SCHWEINFURT

Zahl der Verkehrstoten verringern

Rettung eines Unfallopfers: Beim 3. Bayerischen Landestag der Verkehrssicherheit in Schweinfurt demonstrieren Feuerwehr und Sanitäter, wie ein schwer verletzter, eingeklemmter Fahrer aus dem Auto geholt wird. Vorher wurde das Dach weggeschnitten. Foto: Müller/Lamber

Die Türen sind nicht zu öffnen. Eingeklemmt in seinem Auto ist der Unfallfahrer – aber immerhin ansprechbar. Einer der zuerst eintreffenden Malteser spricht ständig mit dem Verletzten. Sobald die Feuerwehr mit Blaulicht und Tatütata am Unfallort ist, kleben Hilfskräfte die Heckscheibe ab und heben sie auf diese Weise heraus, ohne dass sie zersplittert. Ein Sanitäter steigt von hinten ein, setzt sich auf den Beifahrersitz, versorgt ihn mit Infusion und Atemmaske.

Die Feuerwehr sichert die Karosserie zunächst mit Holzkeilen und breitet dann brachiales Gerät zum Autoöffnen am Boden aus: die gewaltige hydraulische Blechschere etwa und Spreizer. Sie schneiden die Fahrertür an den Scharnieren heraus. Der Arzt sagt, das Dach muss auch weg, damit das Opfer schonend und sehr vorsichtig vom Fahrersitz auf die Trage gebracht und langsam herausgezogen werden kann.

Weitere Scheiben werden abgeklebt und herausgehoben. Die Retter müssen vorsichtig sein. Weder das Unfallopfer, noch der Sanitäter neben ihm sollen durch Glassplitter verletzt werden. Letzterer zieht eine Plastikfolie über sich und den verletzten Fahrer, damit sie beim Aufsägen der Frontscheibe keinen Glasstaub einatmen und keine Glas- oder Metallstücke abkriegen, wenn nun das Dach wie eine Sardinenbüchse mit der gewaltigen hydraulischen Blechschere geöffnet wird.

Rund 25 Minuten nach der Alarmierungen nehmen vier Feuerwehrleute das komplette Dach ab, spreizen den Frontbereich noch etwas auf, um Platz für die Liegend-Position zu schaffen – und ziehen das Unfallopfer dann auf einem Plastikbrett langsam aus der Fahrgastzelle. Draußen wird er auf die Trage des Rettungswagens gehoben – und dann ab in die Klinik. Das alles geht, langsam, sehr geplant und mit Bedacht vor sich. Hektik wäre völlig fehl am Platze, sagt Feuerwehrchef Andreas Österreich.

Feuerwehr, Sanitäter und Polizei – das Unfallopfer hat ein junger Bereitschaftspolizist gespielt – haben am Samstag vor vielen interessierten Zuschauern am Marktplatz in großer Anschaulichkeit einen Rettungseinsatz gezeigt, der nach dem Willen der Polizei und des Innenministeriums künftig noch seltener vorkommen soll. „Bayern mobil – sicher ans Ziel“, unter diesem Motto steht der 3. Bayerische Landestag der Verkehrssicherheit, der dieses Jahr in Schweinfurt durchgeführt wird.

Das erklärte Ziel: 30 Prozent weniger Verkehrstote bis 2020. „2011 gab es 780 Verkehrstote auf bayerischen Straßen, 2012 waren es 662 – das sind zu viele“, sagt Innenminister Joachim Herrmann bei der Eröffnung. Niemand wolle die Mobilität einschränken. Das Ziel müsse sein, diese „so zu organisieren, dass am Ende alle heil ans Ziel kommen“. Überhöhte Geschwindigkeit und Alkohol am Steuer seien die Hauptursachen für Verkehrsunfälle. Und wenn 's gekracht hat, müssten die Autofahrer unbedingt eine Rettungsgasse freimachen, damit die Hilfsdienste möglichst schnell zum Unfallort und Verletzten gelangen.

Dann lädt Herrmann die Besucher ein, sich an den 37 Aktionsständen von Polizei (besonders zahlreich vertreten mit Fahrzeugen aller Art), Hilfsdiensten, Verkehrswacht, ADAC und ADFC, Dekra und Rundfunk zu informieren. Es gibt Aufführungen der Polizeipuppenbühne, Verkehrsgewinnspiele, einen Fahrradparcours, Überschlags- und Aufprallsimulatoren. Dem Herrn Innenminister steht der Alkoholfahrsimulator besonders gut. Diese Monsterbrille über dem Gesicht, versucht er ein Fahrrad zu bewegen und abzuschließen – sehr schwierig, es dauert etwas.

Ab 14.15 Uhr demonstrieren Wasserwacht, DLRG und THW an der Mainlände die Rettung von Hochwasseropfern von einem Hausdach, mitten im Main platziert, sowie die Bergung eines Autos aus dem Fluss. Sehr spektakulär auch diese gut erklärten Aktionen am Main. Nur einige hundert Besucher haben sich für die vielfältigen Informationen und Darbietungen des Landestags der Verkehrssicherheit interessiert. Am gleichen Tag hatte das Ämtergebäude in der Mainberger Straße zum Tag der offenen Tür eingeladen.

ONLINE-TIPP

Mehr Bilder unter schweinfurt.mainpost.de

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