Willy Michl: Der Indianer auf dem Friedenspfad

Willy Michl       -  Isarindianer im Lederwams: Willy Michl kommt am Donnerstag, 17. September, in die Disharmonie.
Isarindianer im Lederwams: Willy Michl kommt am Donnerstag, 17. September, in die Disharmonie. Foto: Stattbahnhof

Willy Michl, der einst den bayerischen Blues erfand, der Isarindianer im Lederwams mit den Federn im Haar, kommt am Donnerstag, 17. September, 19.30 Uhr, in die Disharmonie. Seine Musik geht längst weit über den reinen Blues hinaus, sie vereint unterschiedlichste Elemente zu einem eigenen Stil, zu einer eigenen Art Weltmusik. Seit 1978 ist er „Independant“ – er und seine Frau Cora machen alles selbst. Er hat weder Management noch Plattenfirma.

Frage: Gab es für Sie jemals die Option anpassen und Mainstream werden?

Willy Michl: Nein! Daran habe ich schon in den ersten Tagen meiner Liedermacher-Laufbahn nicht gedacht. Ich war sowieso immer ein richtiger Bluessänger, und das passt in keinen Mainstream. Heute ist das vielleicht etwas anders, der Blues ist ja Nährboden fast jeder Pop- und Rockmusik. Aber, um in den Mainstream zu gelangen, müsste man sich der Plattenindustrie, und den Machthabern der Branche, unterwerfen, und das geht gar nicht. Der Isarindian Willy ist Hardcore Indie! Meine Shows und meine neue CD, an der ich schon lange arbeite, und die ich nun doch bald aufnehme, heißt Friedener-Freedener.

Sie stehen seit mindestens 40 Jahren auf der Bühne – in den 70ern und 80ern gab es eine große und ziemlich heterogene bayerische Bewegung von Liedermachern und Künstlern wie Georg Ringsgwandl, Eisi Gulp, Konstantin Wecker und eben auch Ihnen. Ois is Blues, hieß es damals. Es gab eine große Euphorie über so viel Neues und Unerhörtes. Was ist von all dem übrig geblieben? Wo hat es hingeführt?

Michl: Als ich Mitte der 70er „Blues goes to mountain“ und „Blues & Balladen“ aufgenommen habe, hieß das „Bayerischer Blues“. Das gab?s vorher nicht. Und es ehrt mich, dass man mich heute als Erfinder eines neuen Musikgenres sieht. „Ois is Blues“, aufgenommen 1979, war meine erste Eigenproduktion, eine sehr erfolgreiche Platte, die wir auch selbst vertrieben haben, Anfang der 80er Jahre. Sie war der Gipfelpunkt des Bayerischen Blues. Danach erschienen die anderen Sterne am Bayerischen Chansonhimmel. Sag ma? mal so, ich habe originale Bluesmusik, und zwar nicht die Imitation derselben, sondern meine eigene authentische Bluesmusik, mit bayerischen Texten verbunden, und das hat reingehaun. Wenn wir heute Stars sehen wie Keller Steff, Claudia Koreck, oder Haindling, auch Wecker und andere Jungs und Mädels der Szene, so kam das letztlich auf ein und der selben Welle daher, die ich in Bayern in Bewegung gesetzt hatte.

Es gab auch die Austro-Popper und Rocker, sie haben eine eigene Welle, die sich dann natürlich in der heute sogenannten neuen Volksmusik, zu der ich nie gehörte, begegnet. Hubert von Goisern zum Beispiel macht Alpenrock.

Sie gehen schon immer Ihren ganz eigenen Weg – kostet das nicht unendlich viel Kraft in einer Zeit, in der fast nur noch das wahrgenommen wird, was gerade angesagt und modisch ist?

Michl: Ja klar, wer nicht mit dem Strome schwimmt, braucht Kraft und Mut. Es hätt ja auch schiefgehen können. Und dann wär ich wohl Bratwürstl-Stand-Besitzer geworden, da verdient man mehr als als Bluessänger. Ich sage jedoch, wenn man ein guter Musikmann ist und hart an sich arbeitet, dann hat man schon eine Chance, noch dazu in Zeiten des Internet. Ich kann zum Beispiel seit Beginn des Millenniums, meine CDs in einem eigenen Isarindian-Shop anbieten. Mein Back-Katalog heißt „Bayerische Blueslegende“ – so hat mich die Presse Mitte der 90er bezeichnet, und ich habe jetzt drei Best-of-CDs rausgebracht, auf meinem eigenem Label Michl Records, das seit 1980 existiert. Und es gibt meine Autobiografie „Traumwanderer“, da steht mein Leben drin, ich hab?s selber geschrieben.

In einer Zeit, in der man mit einem YouTube-Video von einem albernen Tanz weltberühmt wird, kommen Sie mit einer spirituellen Botschaft – Sie haben Ihr Vertrauen in die Menschen also noch nicht verloren?

Michl: Ich werde immer an die Menschen glauben! Und ich finde diesen Tanz (Gangnam Style, Red.) gar nicht so schlecht, auch wenn seine Bewegung und Schritte nicht wirklich schön sind. Tango oder Walzer find ich geiler! Aber, es is eigentlich was Gutes, wenn die Menschen tanzen. Es is nett und mir viel lieber, als wenn sie sich auf den Boden knien, und die Hände in die Luft schmeissn und kriegsmäßige Gebete zum Himmel schicken. Ich denke, dass die Menschen frei sein möchten, und sich letztlich doch immer für das Segensreiche entscheiden wollen, aber das wird ihnen in den Zeiten, die wir grad erleben, äußerst schwer gemacht. Deshalb gibt?s dann so einen scheinbar albernen Tanz.

Bei Ihren Konzerten, auch das kann man bei YouTube erfahren, haben die

Leute ziemlich viel Spaß. Ist der alte Blueser lockerer geworden?

Michl: Ja klar, Spaß muss ein, aber mein Willy-Michl-Konzert besteht aus Ying und Yang, es gibt auch ernste Bluesgesänge und sogar tragische Balladen, und es gibt Comedy Bits, das sind kabarettistische Talkin' Blues, das sind einmalige Momente, und da wird oft herzlich gelacht. Ich bin Liedermacher und Blues-Singer, manche sagen ich bin der beste Kabarettist, den sie kennen, ich unterhalte die Leute in einem breiten Spektrum. Meine Show dauert zweimal 80 Minuten und manchmal länger. Ich trete als Solist auf, spiel meine Guitar und singe, es ist etwas, das nur ich mache. Ich agitiere niemanden politisch, aber ich mach kein Hehl aus meiner Weltanschauung. Und diese ist indianisch. Ich sehe die Dinge aus einem anderen Blick. Ich habe ein bedeutendes Mantra bekommen: Wir dürfen uns nicht gegenseitig verletzen, wir müssen uns lieben, respektieren und ehren. Ich bin nicht lockerer geworden, sondern besser und präziser. Ich denke, es hat keinen Sinn, die Machthaber zu beschimpfen, ich denke es macht nur Sinn, sie vom Besseren zu überzeugen. Wir müssen Demokraten bleiben, und wir müssen die Demokratie reformieren, ohne Gewalt und mit sicherer Geduld.

Karten: Tel. (0 97 21) 2 88 95.

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