REGION GEROLZHOFEN

Wie schutzwürdig ist der Buchenwald?

Bald kein geschützter Landschaftsbestandteil mehr? Die Regierung von Oberfranken will den Schutzstatus für „Der hohe buc... Foto: Matthias Beck

Die einen jubeln, die andern sind empört und drohen mit Klage. So unterschiedlich fallen die Reaktionen auf die Ankündigung der Regierung von Oberfranken vom Dienstag aus, sie habe ein Aufhebungsverfahren gegen den knapp 800 Hektar großen geschützten Landschaftsbestandteil „Der hohe buchene Wald im Ebracher Forst“ eingeleitet.

Wie berichtet, plant der Bund Naturschutz (BN) eine Klage, falls es tatsächlich zu einer Aufhebung des Schutzgebiets kommen sollte. Nachdem die Staatsregierung mit allerhand Tricks versucht habe, das Schutzgebiet auszuhebeln, sei im Landtag extra dafür das Naturschutzgesetz geändert worden, schreibt der BN in einer Pressemitteilung. Damit habe die Regierung von Oberfranken überhaupt erst die Zuständigkeit für das betreffende Schutzgebiet erhalten und müsse nun handeln.

Hubert Weiger, BN-Landesvorsitzender, sagt dazu: „Die Aufhebung der Verordnung wäre ein verhängnisvoller Präzedenzfall, weil sie fachlich in keiner Weise gerechtfertigt ist. Deshalb werden wir alle uns möglichen Rechtsmittel dagegen einlegen und notfalls durch alle Instanzen bis zum Bundesverwaltungsgericht dagegen klagen.“ Der BN hält das Gebiet bei Ebrach für absolut schutzwürdig, weil darin etwa 3000 alte Starkbuchen stehen.

Hier widerspricht Ulrich Mergner, Leiter des Forstbetriebs Ebrach. Bei dem Schutzgebiet handele es sich um einen ganz normalen Wald, wie er überall im Steigerwald zu finden sei. Das werde jeder nicht politisch urteilende Waldexperte bestätigen. Die vom BN ins Feld geführten Buchen mit mehr als 140 Jahren seien nicht alt. Wirklich alte Buchen könnten es auf 300 bis 350 Jahre bringen. Auch ohne Schutzgebiet werde der Forstbetrieb den Buchenwaldcharakter erhalten und die ökologische Wertigkeit steigern.

Die Bayerischen Staatsforsten haben eine Klage gegen die Verordnung des Landratsamts Bamberg eingereicht, um die einjährige Einspruchsfrist nicht verstreichen zu lassen. Bisher sei diese Klage aber nicht weiterverfolgt werden. Sie könnte nun bald überflüssig sein. Philipp Bahnmüller (Regensburg), Pressesprecher der Bayerischen Staatsforsten, bestätigt, die Klage werde zurückgenommen, sobald die Verordnung über das Schutzgebiet außer Kraft ist. Damit rechnet Ulrich Mergner für Anfang August.

Der Verein Nationalpark Nordsteigerwald kritisiert natürlich das Vorgehen der Regierung von Oberfranken. Der Verein wendet sich in einem Offenen Brief an die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und bittet sie darin, sich erstens politisch für den Erhalt des Schutzgebiets einzusetzen und zweitens darauf hinzuwirken, dass das Bundesland Bayern sich seiner Verantwortung stellen muss, die Nationale Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt, einzuhalten. Das Schutzgebiet „Der Hohe Buchene Wald im Ebracher Forst“ könne zur Keimzelle für einen künftigen Nationalpark im Staatswald werden.

Machbarkeitsstudie angeregt

Die SPD-Landtagsfraktion hat eine Machbarkeitsstudie für den nördlichen Steigerwald angeregt und verlangt über die unterfränkische Abgeordnete Kathi Petersen aus Schweinfurt ein Moratorium, bis alle Fakten geklärt sind. Ihre oberfränkische Landtagskollegin Susann Biedefeld aus Coburg sorgt sich um die Chancen der Region, zum Weltnaturerbe erklärt zu werden, wenn das Schutzgebiet weg ist.

Gerhard Eck, Staatssekretär im Innenministerium und Vorsitzender das Anti-Nationalparkvereins „Unser Steigerwald“, fasst sich auf Anfrage kurz. „Die Aufhebung des Schutzgebiets ist längst überfällig. Es kann keinen Zweifel an seiner Unrechtmäßigkeit geben und wenn doch, dann muss auch dieser Zweifel ausgeräumt werden.“ Jedenfalls habe die Staatsregierung die gesetzliche Grundlage zur Aufhebung der Verordnung des Bamberger Landratsamts geschaffen. Dieses hatte die Verordnung wie berichtet im April 2014 wenige Tage vor dem Ausscheiden von Günther Denzler aus dem Amt des Landrats erlassen.

Nicht vereinbar mit seinem Rechtsverständnis ist für Revierleiter Volker Conrad die Tatsache, dass ein Verband wie der BN gegen eine Entscheidung einer Bezirksregierung klagen kann, nicht aber ein direkt betroffener Nachbar wie der Gemeinsame Bürgerwald Gerolzhofen/Dingolshausen gegen die Verordnung des Landratsamts Bamberg.

Nachteile für den Bürgerwald

Der 800 Hektar große Bürgerwald hat eine sechs Kilometer lange Grenze zum Noch-Schutzgebiet. Conrad befürchtet neben anderen Nachteilen vor allem Schädlingsplagen, die vom unbewirtschafteten Schutzgebiet direkt auf den Bürgerwald übergreifen könnten. Nicht einmal eine Pufferzone sei eingehalten worden.

Volker Conrad wäre allerdings einen klare Gerichtsentscheidung gegen das Schutzgebiet lieber als eine Aufhebung durch eine Regierung. Denn dann müsste sich endlich auch einmal der BN daran halten.

Für das unterfränkische Landtagsmitglied Hans Jürgen Fahn (Freie Wähler) ist die Entscheidung der oberfränkischen Regierung absolut richtig. Sie bestätige die Position der Freien Wähler gegen einen Nationalpark Steigerwald.

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