SCHWEINFURT

Wider den Sack voll Vorurteile

Generationen- und länderübergreifend: Im Garten des Deutschen Familienverbands in Schweinfurt trafen sich Flüchtlinge, Studenten des iCampus und einheimische Arbeitgeber. Dabei erfreuten sie sich nicht nur an der Musik unter anderem von Heinz Schumann und Studentin Beril Coskun, ... Foto: Schikora

Gutes Essen, gute Musik, nette Gespräche – ein Dreiklang, den es im geselligen Franken schon immer gibt. Und der nicht erst im 21. Jahrhundert perfekt zum so genannten Netzwerken ist. Das dachten sich auch die Studenten des iCampus der FH Würzburg-Schweinfurt sowie der Verein Interkult e.V., als sie am Samstagabend im Garten des Deutschen Familienverbandes in der Schweinfurter Gartenstadt ein Treffen zwischen Flüchtlingen und potenziellen Arbeitgebern aus der Region organisierten. Auch die Lehrerinnen und Lehrer, die ehrenamtlich die Flüchtlinge in Deutsch unterrichten, genossen den Abend, der ein Dankeschön für ihre Arbeit sein sollte. Interkult begleitet nach eigenen Worten „das Zusammenwachsen einer Gesellschaft aus waschechten Franken, internationalen Studenten und Flüchtlingen aus den Krisenregionen dieser Welt.“

Vorurteile abbauen

Knapp 100 Gäste waren da, rund ein Drittel Flüchtlinge. Die Schweinfurter Ortsvorsitzende des Deutschen Familienverbandes und Mitinitiatorin des Abends, Sorya Lippert, freute sich über den Zuspruch. „Wir machen mit unserer Arbeit Schweinfurt auch ein Stück internationaler“, so Lippert, „bei dem Sack voller Vorurteile, den wir mit herumtragen, ist es wichtig, die Menschen als Menschen kennenzulernen und nicht die Hautfarbe als Maßstab zu nehmen. Wenn wir das schaffen, wird Schweinfurt bunter und lebenswerter.“ Das unterstützten Philipp Stapleford und Abdullah Al-Rubaye, die mit vielen weiteren Mitstudenten das Fest organisierten. Die iCampus-Studenten, die in Schweinfurt meist im englischsprachigen Wirtschaftsingenieur-Studiengang sind, wollen in der Kugellagerstadt nicht nur Wissen tanken, sondern der Gesellschaft etwas zurückgeben.

Engagement für die Gesellschaft

Sie engagieren sich fast alle bei iCare, einer Gruppe des Interkult-Vereins. Einige arbeiten in der Essensausgabe der Tafel, andere geben Deutsch-Unterricht für Flüchtlinge. „Wir leben hier und Schweinfurt hat uns viel gegeben, deswegen sehen wir es als unsere Pflicht an, etwas zurückzugeben“, so Al-Rubaye. Aus 20 verschiedenen Ländern weltweit kommen die Studenten, viele können Arabisch und Englisch, was ideal in der Arbeit mit Flüchtlingen ist. Auf eines legen die Studenten Wert: „Deutsch ist die Grundlage, um sich zu integrieren und hier zu arbeiten.“

Rund um das leckere Essen des syrischen Top-Kochs Mohammed Shouri ergaben sich viele interessante Gespräche für die Gäste, was Erna Kleinhenz von der Handwerkskammer Service GmbH Würzburg sehr begrüßte. Sie ist als Ansprechpartnerin der Handwerkskammer für Handwerksbetriebe, die Flüchtlinge einstellen wollen, seit einigen Monaten dabei, ein Netzwerk in Stadt und Landkreis Schweinfurt sowie Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld zu organisieren. Die ersten Erfahrungen auf beiden Seiten sind positiv, vor allem die Betriebe seien sehr aufgeschlossen, so Kleinhenz. Viele suchten junge, motivierte Mitarbeiter, vor allem im Baugewerbe.

Rückblick

  1. Jugendkriminalität in Würzburg: Hoher Anteil von Flüchtlingen
  2. In drei Jahren Deutsch gelernt: Syrerin besteht Abitur
  3. Personal fehlt: Abschiebungen treffen Gastronomen
  4. Timothy darf bleiben: "Ich kann wieder ruhig schlafen"
  5. OB Schuchardt: "Integration ist jahrzehntelange Aufgabe"
  6. Hohe Beschäftigungsquote von Flüchtlingen in Würzburg
  7. In Deutschland einmalig: Flüchtlinge helfen Geflüchteten
  8. Integrationsexperten aus eigener Erfahrung
  9. Drei Monate Anker-Zentrum: Eine erste Bilanz
  10. Geflüchteten schneller helfen dank Hermine
  11. Ankerzentren: SPD sieht Nachbesserungsbedarf
  12. So reagiert die Polizei auf das neue Ankerzentrum
  13. Sie helfen Flüchtlingen und fragen sich: Warum wird das Positive nicht gesehen?
  14. Sicherheitskräfte werden im Ankerzentrum aufgestockt
  15. Großeinsatz: Festgenommene Flüchtlinge noch nicht frei
  16. Warum wir uns keine Kriege leisten können
  17. Überprüfung in Schweinfurt: Hier bekamen weniger Flüchtlinge Asyl
  18. Netzwerkprojekt für Flüchtlinge: Bessere Chancen haben
  19. Die Flüchtlinge kommen wieder über das Meer
  20. Kirchenasyl auch in Dreieinigkeit Schweinfurt
  21. Kirchenasyl im Visier der Justiz
  22. „Hier wird der Falsche abgeschoben“
  23. Afghane kann Kirchenasyl verlassen
  24. „Wir brauchen Menschen wie Timothy“
  25. Geschichtswettbewerb: Ein Tagebuch für Maisaa
  26. Flucht und Psyche: Nicht nur der Körper leidet
  27. Psychosoziales Modellprojekt in der Erstaufnahme
  28. Polizeiaufmarsch am Weltflüchtlingstag
  29. Aus der Ukraine in den Steigerwald geflüchtet
  30. Nach dem Asyl Kampf um eine Wohnung
  31. Quartiere für Flüchtlinge teils leer
  32. Erstaufnahme: Bedarf an Kinderkleidung
  33. Madiama Diop sehnt sich zurück
  34. Viele Flüchtlinge suchen Wohnraum
  35. Hoffnung auf ein Ende des Streits in der Flüchtlingspolitik
  36. Der lange Weg zurück in den Zahnarzt-Beruf
  37. Andrii und Vitalii wollen helfen
  38. Warum Farid nicht arbeiten darf
  39. Lieber das Leben riskieren, als das Leben verlieren
  40. Stress und Langeweile statt Spielen und Lernen
  41. In Würzburg gelandet: Stationen zwischen Flucht und Freiheit
  42. Vision: Ein Pate für jeden Flüchtling
  43. Abschiebungen: Stadt soll Widerstand gegen Freistaat leisten
  44. Mit Hilfestellung ins Arbeitsleben
  45. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel will keine Auffanglager
  46. Fränkisch für Flüchtlinge
  47. Standpunkt: Abschiebungen dienen dem Stimmenfang
  48. Afghanistan: Abschiebung in die Ungewissheit
  49. Standpunkt: Abschiebungen dienen dem Stimmenfang
  50. Status syrischer Flüchtlinge wird verhandelt

Schlagworte

  • Schweinfurt
  • Oliver Schikora
  • Arbeitgeber
  • Flucht
  • Flüchtlinge
  • Sorya Lippert
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!