SCHWEINFURT/WÜRZBURG

„Wir Frauen kennen solche Anmache“

Das Trio auf der Anklagebank ist wegen gemeinschaftlich begangener schwerer Körperverletzung angeklagt. Das Strafmaß dafür beginnt bei sechs Monaten aufwärts. Den 19- bis 23-Jährigen aus Stadt und Landkreis Schweinfurt scheint die Tragweite ihres Handelns aber nicht recht klar zu sein. Sie kommen ohne Anwälte und stellen sich als mehr oder weniger zu Unrecht angeklagt dar, räumen allenfalls die Möglichkeit ein, zugeschlagen zu haben.

Am 6. Juli 2014 gegen 3 Uhr sollen sie zwei ihnen bis dahin völlig unbekannte junge Männer aus Würzburg krankenhausreif geschlagen haben. So lautet die Anklage. Vorausgegangen war eine üble Anmache der beiden Freundinnen der späteren Opfer durch einen vierten Mann. Der hatte damals rechtzeitig vor Eintreffen der Polizei das Weite gesucht. Ob es sich um einen Kumpel der Schweinfurter handelt, bleibt das Geheimnis der Angeklagten. Sie schweigen dazu.

Zu der Anklage äußern sie sich aber. Ja, dabei waren wir schon, aber alles war halb so schlimm, ist der Tenor ihrer Aussagen. Haben Sie zugeschlagen? Einer beantwortete die Frage des Vorsitzenden am Jugendschöffengericht so: „Kann sein, kann aber auch nicht sein“.

Den Ablauf schildert als Zeugin aber eine der angemachten jungen Frauen sehr detailliert. Sie erinnere sich wegen der außergewöhnlichen Anmache und der blutüberströmten Freunde so genau, sagt sie: Der große Unbekannte quatscht die beiden hübschen Frauen an, dass sie bei ihm „gute Chancen hätten“. Dann reißt er sich sein Hemd vom Leib, präsentiert sich und droht den Frauen mit Vergewaltigung, sollten sie sich nicht für ihn entscheiden.

Die Freunde der Frauen mischen sich natürlich ein. Es kommt zunächst zu Beleidigungen, dann wird die Schweinfurter Gruppe aggressiver und es setzt Schläge. Die beiden Würzburger gehen als Verlierer hervor, sind blutüberströmt, haben Prellungen und Platzwunden.

Die Vergewaltigungsdrohung habe sie gar nicht so ernst genommen. „Wir Frauen kennen solche Anmache“, stellt sie bedauernd fest und fügt an: „Ich habe gedacht, der hat einen an der Klatsche“. Das macht ihre Aussage umso glaubwürdiger.

Sie erinnert sich auch genau, wer zugeschlagen hat, entlastet aber auch einen der Angeklagten, dass er es keinesfalls war, der sie und das andere Mädchen so blöd angequatscht habe.

Auch die verprügelten Opfer kommen zu Wort. Auch sie berichten von massiven Schlägen. „Mir war schwarz vor Augen“, sagt ein 23-Jähriger.

Staatsanwältin und Gericht sehen die Schuld des Schlägertrios als erwiesen an. Der jüngste Angeklagte kommt mit 40 Arbeitsstunden davon. Er saß zum ersten Mal vor Gericht und wollte möglicherweise doch mehr schlichten als Randale. Die beiden anderen, beide 23 Jahre alt, erhalten zehn und elf Monate auf Bewährung. Mit ein Grund dafür sind einige Einträge im Zentralregister, auch einschlägige darunter. Dass es damals nicht eskalierte, dafür sorgten dazu gerufene Türsteher einer Diskothek in Würzburg, die auch die Polizei riefen. In der Innenstadt-Diskothek hielten sich zuvor alle Beteiligten auf.

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