SCHLEERIETH

Wodka macht nicht nur Bio-Hühner glücklich

Auf dem Acker ist Bewegung: In Schleerieth informierten sich Landwirte aus der Region über die Zukunft des Ökolandbaus. Foto: Uwe Eichler

„Der Klimawandel lässt sich nicht wegdiskutieren“: Die Fachleute sind sich einig, auf einer Blühfläche, deren Boden bei den Unwettern der letzten Tage aufgeplatzt ist. Anderswo habe man regelrecht Erosion, sagt Naturland-Bauer Herbert Krückel, der 45 Interessierte zur Feldbegehung und Mini-Vorträgen versammelt hat.

Es geht im dritten Jahr um alternativen Landbau in der „Ökomodellregion Oberes Werntal“. Um Biodiversität mit häufig wechselnden Fruchtfolgen, nichtchemischer „Beikrautregulierung“ oder bodenschonendes Ackern: wo das Feld gestriegelt, gehackt oder gefräst statt durchgepflügt wird, nicht zuletzt, um ökologisch wertvolle Kleinstlebewesen wie den Regenwurm zu schonen.

Stall für 3000 Hennen

2010 haben Herbert Krückel und Lebensgefährtin Sabine Feddersen einen Bio-Legehennenstall an den Ortsrand gebaut, für 3000 Tiere. Die stolzieren im Abendrot auf einer großen Freifläche umher, neben Rosenstöcken, und legen ihre Eier für den regionalen Einzelhandel. Seit 2014 gackert das Federvieh zusätzlich in einem Mobilstall. Die 225 Hühner beliefern sowohl den Wernecker Markt als auch den eigenen Hofladen. Das Futter stammt von 43 Hektar Ackerfläche, wo abwechselnd Kleegras, Wintergetreide, Mais, Ackerbohnen, Dinkel, Emmer, Hafer, Sonnenblumen und allerhand Zwischenfrüchte gedeihen.

Bei der Feldbegehung darf gefachsimpelt werden. „Vor Welschem Weidelgras hab ich Respekt“, sagt Krückel etwa, sein Futtergras entwickelte ein Eigenleben: „Ich hatte es drei Jahre auf dem Acker“. Auf einem neuen Feld grünt Rispenhirse, Sortenname „Wodka“. Das frostempfindliche, aber trockenheitsbeständige Gewächs ist ebenfalls Beifutter für die Hühner: Kein Exot, sondern im Spätmittelalter „Brot des armen Mannes“.

Wer umstellen will, sollte sich rechtzeitig bei Biobauern informieren, lautet eine Kern-Botschaft, um die Fehler der anderen zu vermeiden: „Lehrgeld zahlt dann sowieso jeder für sich“, sagt Bernhard Schwab, Ökolandbau-Berater vom Fachzentrum am Landwirtschaftsamt Bamberg. „Austausch fördern“ ist die Devise.

Keine Superernte in Aussicht

Der Markt für Öko-Landbau sei weder ausgeschöpft noch unendlich, mahnt Werner Vogt-Kaute, als Naturland-Erzeugerfachberater, beim Schlusshock im Garten: „Die Kraftfutterwerke reden gerade Preissenkungen herbei“. Nur rolle gerade keine „Superernte“ auf Deutschland zu. Nach der Krise 2016 haben zudem viele Milchbauern umgestellt. Hohe Nachfrage nach Bioeiern und -Mastschweinen sorge ebenfalls für Nachholbedarf bei den heimischen Kraftfutter-Lieferanten: „Die Karten mischen sich aktuell ein bisschen neu.“

Auch Bernhard Schwab sieht noch Entwicklungspotentiale. Durch das bayrische BioRegio-Programm (zu dem die zwölf Ökomodellregionen ebenso gehören wie der Betriebsnetz-Beispielbetrieb in Schleerieth) soll es bis 2020 eine Verdoppelung der Erzeugung geben: „Die Kette vom Feld bis zum Teller muss sich mitentwickeln“.

Seit dem Millennium hat sich die Zahl der Ökobetriebe im Freistaat auf 8600 verdreifacht, entgegen dem Gesamttrend. 868 davon stehen im Bezirk, vor zehn Jahren waren es noch 339. Auch der Flächenanteil ist mitgewachsen, von zehn auf 12 Prozent in Unterfranken. „Nischen nutzen“ lautet eine Empfehlung, bei Legehennen ebenso wie Kartoffeln oder Holunder.

Maria Kaiser berichtete von der Kaisermühle Gänheim, wo reines Biofutter verarbeitet wird: für Milchvieh ebenso wie für Schwein, Schaf und Kaninchen. Anna-Katharina Paar stellte als Projekt-Managerin die Ökomodellregion vor, als Teil der Interkommunalen Allianz: Am 4.Juli sollen drei Blühwiesen-Flächen besucht werden, unter anderem des Bauhofs Wasserlosen.

Per Newsletter hält Paar auf dem Laufenden (www.oekomodellregionen.bayern/oko-modellregion/interkommunale-allianz-oberes-werntal)

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