BERGRHEINFELD

„Wir sind die Lobbyisten der armen Leute“

Bei der am Ehrenmal im Bergrheinfelder Friedhof anlässlich des 70.Geburtstages des VdK-Ortsverbands Bergrheinfeld erinnerte Ortsvorsitzender Horst Stebani (Zweiter von rechts) an die verstorbenen Mitglieder, die den Ortsverband mit aus der Taufe gehoben haben.
Bei der am Ehrenmal im Bergrheinfelder Friedhof anlässlich des 70.Geburtstages des VdK-Ortsverbands Bergrheinfeld erinnerte Ortsvorsitzender Horst Stebani (Zweiter von rechts) an die verstorbenen Mitglieder, die den Ortsverband mit aus der Taufe gehoben haben. Foto: Horst Fröhling

Seit 70 Jahren gibt es den VdK-Ortsverband Bergrheinfeld. Zurzeit zählt er 380 Mitglieder. An dessen Gründung erinnerte im Rahmen einer Feierstunde Horst Stebani, der seit 2002 Ortsvorsitzender ist.

Den Kriegsopfern, Witwen und Waisen nach dem Zweiten Weltkrieg Beistand und Hilfe zu leisten, sei der Beweggrund gewesen, einen Verband zu gründen, so Stebani. Begonnen hat die Arbeit in Bergrheinfeld mit einer Informationsversammlung am 17. März 1948 im Gasthaus „Weißes Roß“. Unter der Führung von Jakob Jerk, der seit 1947den VdK-Kreisverband führte, hoben „mutige Männer und Frauen“ im Mai 1948 den VdK-Ortsverband Bergrheinfeld aus der Taufe. Ihr Ziel sei es gewesen, so Stebani, das traurige Schicksal der rechtlos gewordenen Kriegsopfer zu lindern. Noch schlimmer seien damals die materielle Not und die Sorge der Menschen um die tägliche Existenzgrundlage des Lebens gewesen.

Engagement für hilfsbedürftige Mitmenschen

Erster Vorsitzender war Ernst Heußner, dem ein Jahr später Johann Saal folgte. Konstanz kam ins Vereinsleben, als Edgar Finzel 1952 den Vorsitz übernahm, den er bis 1990 innehatte. Ihm folgte bis 2002 Alfred Eusemann, der auch von 1987 an 16 Jahre Kreisvorsitzender war. Aus den kärglichen Anfängen habe sich ein starker Verband entwickelt, der auch heute noch alles daran setze, um sozial Schwachen das Leben erträglicher zu machen, sagte Stebani. In den sieben Jahrzehnten seines Bestehens sei der VdK eine Einrichtung geworden, die engagiert Mitmenschen helfe, die in Not geraten sind.

„Der VdK Bergrheinfeld ist eine 70 Jahre andauernde Erfolgsgeschichte“, betonte Bürgermeister Ulrich Werner. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe die Beratungs- und Betreuungsarbeit für die Klientel der Kriegsopfer im Mittelpunkt gestanden. In den anschließenden Jahrzehnten sei die Beratungstätigkeit von Menschen mit Behinderungen und die sozialpolitische Gesetzgebung in den Fokus gerückt. Menschen in Deutschland benötigten immer öfter Beratung und Unterstützung bei ihren Kontakten mit Ämtern, Behörden und Gerichten. Hier habe sich die Arbeit des VdK als sehr kompetent gezeigt.

Politik in die Verantwortung nehmen

Staatssekretär Gerhard Eck überbrachte seine Glückwünsche zum 70.Geburtstags des Ortsverbandes. Er habe sehr großen Respekt vor dem Engagement der ehrenamtlichen VdK-Helfer. Den Menschen in Deutschland gehe es zwar gut, trotzdem gebe es immer mehr Menschen mit Behinderungen, die zu ihrem Recht kommen müssen. Der VdK helfe hierbei, damit die Sozialgesetzgebung nicht zum Fallstrick werde. Eck forderte den Ortsverband auf, so weiter zu machen und sich nicht zu scheuen, die Politik mit einzubeziehen. „Sie können Unterstützung von den Mandatsträger erwarten“, betonte er.

Die Glückwünsche des VdK-Landesverbandes überbrachte Bezirksgeschäftsführer Carsten Vetter. Der VdK sei eine bayerische Erfindung, betonte er. Bereits im Dezember 1946 sei der Landesverband gegründet worden. Kriegsbeschädigte, Kriegswitwen, Kriegswaisen und Heimkehrer hätten in der Stunde Null mit ihren körperlichen und seelischen Problemen sowie der materiellen Not alleine fertig werden müssen. Jeder habe selber sehen müssen, wie er zu recht kam. Dies sei die Geburtsstunde des VdK gewesen.

Breit gefächertes Dienstleistungsangebot

Heute, 70 Jahre nach seiner Gründung, habe sich der VdK vom einstigen Kriegsopferverband zu einem modernen Sozialverband entwickelt, der vielen sozial Benachteiligen Schutz und Geborgenheit biete. Er könne seinen Mitgliedern ein breit gefächertes Dienstleistungsangebot bieten, das von aktueller Information bis zum Rechtsschutz reiche. Gerade hier habe der VdK im vergangenen Jahr 366 000-mal Mitglieder zu sozialrechtlichen Fragen beraten, mehr als 71 000 Anträge gestellt und 25 000 Widersprüche eingelegt. 7150 Klagen seien erhoben und 266 Berufungen eingelegt worden. „Wir sind die Lobbyisten der armen Leute“, sagte Vetter.

Bereits am Vormittag hatte Pfarrer Werner Kirchner einen Festgottesdienst gestaltet. In seiner Predigt bezeichnete er die Arbeit des VdK als gelebte Nächstenliebe. Für die evangelische Kirche sagte Pfarrer Andreas Bauer, der VdK habe in den vergangenen Jahren sehr viel für beeinträchtigte Menschen getan und so eine gesellschaftsintegrierende Aufgabe erfüllt. Musikalisch gestaltet wurde der festliche Nachmittag von Sebastian Döpfert.

Gratulation zum 70.Geburtstag des VdK-Ortsverbandes Bergrheinfeld (von links): Ehrenvorsitzender Alfred Eusemann, Bezirksgeschäftsführer Carsten Vetter, Kreisvorsitzender Winfried Huppmann, Staatssekretär Gerhard Eck, Pfarrer Werner Kirchner, Ortsvorsitzender Horst Stebani, Bürgermeister Ulrich Werner und Pfarrer Andreas Bauer.
Gratulation zum 70.Geburtstag des VdK-Ortsverbandes Bergrheinfeld (von links): Ehrenvorsitzender Alfred Eusemann, Bezirksgeschäftsführer Carsten Vetter, Kreisvorsitzender Winfried Huppmann, Staatssekretär Gerhard Eck, Pfarrer Werner Kirchner, Ortsvorsitzender Horst Stebani, Bürgermeister Ulrich Werner und Pfarrer Andreas Bauer. Foto: Horst Fröhling

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Bergrheinfeld
  • Horst Fröhling
  • Andreas Bauer
  • Behinderte
  • Beratungstätigkeiten
  • Evangelische Kirche
  • Gerhard Eck
  • Hilfebedürftigkeit
  • Kriegsbeschädigte
  • Kriegsopfer
  • Lobbyisten
  • Rechtschutz
  • Sozialgesetzgebung
  • Sozialrecht
  • Ulrich Werner
  • Zweiter Weltkrieg (1939-1945)
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!