REGION GEROLZHOFEN

Wieder ein bitteres Jahr für Raps-Anbauer

Ausgedünnt: Der Raps steht vielerorts in voller Blüte und zugleich wird deutlich, dass in der Region Gerolzhofen Fröste und Trockenheit ihre Spuren hinterlassen haben.
Ausgedünnt: Der Raps steht vielerorts in voller Blüte und zugleich wird deutlich, dass in der Region Gerolzhofen Fröste und Trockenheit ihre Spuren hinterlassen haben. Foto: Alois Wohlfahrt

Was für ein herrliches Farbenspiel. Rotbraune Erde, grüne Stengel und darauf wiegen sich in der Sonne knallgelbe Rapsblüten. Und im Hintergrund leuchtet hellgrün der Steigerwald Auf dieses Farbenspiel würden die Landwirte allerdings gerne verzichten. Denn es zeigt auf vielen Rapsäckern die ganze Misere des Frühjahrs 2012: Der Raps steht vielerorts lausig da. Einheitlich gelb müssten die Felder leuchten, kaum Grün dürfte zu sehen sein und schon gar kein Ackerboden. Eines ist klar: Bei vielen Landwirten wird der Raps in diesem Jahr erneut ein Ausfall sein. Und offenbar schwindet inzwischen auch die Lust am Anbau.

Gleich zweimal hat die Witterung dem Raps zugesetzt, der im vergangenen Herbst eigentlich noch ganz ordentlich auf den Feldern stand. Da waren zum einen die starken Frosttage im Februar ohne den Schutz einer Schneedecke und dann im März die sogenannten Wechselfröste, an denen der Raps besonders leidet. „Der Haupttrieb war abgefroren“, berichtet der Dingolshäuser Landwirt Walter Loos, der Raps hauptsächlich im Bereich von Bischwind anbaut, im Gespräch mit der Main-Post. Das Abfrieren des Haupttriebs wäre zwar noch nicht so schlimm, denn dann bildet der Raps gleich Seitentriebe aus und die können den Ertragsausfall normalerweise noch einigermaßen auffangen. Die Seitentriebe kamen dann auch, anfangs sah der Raps sogar noch ganz gut aus, doch die Bestände wurden zusehends dünner, immer mehr Pflanzen verwelkten. Der Grund: Ein Pilz schädigt die Pflanzen.

Zu wenig Regen

Dieser Pilz ist nicht ungewöhnlich, und bei normaler Witterung stört er auch die gesunden, kräftigen Pflanzen nicht. Aber die Witterung ist alles andere als normal in diesem Frühjahr. Denn neben der nächtlichen Kühle – Walter Loos: „Da kann einfach kein Wuchs entstehen.“ – gibt es ein weiteres großes Problem: Das Wasser fehlt. „Eigentlich hat es in unserem Bereich gar nicht geregnet, höchstens die Leute geärgert“, hört man aus der Landwirtschaft. Immer gerade einmal zwei bis drei Millimeter, das Wasser erreichte die Wurzeln gar nicht. Die Pflanzen sind durch die Trockenheit gestresst und geschwächt, der Pilz konnte angreifen.

„Jeder Tropfen Regen zählt“, macht Loos klar. Die warmen Temperaturen und der austrocknende Wind verschärfen die Situation. Selbst das Gewitter in der Nacht zum Mittwoch brachte keine Entspannung. „Es waren gerade mal fünf Liter in Dingolshausen.“ Die dramatische Folge: Der Bauer rechnet bei Raps mit einem Ernteausfall von 50 Prozent.

„Die Schäden sind unterfrankenweit zu beobachten“, sagt Tobias Kind vom Erzeugerring in Würzburg. Er rechnet mit Ertragseinbußen von zwei Dritteln beim Raps. Nicht bei 30 Dezitonnen, sondern vermutlich nur bei rund zehn Dezitonnen dürften die Erträge im Schnitt in Unterfranken liegen. Eigentlich müssten wohl 50 Prozent der Flächen umgebrochen werden, weil sie nicht einmal mehr die zehn Dezitonnen bringen, so Kind. „Es wird ein riesiger Ausfall. Es wird richtig wehtun.“

Zumal auch das vergangene Jahr für etliche Rapsanbauer ein schlechtes Jahr war. „Voriges Jahr miserabel und heuer dasselbe. Die Lust auf Rapsanbau dürfte wohl abnehmen. Der Missmut ist sehr groß“, berichtet Helmut Grell, viele Jahre als Pflanzenbauberater des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Schweinfurt) tätig. „Es ist einfach schlimm. Die Landwirte haben alles richtig gemacht, aber es liegt an der Witterung.“ Nur 28 Liter pro Quadratmeter hat es im April geregnet, nur acht waren es im März, so Grells private Aufzeichnungen.

Bitter ist die Situation bei den betroffenen Rapsbauern, die die Flächen umbrechen müssen, gleich in mehrerlei Hinsicht. Zum einen: 80 bis 90 Prozent der Kosten, die bis zur Ernte anfallen würden, wurden jetzt schon getätigt. Mit rund 500 Euro pro Hektar schlagen dabei allein die Betriebsmittel wie Saatgut und Pflanzenschutz zu Buche, zählt Tobias Kind vom Erzeugerring auf. Dazu kommen noch Festkosten, wie unter anderem die Pacht.

Strich durch die Rechnung

Und was ebenso bitter ist: Raps erzielt auf dem Markt derzeit einen hohen Preis, aber die Landwirte haben nichts davon. Derzeit liegt der Rapspreis bei rund 50 Euro pro Dezitonne im Bereich des All-Zeit-Hochs. Stattdessen müssen die Landwirte Geld in die Hand nehmen, um etwa auf den umgebrochenen Flächen noch Mais anzusäen.

Ein weiteres Problem: Landwirte haben zum Teil Vorverträge mit dem Handel geschlossen. Und der Handel selbst hat wiederum Kontrakte geschlossen, die er erfüllen muss. Können die Landwirte ihre Verträge nicht erfüllen, müssen die Agrar-Händler selbst zukaufen – zu höheren Preisen. Es zeichne sich wohl ab, dass das, was der Handel nun teurer kaufen muss, im nächsten Jahr bei den Vorverträgen mit den Landwirten abgezogen wird.

Es werde immer eine Lösung geben, man werde auch diese Situation wieder einvernehmlich mit den Bauern überstehen, sagt Geschäftsführer Edgar Seuferling von Wolf Agrarhandel in Gerolzhofen. Auch Seuferling ist der Meinung, die Situation für die Landwirte sei schon deshalb bitter, weil sie eigentlich alles richtig gemacht haben. Aber das Wetter habe einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auch bei Walter Loos, der für etwa die Hälfte seiner erwarteten Ernte schon Vorverträge abgeschlossen hat, macht sich Frust breit. „Man weiß einfach nicht, was man noch machen soll.“ Ob er auch in Zukunft noch Raps anbauen wird? „Ja“, sagte er, „ich muss, wegen der Fruchtfolge.“

Ein Rapsexperte: Helmut Grell.
Ein Rapsexperte: Helmut Grell.

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