KREIS SCHWEINFURT

Wo sich CSU und SPD verstecken

Parteifreund trifft auf Parteifreund. Bei der bayerischen Kommunalwahl ist das möglich, denn das Wahlrecht lässt dies zu. So kommt es bei einigen Bürgermeisterwahlen am Sonntag, 16. März, im Landkreis Schweinfurt zum Rennen zwischen Konkurrenten mit gleichem Parteibuch.

In Röthlein etwa mit Peter Gehring und Albrecht Hofmann, in Niederwerrn mit Maximilian Schnös und Norbert Hart. Sie alle sind CSU-Mitglieder. In Röthlein hat die CSU überhaupt keinen offiziellen Kandidaten. Peter Gehring tritt hier für die Freie Wählergemeinschaft Hirschfeld an, Amtsinhaber Hofmann für die Freie Bürgerliste. Das rührt von der Kommunalwahl 2008 her: Damals waren Gehring und Hofmann bei der Nominierung der CSU durchgefallen. Gehring schloss sich der Hirschfelder Liste an, Hofmann gründete eine eigene. Diesmal bleiben sie ihren bisherigen Listen treu.

In Geldersheim hat sich die CSU für Annemarie Schuler als Bewerberin entschieden, obwohl Thomas Hemmerich 2008 gegen die Rathauschefin Ruth Hanna Gube ein ordentliches Ergebnis geholt hatte. So konnte Hemmerich seine Ambitionen auf das Amt nur mit der Jungen Liste verwirklichen.

In Niederwerrn hängt die Konkurrenzsituation mit der Rivalität zwischen Ober- und Niederwerrn zusammen. Maximilian Schnös ist der Mann der Niederwerrner CSU, während hinter der Christlichen Wählervereinigung Oberwerrn, die Norbert Hart ins Rennen schickt, weitgehend der CSU-Ortsverband Oberwerrn steht. Mit dieser Konstellation gelingt es der CSU, auch bei den Gemeinderatswahlen mehr Kandidaten an den Start zu schicken, als es sonst möglich wäre: Denn eine Partei darf in einer Gemeinde unter ihrem Namen nur einen Wahlvorschlag einreichen.

In den meisten Fällen sind die Gemeinderatslisten von Kommunen mit vielen Ortsteilen, wie Werneck, Stadtlauringen und Wasserlosen, betroffen, die traditionell Listen aus einem Ort aufstellen, um die Chance zu erhöhen, dass die Ortschaft auch tatsächlich durch mindestens einen Vertreter im Ratsgremium repräsentiert ist. So will man garantieren, dass das Dorf in den nächsten sechs Jahren der Kommunalpolitik nicht „vergessen“ wird. Denn Ortssprecher ohne Ratsmandat haben recht wenig Einfluss. Am ausgeklügeltsten ist das System in Werneck, wo diesmal sogar 15 Listen und 249 Kandidaten antreten: 51 mehr als vor sechs Jahren. Zum Vergleich: In Würzburg gibt es nur zehn Listen. Auf der offiziellen Wernecker CSU-Liste sind nur Bewerber aus dem Ort Werneck vertreten; fast jeder Gemeindeteil hat einen eigenen Wahlvorschlag. Dort finden sich unter den zahlreichen Parteilosen auch CSU-Mitglieder. Zwar kennen im Ort fast alle „ihre Pappenheimer“, aber unbedarften Wählern sei eben nicht klar, ob sie gerade ihr Kreuzchen einem Parteimitglied geben oder nicht, schimpfen die Kritiker.

In Heidenfeld geht die Christliche Wählergemeinschaft auf eine CSU-Initiative zurück – vor fast 40 Jahren. In Geldersheim ist die Junge Liste dabei mit CSU-Kreisrat Thomas Hemmerich und dem Büroleiter der CSU-Bundestagsabgeordneten Anja Weisgerber, Martin Schlör. CSU-Kreisrätin Barbara Göpfert tritt für die Bürgerliste Fuchsstadt an, um wieder in den Gemeinderat von Stadtlauringen einzuziehen; auch dort haben die „freien Ortslisten“ lange Tradition.

Dieses Phänomen ist aber nicht auf die CSU beschränkt: Auch die SPD nutzt das Vehikel der „parteifreien“ Listen. Kreistagskandidat Peter Härterich etwa bewirbt sich für die „Soziale Bürgerliste Dittelbrunn“ um ein Gemeinderatsmandat. In Schonungen stehen die „Allgemeine Bürgergemeinschaft“ und in Waigolshausen die „Sozialen Bürgerinnen und Bürger“ der SPD nahe. Zudem ist in Schonungen als neue Gruppe die „Liste für Ökologie und Soziales“ am Start, die vier Kreistagsbewerber verstärken: Thea Kupfer, Markus Hümpfer, Margit Molenaar (alle SPD) und Thomas Horling (Grüne).

Und manchmal treiben die Kandidaturen merkwürdige Blüten: Der streitbare Linken-Kreisrat Wolfgang Gutgesell kandidiert in seinem Heimatort Schwemmelsbach für die Christlich Sozialen Wähler.

Immerhin kandidieren von den 60 CSU-Kreistagsbewerbern acht in ihren Gemeinden für andere Gruppen, die nicht den Namen CSU tragen. Bei der SPD sind es sieben.

Schlagworte

  • Josef Schäfer
  • Albrecht Hofmann
  • Anja Weisgerber
  • Barbara Göpfert
  • CSU
  • Kommunalwahlen
  • Norbert Hart
  • Parteifreunde
  • Rennen
  • SPD
  • Thomas Hemmerich
  • Wahlrecht
  • Wolfgang Gutgesell
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!