STAMMHEIM

„Wir werden uns nicht beugen“

Symbolische Geste: Mitglieder der CSU-Kreistagsfraktion mit der stellvertretenden Landrätin Christine Bender (rechts) und dem Fraktionsvorsitzenden Friedel Heckenlauer (vorne, Zweiter von links) an der Spitze überreichten ein Banner an Vertreter des „Runden Tisches“, vertreten durch den Vorsitzenden Burkhard Krapf (links). Foto: Klaus Vogt

Als Zeichen der Solidarität tagte die CSU-Kreistagsfraktion in Stammheim. Die Kreisräte überreichten an Vertreter des „Runden Tisches“, die mit friedlichen Mitteln gegen die Ansiedelung der rechtsextremen Partei „Die Rechte“ kämpfen, ein Banner mit der Aufschrift „Stammheim ist bunt – Wir zeigen uns solidarisch“. Ein zweites, identisches Banner soll in den kommenden Wochen durch alle Gemeinden des Landkreises Schweinfurt wandern.

Es sei wichtig, so Fraktionsvorsitzender Friedel Heckenlauer, die Leute vor Ort zu stärken und auch die Menschen, die nicht direkt von den Plänen der Rechten betroffen sind, zu sensibilisieren. „Denn wir müssen denjenigen, die nicht auf dem Boden des Grundgesetzes und der Verfassung stehen, die Grenzen aufzeigen.“ 70 Jahre nach dem Ende des verheerenden Zweiten Weltkrieges gelte es erneut den Anfängen zu wehren.

Der Stadtlauringer Bürgermeister kritisierte scharf den Diebstahl und das Verbrennen von „Stammheim ist bunt“-Bannern. Die Partei „Die Rechte“ habe sich auf ihrer Facebook-Seite für das Zusenden eines Fotos, das das brennende Plakat zeigt, sogar ausdrücklich bedankt, statt sich von diesen Straftaten klar zu distanzieren. „Der Anlass für deren Handeln ist wohl der Umstand, dass wir Rückgrat zeigen. Wir werden uns nicht beugen!“

Die CSU-Ortsvorsitzende Monika Ziegler dankte für die breite Solidarität, die die Stammheimer Bevölkerung in ihrem Kampf gegen Rechts in den vergangenen Wochen erfahren durfte. Ziegler nutzte die Sitzung, um ihre Parteifreunde über Hintergründe zu informieren.

Zweimal am Telefon abgeblitzt

Der unter Denkmalschutz stehende Gasthof, den die Rechten nun angemietet haben, habe früher einem Stammheimer Bürger gehört, der in finanzielle Schwierigkeiten geraten sei. Das Gebäude sei danach von einer Immobilienfirma übernommen worden, die allerdings insolvent gegangen und deren Eigentümer freiwillig aus dem Leben geschieden sei. Als dessen Hinterbliebene das Erbe ausschlugen, habe die jetzige Eigentümerin aus Nürnberg die Immobilie als Ausgleich für ihre noch offenen Geldforderungen erhalten, erklärte Ziegler.

Als bekannt wurde, dass es sich bei dem Bauleiter der Außensanierung des Gasthofes um den früheren Rechtsterrorist Karl-Heinz Hoffmann handelte, habe sie die Nürnbergerin angerufen und auf diesen nicht zu akzeptierenden Umstand hingewiesen, berichtete Monika Ziegler den CSU-Kreisräten. Die Nürnbergerin habe damals bloß geantwortet, entscheidend sei doch, dass der Mann eine gute Arbeit mache. Nach dem Bekanntwerden des Mietvertrags mit den Rechtsradikalen habe Ziegler erneut in Nürnberg angerufen und sich wieder beschwert. Diesmal habe sie nur die lapidare Antwort „Wer Geld auf den Tisch legt, der bekommt das Haus“ erhalten, so Ziegler.

In Stammheim hat sich ein „Runder Tisch“ konstituiert, dem alle örtlichen Vereine, Vertreter der beiden christlichen Kirchen und die Aktivisten der aus der Landjugend hervorgehenden Bewegung „Stammheim ist bunt“ angehören. Ein zehnköpfiges Führungsteam unter dem Vorsitz von Gemeinderat Burkard Krapf hat bereits eine schlagkräftige Organisation mit zahlreichen Vernetzungen aufgebaut. Finanziert werden die Ausgaben zum Beispiel für Plakate, Flyer und Flugblätter über Spenden, die von einem eigenen Kassier auf ein Unterkonto des Sportvereins gebucht werden.

Burkard Krapf stand der CSU-Kreistagsfraktion für zahlreiche Nachfragen zur Verfügung. Die Pläne der rechtsradikalen Partei, in dem Winzerdorf ihre Landesparteizentrale einzurichten und den Landesparteitag abzuhalten, seien „keine Spielerei“, sondern laut Sicherheitsbehörden ein ernst zu nehmendes Problem, betonte er. Es drohe längerfristiger Ärger, da der Gasthof auch als so genannte Kameradschaftsunterkunft genutzt werden soll.

1000 Besucher der Andacht

„Doch wir hoffen, dass es nicht dazu kommt und wir sie noch abhalten können.“ Man brauche jetzt auf jeden Fall einen langen Atem, müsse aber auch darauf achten, dass Angst und Hysterie im Dorf nicht zu groß würden. Im Fokus steht nun der Pfingstsonntag, 24 Mai.

An diesem Tag wollen die Rechtsradikalen ab 16 Uhr ihren Landesparteitag in Stammheim abhalten. Ebenfalls um 16 Uhr wird eine ökumenische Andacht der evangelischen und katholischen Pfarrgemeinden der Großgemeinde Kolitzheim unter freiem Himmel am Dorfweiher stattfinden – und damit direkt gegenüber vom Gasthof. Es wird mit bis zu 1000 Teilnehmern gerechnet. Krapf betonte ausdrücklich, dass es sich bei dem Gottesdienst um eine rein kirchliche Veranstaltung und um keine Demonstration handelt.

Ganz Stammheim hoffe, dass dieser Tag ohne Ausschreitungen verlaufe. „Wir wollen keinen Extremismus und keine Gewalt“, stellte Krapf klar. Wichtig sei, dass man als Stammheimer das Heft des Handelns in der Hand behalte. Monika Ziegler ergänzte, natürlich gebe es die Befürchtung, dass „auch Linke mit hohem Aggressionspotenzial“ anreisen. Eine Nachfrage beim Landratsamt Schweinfurt habe aber ergeben, dass bislang noch keine Gegendemonstration angemeldet wurde. „Dies ist ein gutes Zeichen.“

Vorab am 18. Mai wird noch eine Bürgerversammlung für alle Kolitzheimer Gemeindeteile stattfinden, bei der Bürgermeister Horst Herbert und Vertreter der Sicherheitsbehörden noch neueste Informationen geben werden.

Einstimmig verabschiedete die CSU-Fraktion eine Resolution, in der sie sich gegen jede Art von Extremismus ausspricht. „Parteien und Organisationen, die zu Ausgrenzung, Intoleranz und Hass aufrufen, sind für uns nicht hinnehmbar.“ Drohungen gegenüber Gemeindevertretern und die Unterdrückung von freien Meinungsäußerungen stünden im klaren Widerspruch zu unserer freiheitlichen Grundordnung.

Spontan wanderte danach eine Spendenbox durch die Reihen der Kreisräte. Und so konnte Friedel Heckenlauer am Ende auch noch 210 Euro an Burkard Krapf überreichen.

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