HAMBACH

Wo der Bussard die künftigen Pommes bewacht

Gestreifte Schädlinge: Kartoffelkäfer setzen der wichtigen Pflanze zu.
Gestreifte Schädlinge: Kartoffelkäfer setzen der wichtigen Pflanze zu. Foto: Uwe eichler

Eigentlich wird hier im Blumenbeet geerntet: Die Kartoffel, im 16. Jahrhundert durch Pizarro & Co aus den Anden nach Spanien gebracht, galt lange Zeit als wunderschöne, zartblühende, üppig grünende Zierpflanze. Jedenfalls als nicht für den menschlichen Verzehr geeignet. Eigentlich zu Recht: „Alles, was bei der Kartoffel über der Erde wächst, ist giftig“, sagt Manuela Markert.

Die Nebenerwerbslandwirtin führt 26 Kinder, aber auch Erwachsene über den Kartoffelacker ihres Aussiedlerhofs am Maibacher Berg: ein Ferienangebot in Zusammenarbeit mit dem Verein für Gartenbau und Landespflege, vertreten durch Vorstandsmitglied Monika Mattenheimer.

Rüdiger Markert hat extra seinen alten Bulldog ausgeparkt. Heute geht es der frühwachsenden Sorte „Marabel“ an die Wurzel, die hier seit dem Frühjahr neben der „Princess“ gedeiht und zwischen Furchen, auf kleinen Erdwällen, „angehäufelt“ worden ist. Bis zu 25 Knöllchen finden sich an einer Mutterpflanze, die aus einer Saatkartoffel sprießt. „Die neuen Triebe wachsen aus den Augen der alten Kartoffel“, weiß Mattenheimer. Zehn Zentimeter eingegraben wird diese Urkartoffel, die selbst im Untergrund vermodert. Erst, wenn der grüne Krautteil verwelkt, sind die gelben Erdäpfel darunter reif.

Steinähnliche Klumpen aus der Erde graben und essen: Früher war das vielen Menschen unheimlich. Nach einigen Hungersnöten wurde im Abendland erkannt, wie nahrhaft und vitaminreich die unterirdischen Verdickungen des Nachtschattengewächs sind: keine Wurzeln und keine Früchte (die wachsen oben manchmal auch, wären aber giftig), sondern Vorratsspeicher. Der Name stammt wohl vom italienischen Wort für Trüffel ab. Heute ist der schmucke, anspruchslose Inka-Imbiss nicht mehr aus dem weltweiten Speiseplan wegzudenken, als Grundzutat von Kartoffelchips, Pommes, Kartoffelbrei, Rösti, Kroketten, als Kartoffelpuffer oder einfach klassisch in der Pelle gekocht.

Die Besucher dürfen sich eine eigene Tüte mit ihrer Ernte füllen. „Ich hab eine Stromkartoffel gefunden“, ruft ein Junge begeistert – aus seinem Fund sprießen tatsächlich kleine „Drähte“. Die Marabels sind oft kleiner als gewohnt, der lang anhaltenden Trockenheit wegen. Das Wetter könnte aber auch schlimmer sein, findet Manuela Markert, die Kartoffelfäule bei zuviel Nässe ist auch gefürchtet.

Oder der Kartoffelkäfer, nur echt mit schwarz-gelben Streifen: „Muss man die tot machen?“ fragt ein Kind. In diesem Stadium lohnt es sich fast schon nicht mehr: Es sind vor allem die Larven, die sich pausenlos mampfend über die zarten Pflänzchen hermachen.

Die Markerts bekämpfen sie mit biologischen Mitteln. Auch Marienkäfer schätzen die Jungschädlinge als Snack. Früher war es Aufgabe der Kinder, die gestreiften Übelträter einzusammeln.

Auch die Mäuse bereiten Probleme. Dafür steht ein Kleebock, ein Heugerüst, auf dem Gelände, als Einladung an den Mäusebussard, hier einmal nach dem Rechten zu sehen.

Tolle Knollen: Kartoffelernte für Jung und Alt, auf dem Acker der Familie Markert bei Hambach.
Tolle Knollen: Kartoffelernte für Jung und Alt, auf dem Acker der Familie Markert bei Hambach. Foto: Uwe eickler

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