Stettbach

Wie Landwirte und Bienen profitieren können

Klee bietet eine prächtige Bienenweide.  Foto: microcosmoss

Es muss kein Widerspruch sein, einerseits die Bestäubung der Insekten und ihren Wert für die Nahrungskette zu unterstützen und andererseits als Landwirt gewinnbringend zu wirtschaften. Das war die Botschaft geballter Information beim Info-Abend der drei unterfränkischen Ökomodellregionen.

Das Bayerische Landwirtschaftsministerium hat die Jahre 2019 und 2020 der Biodiversität, der biologischen Vielfalt, gewidmet. Weshalb auch das Fachzentrum Ökolandbau am AELF Bamberg mit den Ökomodellregionen Oberes Werntal, Rhön-Grabfeld und Waldsassengau (bei Würzburg) sowie den Erzeugerverbänden Bioland, Naturland und Biokreis als Veranstalter des Infoabends auftrat. In Stettbach hörten etwa 70 Interessierte, vor allem Biobauern aus ganz Unterfranken, von Anbaumöglichkeiten mit wertvollen Insektenpflanzen.

Klee und Luzerne sind nicht nur für Insekten gut  

Eine prächtige Bienenweide mit reichhaltig Nektar und Pollen bieten Alexandrinerklee, Perserklee und Inkarnatklee, weiß, rosa und dunkelrot blühend, erläuterte Christian Hebig, Fachberater bei Bioland. Ebenso wie Weiß- und Rotklee sowie Luzerne sind diese feinsämigen Leguminosen für die Fruchtfolge des Ökoanbaus essentiell, reichern Stickstoff an und unterdrücken Unkraut. Auch als Druschkultur zur Saatgutvermehrung eignen sich diese Früchte.

Die Vielfalt der Körnerleguminosen, die sowohl für Insekten interessant sind als auch als Stickstoffsammler im Öko-Ackerbau gelten, stellte Naturland-Berater Werner Vogt-Kaute vor. Körnererbsen etwa stoßen als Speise- und Futterware zunehmend auf Interesse, weshalb ihr Anbau zu überlegen sei. Auch die Ackerbohne, in Deutschland noch relativ unbekannt, biete Potenzial. In Nordafrika etwa würde Falafel zur Hälfte aus Kichererbse und zur Hälfte aus Ackerbohne gefertigt.

Sojabohnen als Futter- und Speiseware sowie als Zwischenfrucht seien gefragt, ebenso weiße und blaue Lupinen. Auch Linsen werden in der Region bereits angebaut, sie dienen vor allem als Speiseware. Eine "hochinteressante Zwischenfrucht" ist laut Vogt-Kaute auch die Wicke im Gemenge-Anbau.

Trockene Standorte würde die Platterbse vertragen, die als Speiseware zum Falafelersatz tauge. Anbauversuche mit Kichererbsen in der Region seien bislang gescheitert, so Vogt-Kaute, weil sie zur Ernte absolute Trockenheit benötige.

Nachfrage nach Bohnen groß

Ein "Riesenthema in der Forschung" seien derzeit Stangenbohnen, die mit Mais oder Sorghumhirse als Stütze angebaut würden. Auch die Nachfrage nach Speisebohnen wie Mung-, Adzuki-, Motten- oder Kuhbohnen sei groß. Allerdings bräuchte es Spezialmaschinen zum Ernten. Selbst Erdnüsse, weltweit die zweitwichtigste Leguminose, werden angesichts des Klimawandels bereits in Österreich angebaut. Allerdings fehlen noch lokale Röstmöglichkeiten.

Der Anbau von Körnerleguminosen, hier von Wicken in der Nähe von Obbach, bietet Insekten eine Nahrungsquelle und dient L... Foto: Silvia Eidel

Über seinen Senf- und Buchweizenanbau informierte Sebastian Ott vom oberfränkischen BioRegio-Betrieb Buckenreuth. Zur Saatgutvermehrung biete der Gelbe Senf einen interessanten Preis, allerdings falle die erhöhte Kulap-Prämie heuer weg. Für eine konventionelle Senfproduktion stehe der Anbau jedoch in direkter Konkurrenz zu kanadischer, chinesischer und ukrainischer Ware. Zudem seien die Anforderungen an Farbe, Geschmack und Reinheit - bei 99 Prozent - sehr hoch.

Eine Erweiterung der Fruchtfolge biete der Anbau von Buchweizen, der Phosphor aus dem Boden aufschließen soll. Buchweizen sei ein wahres Insektenparadies, Imker könnten den Honig gut vermarkten. Grundsätzlich nannte der Öko-Landwirt als Voraussetzung für den Anbau von Sonderkulturen eine Experimentierfreude beim Landwirt, finanzielle Unabhängigkeit und starke Nerven.

Wie lassen sich die Früchte vermarkten?

Vermarktungsmöglichkeiten der Früchte stellte Liane Regner von der Naturland-Marktgesellschaft vor, wobei sie auf die nötigen Lagerkapazitäten bei den Landwirten hinwies. Weiß- und Rotklee-Vermehrung seien aktuell möglich, Speiseerbsen gesucht. Ackerbohnen, Soja und Lupinen ließen sich gut als Speiseware vermarkten, ebenso Kichererbsen. Senf sei eventuell noch lukrativ, von Buchweizen rate sie angesichts der Anforderung nach Glutenfreiheit ab.

Einen Überblick über die Aufgaben des Instituts für Bienenkunde und Imkerei bei der LWG Veitshöchheim bot abschließend stellvertretende Leiterin Ingrid Illies. Die Sicherung der Bestäubungsleistung der Bienen zählt dazu. Dafür brauche sie aber bei der Nahrungssicherung sowie in ihren Lebensräumen die Unterstützung des Menschen.

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