SCHWEINFURT

Wir sind bunt:Bernstein macht's vor

Im Café Bernstein in der Brückenstraße in Schweinfurt arbeiten Menschen aus neun Nationen. Auch die Gäste sind international. Nach den Anschlägen in Paris und vor allem wegen der Pegida-Aufmärsche überall im Land blieben Diskussionen unter den Beschäftigten und den Gästen nicht aus. Wirt Christian Zahlten hat sich nun entschlossen, nicht nur zuzusehen und zu diskutieren – er will handeln.

Zahlten veranlasste ein gemeinsames Fotoshooting aller 17 Mitarbeiter, um das Miteinander so vieler unterschiedlicher Menschen, „die sich bestens verstehen“, auch nach außen hin auszudrücken. Das Foto mit der vielfarbigen Überschrift „Wir sind bunt“ und dem Text „Gegen Rassismus, Intoleranz und Vorurteile“ wird im Restaurant, möglicherweise auch davor als ein „Zeichen gegen Intoleranz und Ausländerhass“ aufgehängt, berichtet der Wirt. Er hat sich auch an die Medien gewandt, die über seine Aktion in unterschiedlicher Weise berichten wollen.

Der Pächter des Cafés und Restaurants mit Bar freut sich, dass der Pegida-Bewegung bei ihren öffentlichen Montagsauftritten deutschlandweit mittlerweile einer Überzahl an Gegendemonstranten gegenübersteht. Dass die Bewegung aber nicht allein aus unzufriedenen Menschen aus der Mitte der Bevölkerung besteht, das habe er „von Anfang an durchschaut“. Wie sich jetzt zeigt, nutzten Rechte und Radikale die Proteste für ihre Ziele. Seine Aktion habe er auch initiiert, weil der „Spuk“ nach wie vor jede Woche stattfindet, sagt Christian Zahlten.

Die Menschen, die im Bernstein in der Küche oder im Restaurant als Servicekräfte arbeiten kommen aus dem Iran, aus Kasachstan, Russland, Polen, der Türkei, aus Finnland, es ist ein Kosovo-Albaner beschäftigt, einmal USA und natürlich auch Deutsche kümmern sich gemeinsam um das Wohl der Gäste. „Und die kommen ja auch aus aller Herren Länder“, schildert Zahlten.

Da fallen dem Wirt spontan genauso viele Herkunftsländer ein, was zum einen am erfreulichen Multikulti in Schweinfurt liegt, aber auch an Touristen. Solche, die mit einem der Kreuzfahrtschiffe Station in Schweinfurt machen oder das Museum Georg Schäfer nebenan besucht haben. Auffällig viele Amerikaner, trotz Abzug der US-Army, merkt Zahlten an.

Bezüglich der Religionszugehörigkeit dürfte es bei den Gästen ebenso bunt zugehen wie in seiner Belegschaft – alles dabei. Namentlich erwähnt Zahlten den aus der Türkei stammenden Mitarbeiter Ibrahim. Er ist Moslem, trägt Bart und entsprechende Kopfbedeckung, seine Frau ist eine zum Islam gewechselte Deutsche. Aber beide seien weltoffen und tolerant, wie alle anderen auch. Und unter seinen Gästen gäbe es mitunter welche, deren Religionszugehörigkeit kleidungsmäßig eindeutig ist. Willkommen sei aber jeder.

Zahlten sagt am Ende, dass er froh sei über das auch in Schweinfurt erfolgte gemeinsame Gedenken an die Opfer in Paris. Auch, dass die Pegida-Bewegung sich bisher in Unterfranken auf Würzburg konzentriere. Er hofft, dass das so bleibt. Gleichwohl sei es wichtig, dass das „Aktionsbündnis für Demokratie und Toleranz – Schweinfurt ist bunt“ das Thema Pegida auf dem Schirm hat.

Das Schweinfurter Anti-Nazi-Bündnis hatte sich 2010 anlässlich des damals für den 1. Mai angekündigten Aufmarsches rechter Gruppen gebildet. 85 Organisationen, Parteien und Vereine gehören ihm an. Das Bündnis hatte sich bei einem Treffen letzte Woche darauf verständigt, zu einer Vollversammlung im Februar nur mit dem Thema Pegida einzuladen (wir berichteten). Angekündigt wurde auch, die Würzburger Gegenbewegung zum Pegida-Ableger Wügida zu unterstützen, weil sich diese nicht von ihren antidemokratischen Bestandteilen aus Neonazis, Rassisten und Hooligans distanziere, wie es in einer Erklärung des Bündnisses heißt. Für Montag, 2. Februar, ist eine Fahrt nach Würzburg mit dem Zug vorgesehen. Treffpunkt: 16.30 Uhr, Hauptbahnhof Schweinfurt. Zur Großkundgebung Mitte März in Würzburg will man ebenfalls anreisen.

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