Wipfeld

Wipfelder feierten das Ende der Weinlese

Bei einer symbolischen letzten Traubenfuhre und dem damit verbundenen Weinlesefest auf dem Marktplatz hatte auch der Winzernachwuchs seinen Spaß.
Teamarbeit bei der letzten Traubenfuhre: Zehngraf Albert Kestler und Weinprinzessin Marie Schneider mit dem Winzernachwuchs und Bürgermeister Tobias Blesch (links). Foto: Peter Pfannes

"Was im vergangenen Jahr in den Wengert hängen blieb, hätten wir heuer gut gebrauchen können", sagte Albert Kestler am Samstag auf dem Marktplatz. Die Symbolfigur des Wipfelder Zehntgrafen feierte gemeinsam mit Weinprinzessin Marie Schneider und mehreren hundert Gästen den Abschluss der Weinlese, die aufgrund der großen Hitze im Sommer nur etwa 50 Prozent des vorjährigen Ertrags in die Keller der Winzer brachte. Dass dagegen die Qualität der Rebsäfte 2019 vorzüglich ist, spiegelte der leckere Federweiße wider, den die Winzer den Besuchern kredenzten.

Es ist gute Tradition, dass die Wipfelder Zehntgraf-Winzer den Abschluss der Weinlese gemeinsam mit Touristen und Einheimischen feiern. Zwar pausierte die "symbolisch letzte Traubenfuhre" Anfang des 21. Jahrhunderts einige Jahre, doch seit 2014 trifft man sich wieder Mitte Oktober im Dorfzentrum, um in fröhlicher Runde auf die Weinernte anzustoßen.

Treue Gäste aus Hamburg

Seit Jahren sind Hannelore und Eckard Schulz mit ihrem Wohnmobil treue Gäste der Mainregion. Auf dem Wipfelder Wohnmobilstellplatz hat das Ehepaar aus Geesthacht bei Hamburg sein "Zelt" aufgeschlagen, um die Traubenfuhre live mitzuerleben. Während Hannelore die köstlichen Träubel aus dem vom Weingut Fischer befüllten Behältnis kostet, widmet sich ihr Mann leidenschaftlich dem gärenden Getränk. "Puh, schmeckt der Bremser lecker", schwärmt der Freizeitcamper.

Hannelore und Eckard Schulz aus Norddeutschland genießen die letzten Trauben des jahres in Wipfeld in vollen Zügen. Foto: Peter Pfannes

Eine ganz besondere Weißweinsorte präsentiert das Weingut Fischer diesmal zum Verkosten: ein frisch gelesener Mariensteiner – eine Neuzüchtung aus den Sorten Silvaner und Müller-Thurgau. Während Familie Schulz das Treiben vor dem Rathaus genießt, bringen eifrige Mädchen und Jungen die Miniatur-Traubenpresse in Gang. "Da kriegt man ja ganz pappige Hände. Ist aber nicht so schlimm", meint Maximilian. Der Bub aus Wipfeld ist mit seinen Geschwistern zum Fest gekommen. Die kleinen Nachwuchswinzerinnen und -winzer haben sichtlich viel Spaß beim kraftraubenden Zerquetschen der Trauben.

Ehemaligen-Kapelle spielte auf

Viele Augen beobachten das herzerfrischende Treiben rund um die Traubenpresse. Wein, Apfel- und Traubensaft sowie köstliche Brotzeiten finden reichlich Absatz. Die Ehemaligen-Kapelle des örtlichen Musikvereins heizt die Stimmung im Zwei-Vierteltakt an. "Durch Erde, Sonne, Winzerfleiß gedeiht der Wein zu Gottes Preis. So trinke Wein mit weisem Ziel, wohl stets genug doch nie zu viel", wendet sich Weinprinzessin Marie Schneider bei zwölf Grad Celsius fröstelnd an die Weinfreunde. Etwas wärmere Temperaturen hätte sich die Weinhoheit schon gewünscht, doch am Wetter könne man eh´ nichts machen, meint die 21-Jährige charmant.

Letzte Traubenfuhre mit Musik und Wein in Wipfeld am Main Foto: Peter Pfannes

Im kommenden Frühjahr wird sie die Weinkrone an ihre Nachfolgerin übergeben. In ihrer zweijährigen Amtszeit hat sie viele unvergessliche Begegnungen in ganz Franken erlebt, vor allem aber bei den heimischen Veranstaltungen wie Weinfest, Weinbergswanderung und Promenadenweinfest. Dass wieder viele Gäste zum Endspurt bei der diesjährigen Weinlese gekommen sind, freut sie besonders. "Unsere Winzer haben das ganze Jahr hart gearbeitet", stellt sie fest.

Kleinwinzer und Selbstvermarkter bewirtschaften 85 Hektar Rebfläche rund um Wipfeld. "Die letzte Traubenfuhre ist auch ein Dankeschön an unsere Winzer", betont die Studentin. "Temperaturen von bis zu 41 Grad", erinnert Zehntgraf Kestler an den Sommer. "Diese Hitze hat den Reben nicht gut getan." Ganze Bacchus-Weinberge seien ausgetrocknet. Hinzu kam ein Hagelschaden an Fonleichnam. Sein Fazit: "Wir wollen nicht jammern. Das ist halt die Natur."

Außergewöhnliches Hitzejahr

Auch Bürgermeister Tobias Blesch spricht von einem außergewöhnlichen Hitzejahr mit Trockenheit. Vor fünf Jahren ließ die Gemeinde das Fest der Traubenfuhren wieder aufleben. Zuvor war der örtliche Weinbauverein zuständig. Das Ziel des Gemeindeoberhaupts beim Weinlesefest: Genuss und Geselligkeit, für die Kinder ein Aktiverlebnis. "Die Feier zum Abschluss der Weinlese soll auch ein Dank an die fleißigen Helfer sein", stellt Blesch fest, der in seinem Familienbetrieb selbst als Genossenschaftswinzer tätig ist.

Schlagworte

  • Wipfeld
  • Peter Pfannes
  • Marktplätze
  • Mädchen
  • Müller-Thurgau
  • Tobias Blesch
  • Wein
  • Weinfeste
  • Weinfreunde
  • Weingärtner
  • Weingüter
  • Weinlese
  • Weinstöcke
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!