Hirschfeld

Wo der Rock'n'Roll zuhause ist

Roswitha und Jürgen Gerner betreiben das Tonstudio Hirschfeld seit 40 Jahren. Foto: Roswitha Gerner

Als Jürgen und Roswitha Gerner 1979 beschlossen, Musikaufnahmen heimischer Künstler aufzunehmen und auf Schallplatten pressen zu lassen, konnten sie laut einer Pressemitteilung nicht ahnen, was sich einmal aus dieser Idee entwickeln würde. Inzwischen betreiben die Gerners ihr Tonstudio Hirschfeld seit 40 Jahren. „Ein bisschen stolz sind wir schon, was wir da in den letzten Jahrzehnten auf die Beine gestellt haben“, sagt Jürgen Gerner bescheiden. Gerner, der in seiner Jugend mit seiner Band „Ted an the hurricanes“ als Berufsmusiker durch die Clubs der US Amerikaner hierzulande tingelte, hat den Rock’n Roll im Blut. Seine Vorbilder sind noch heute Ted Herold und Peter Kraus. Natürlich hat er die Künstler seiner Zeit alle persönlich getroffen. Inspiriert von deren Musik hat Jürgen Gerner alias Ted Garner selbst bis heute hunderte Titel komponiert, getextet und produziert. Teilweise für Künstler aus der Region, teilweise für sich selbst. Und so kommt es nicht selten vor, dass er seine Frau Roswitha, die für das Studiomanagement zuständig ist, bittet, wieder einmal ein Cover zu gestalten – für eine neue Ted Garner CD, versteht sich.

Ins Rampenlicht gerieten die Gerners in den 1980er Jahren, als die Band RELAX ihre ersten Aufnahmen für die folgenden Ariola-Produktionen in Hirschfeld aufnahm. „Weil i di mog“ und „A weißes Blattel Papier“ – Jürgen Gerner hat die Tonspuren für die größten Hits der Neuen-Deutsche-Welle-Stars alle höchst persönlich abgemischt. „Wir trauten unseren Augen kaum, als wir eines Abends aus dem Studio kamen, und plötzlich eine Traube von Fans vor dem Hoftor stand und Autogramme wollte“, erinnert sich Jürgen Gerner. Gerner hat selbst längst die 70-Jahre-Marke überschritten. Er erzählt gerne von der „alten Zeit“. Damals, als die Künstler hemdsärmelig ins Studio kamen, um einfach Spaß zu haben und analoge Aufnahmen herzustellen.

Die Gerners lieben den Sound der Analog-Technik, sahen sich aber mit der Zeit dann doch auch gezwungen, den digitalen Weg einzuschlagen. „Wenn Du nicht mit der neuen Technik arbeitest, dann nimmt dich keiner mehr ernst.“ Gerner macht sich sein Investment in Technik und Instrumente selbst zunutze. Er experimentiert mit Sounds, er probiert für sich ganz neue Genres und legt einfach los: „Wenn ich eine Textidee habe oder ein Fragment einer Melodie im Kopf, dann gehe ich ins Studio und probiere einfach aus.“ Am Ende ist es ein neuer Song. So war es beispielsweise mit seinem Lied „Ich schieße dir noch eine rote Rose“. Aus einer kurzen Spielerei im Studio wurde nach wenigen Stunden ein hitverdächtiger Schlager, der aus dem Hirschfelder Fasching nicht mehr wegzudenken ist. Klar, dass die Gerners auch eine eigene Webseite im Internet betreibe. Hin und wieder erscheint ein neuer Song auch im eigenen YouTube-Kanal.

Ein Meilenstein in der Studio-Geschichte ist die Reihe „Zwischen Steigerwald und Rhön“ aus den 1990er Jahren. Mehrere CDs, vollgepackt mit Titeln heimischer Musiker, erschienen in dieser Reihe. „Da hatten wir wirklich viel Arbeit“, erinnert sich Roswitha Gerner, die ihre Studio-Kunden mit Snacks und Naschereien bei Laune hält. „Es kommt schon mal vor, dass ein Musiker hinschmeißen will, wenn nach unzähligen Wiederholungen der Ton noch immer nicht richtig sitzt. Wir motivieren in solchen Fällen dann nach Kräften und dann klappt es auch. Beim einen früher, beim anderen später“, schmunzeln die Gerners.

Wer Roswitha und Jürgen Gerner kennen lernt, der spürt sofort die Offenheit und auch die Toleranz der beiden gebürtigen Schweinfurter. So kommt es auch nicht von ungefähr, dass in ihrem Tonstudio jegliche Art von Musik willkommen ist und produziert wird. Die Jets und die Rossinis waren schon da. Es wurden Heavy Metal Bands auf CD verewigt, zahlreiche Titel des Elvis-Imitators Rick Crasley und auch der ein oder andere Rapper fand schon den Weg nach Hirschfeld. Geschäftstüchtig, wie die Gerners sind, bieten sie auch Geschenkgutscheine an: „Wer schon immer mal hinterm Mikrofon stehen wollte, der soll es doch einfach mal ausprobieren. Bei uns ist jeder herzlich willkommen“, sagt Studiomanagerin Roswitha Gerner.

Und dann hat Jürgen, alias Ted, auch schon wieder eine Textzeile im Kopf, summt vor sich hin und – weg ist er in sein üppig ausgestattetes Studio verschwunden. In dem ältesten Tonstudio der Region, wo die Freude an der Musik und Toleranz unter Künstlern die erste Geige spielen.

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