Schweinfurt

Wittern weiter vor sich hin: Grabsteine am Alten Friedhof

Es sind keine Unbekannten, deren Namen hier verewigt sind. Seit Jahren fordern historisch Interessierte, die Grabmale zu retten. Jetzt ist die Bahn schuld, dass es dauert.
Die Grabmale an Schweinfurts Altem Friedhof sind teilweise in schlechtem Zustand, vor allem auch an der Mauer zur Bahnstrecke hin. Foto: Katja Beringer

Gebetsmühlenartig hat Stadtrat Peter Hofmann für die Restaurierung der Grabsteine am Schweinfurter Friedhof geworben, im Herbst 2016 gemeinsam mit der heutigen Vorsitzenden der SPD Julia Stürmer-Hawlitschek eine Dokumentation erstellt.Bis die Sache auch im Stadtrat ins Rollen kam, dauerte es neun Monate. Der Bauausschuss legte den Fahrplan für die Rettung der Grabmale fest. Zunächst sollten sie erfasst, dann ein Konzept für die Erhaltung erstellt werden.

Das Ergebnis der Voruntersuchungen war ernüchternd.Viele der Epitaphen an der Bahntrasse und der Grabsteine entlang der Stadtmauer am Jungfernkuss haben schwere Schäden, teilweise sind sie nicht mehr zu retten, hieß es vor einem Jahr. Welche der 37 Objekte erhaltenswert sind, hatten die Denkmalpfleger aufgelistet. Die meisten Epitaphe müssen ausgebaut und in einer Fachwerkstatt restauriert werden. Auf 196 000 Euro wurden die Kosten dafür geschätzt, inklusive Ein- und Ausbau. Eine Summe, die nicht reichen wird, kündigte Markus Sauer, Leiter des Stadtentwicklungs- und Hochbauamts, schon 2018 an. Er schätzt sie eher auf bis zu 400 000 Euro. Denn – und hier liegt die aktuelle Krux: Zur Restaurierung der Grabmale kommt die Sanierung der Friedhofsmauer zur Bahn hin. Die allerdings wäre so oder so Aufgabe der Stadt.

Erst wollte die Bahn die Strecke 2019 ausbauen, jetzt hat man es sich anders überlegt

Für 2019 wollte die Deutsche Bahn eigentlich die Strecke ausbauen und den Bereich dafür zeitweise sperren. Die perfekte und eigentlich einzige Gelegenheit, die Epitaphe, die restauriert werden sollen, auszubauen und die Mauer, die größtenteils aus diesen Grabmalen besteht, zu sanieren. Jetzt allerdings hat die Bahn ihre Pläne verschoben. "Auf 2023", so Sauer.  Er kündigte an, man werde zumindest einen provisorischen Schutz für die Steine anbringen. Die Grabmale in der Stadtmauer wurden inzwischen ausgebaut, sollen nun restauriert werden.

Die Grabmale an Schweinfurts Altem Friedhof sind teilweise in schlechtem Zustand. An der Stadtmauer wurden bereits einige ausgebaut. Sie sollen restauriert werden. Foto: Katja Beringer

Übrigens: Die Namen derjenigen, deren Grabmale im Alten Friedhof an sie erinnern, sind keine Unbekannten. Die Eltern von Friedrich Rückert und seine Schwester sind unter anderem hier beerdigt, außerdem der Historiker Dr. Friedrich Stein und andere Persönlichkeiten der Stadtgeschichte. Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr 1535.

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