um die Bedenken der Regierung von Unterfranken und des Regionalen Planungsverbandes auszuräumen. Diese können in einer erneuten Auslegung des Bebauungsplanes nun noch einmal Stellung nehmen.

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