Schweinfurt

Wiederholungstäter in Schweinfurt: 20-Jähriger schlägt, beleidigt und greift Polizisten an

Auch vor Polizisten zeigte ein 20-jähriger aggressiver Schläger keine Achtung. Nach seinem Opfer, einem Hundehalter, schlug und beleidigte er auch die Beamten. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Mitte September 2018: Abends gegen 22 Uhr gerät der Angeklagte an der Bushaltestelle Roßmarkt mit einem anderen Mann in Streit, würgt diesen am Hals, bis ihn zwei Begleiter wegziehen. Kurz darauf springt er mit Anlauf mit dem Fuß voraus in Richtung des Kopfes des Kontrahenten, trifft diesen aber nicht, sondern die Glaswand der Bushaltestelle, die zu Bruch geht.

Angriff auf Hundehalter

Heuer, Anfang Februar, kurz nach 20 Uhr, der nächste Ausraster: Der Mann, in Begleitung von drei weiteren Kumpels, greift in der Luitpolstraße aus heiterem Himmel einen 33-jährigen Dachdecker an, obwohl dieser seine nicht eben kleinen Hunde – zwei Boxer – an der Leine hat und ausführt. "Er hat versucht, mich zu Boden zu reißen", sagt der 33-Jährige als Zeuge vor dem Jugendschöffengericht. Aggressiv und enthemmt sei der Angeklagte gewesen, wohl angetrunken, aber nicht total besoffen.

Zwei Zivilpolizisten fahren zufällig vorbei, sehen den Pulk und das Gezerre, halten an und kommen dem Opfer zu Hilfe. Einem der Beamten, die sich als Polizisten zu erkennen gegeben hatten, schlägt der 20-Jährige mit der Faust ans Kinn. Den anderen, der ihn zu Boden bringt, versucht er zu treten und versetzt ihm einen Schlag aufs linke Auge. Als einer seiner Begleiter eingreift, gelingt es dem Aggressor zu flüchten.

Beamte übelst beleidigt

Zwischenzeitlich ist eine uniformierte Streife zur Verstärkung eingetroffen. Diese beiden Beamten nehmen die Verfolgung des 20-Jährigen auf. Nach 100 Metern holen sie ihn ein. Sie erklären ihm, dass sie ihn jetzt festnehmen, wogegen er Widerstand leistet und dabei wüste Beleidigungen ausstößt: "Hurensohn", "Scheiß Bastarde" und noch Schlimmeres. Einem der Beamten spuckt er seinen Kaugummi ans Hosenbein. So berichten es die Zeugen vor Gericht. Der Angeklagte kann sich angeblich an wenig erinnern, jeweils aufgrund seiner Alkoholisierung. Nur was ihm die anderen angetan haben sollen, das wusste er.

Zu Prozessbeginn um 9 Uhr glänzte der 20-Jährige durch Abwesenheit. Weil er zwischenzeitlich von Schweinfurt nach Fladungen (Lkr. Rhön-Grabfeld) verzogen war, dauerte es Stunden, bis ihn die Polizei geholt hatte. Eine halbe Armada - Gericht, Staatsanwältin, Verteidiger, die Vertreterin des Jugendamtes, die Zeugen - sie alle waren zum Warten verdammt. Dann brauchte er einen Dolmetscher für Farsi, obwohl er ganz gut Deutsch sprach - nochmal warten auf den Dolmetscher. Um 12 Uhr etwa ging's dann los.     

Knast wirkt wohl nicht

Drei Vorstrafen bringt der 20-Jährige mit. Letztes Jahr hatte er in Würzburg und Schweinfurt Jugendstrafen kassiert wegen Sachbeschädigung, Beleidigung, Bedrohung, Körperverletzung, Rauschgifthandel und Diebstahl. Weil er die Auflagen nicht erfüllt hatte, verbrachte er sieben Wochen in Arrestzellen, davon sechs wegen Ungehorsams. "Was wirkt auf Sie eigentlich?", fragt ihn der Vorsitzende. Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe charakterisiert den jungen Mann als "distanzlos, provokant, uneinsichtig, unzugänglich" und sieht bei ihm auch "schädliche Neigungen". Der Aufenthaltsstatus des Asylbewerbers aus Afghanistan sei eine Duldung – bis 5. November. 

Die Staatsanwältin sieht die Anklage bestätigt: "Immer dasselbe Muster. Er sucht Streit, wird aggressiv, führt sich auf wie die Axt im Walde – und natürlich sind immer die anderen die Auslöser von Konflikten, auch die Polizisten." Arreste seien ihm egal. Die Staatsanwältin fordert eine zweijährige Jugendstrafe ohne Bewährung. Selbst der Pflichtverteidiger will die "schädlichen Neigungen" bei seinem Mandanten nicht wegplädieren. Er hält aber eine Bewährungsstrafe für ausreichend.  

Alkohol- und Drogenverbot

Eineinhalb Jahre auf Bewährung urteilt das Jugendschöffengericht für die Vielzahl der Körperverletzungen, die Angriffe auf Polizisten, den Widerstand, die üblen Beleidigungen und eine Sachbeschädigung. Eine Auflage wird den jungen Mann treffen: ein mehrmonatiges Alkohol- und Drogenverbot. Angetrunken war er bei seinen Ausrastern immer – wenn auch nicht in dem Maß, dass er für seine Taten schuldunfähig gewesen wäre. Gegen das Urteil sind Rechtsmittel möglich.

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