Schweinfurt

Zehn Jahre Integrationsbeirat: Schweinfurter kommen von überall   

Zehn Jahre Integrationsbeirat: Das wurde mit einem klaren Bekenntnis zur Demokratie gefeiert. Und mit einem Aufschrei gegen Rassismus und Hass.
Zehn Jahre Integrationsbeirat: Zu diesem Anlass gab es die Möglichkeit, sich mit einer Fotobox und einer deutlichen Botschaft zu verewigen, wie hier Beiratsmitglied Ljubow Hurlebaus mit ihrem Freundschaftsteam.  Foto: Martina Müller

Zukunft findet gemeinsam statt: Besser lässt sich die Arbeit und das Ziel des Integrationsbeirates wohl nicht zusammenfassen. Seit zehn Jahren gibt es dieses Gremium, hervorgegangen aus dem Ausländerbeirat, das allen Schweinfurtern mit Migratonshintergrund eine Stimme und die Möglichkeit zum Engagement geben will. Die zehn Jahre wurden jetzt in der Rathausdiele  mit einem kleinen Fest gefeiert. Mit einem Rückblick auf das Erreichte, mit einem Ausblick in die Zukunft.  Mit einem klaren Bekenntnis zur Demokratie. Und mit einer klaren Kante gegen Rassismus  und Diskriminierung. 

Das Duo Agua y Vino sorgte für temperamentvolle Einlagen beim Fest des Integrationsbeirates in der Rathausdiele.  Foto: Martina Müller

Vorsitzende Aynur Scheuring ist immer noch entsetzt über den Hass, der einer Gruppe von Asylbewerbern in den sozialen Netzwerken entgegenschlug, die am vergangenen Donnerstag in Schweinfurt demonstrierten. Friedlich, ordentlich angemeldet, machten sie auf ihre Situation aufmerksam, kritisierten zum Beispiel die langen Asylverfahren, fehlende Arbeitsmöglichkeiten. Die rassistischen und menschenverachtenden Kommentare haben nicht nur Scheuring verstört. Schließlich sind unter den Hassern auch Schweinfurter, Leute, die man kennt. "Ich verurteile solche Kommentare aufs Schärfste", sagt Scheuring unter begeistertem Applaus. 

Tagblatt-Redakteur Oliver Schikora im Gespräch mit den ehemaligen Vorsitzenden Ayfer Rethschulte und Olga Baluyev sowie der aktuellen Vorsitzenden Aynur Scheuring. Foto: Martina Müller

Im Einsatz für die Demokratie ist an diesem Abend in Bamberg Mitra Sharifi Neystanak, die Vorsitzende der AGABY, der Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns.  Eigentlich wollte sie in Schweinfurt ein Grußwort sprechen, aber sie zeigt Flagge bei der Feier der Demokratie in Bamberg, einer Gegenveranstaltung zu einer Demonstration des rechtsextremen Dritten Wegs.

Video-Botschaft aus Bamberg

Sie schickt eine Videobotschaft, dankt dem Schweinfurter Integrationsbeirat für seinen Einsatz. Miteinander ist möglich, sagt sie. "Wir müssen mehr Demokrtaie wagen und sie stärken." Dazu würde für sie auch ein Kommunalwahlrecht für alle Menschen gehören, die hier leben . "Bitte gehen Sie zur Wahl", appelliert sie. "Und wählen Sie  keine Rassisten. Die lösen keine Probleme, die spalten nur unsere Gesellschaft." 

Deutliche Worte findet auch Oberbürgermeister Sebastian Remelé. Demokratie sei nicht selbstverständlich. "Wir haben uns nur daran gewöhnt. Wie an Frieden und Freiheit." Demokratie, Friede und Wohlstand müssten aber verteidigt werden. "Demokratie braucht Demokraten", macht Remelé klar. Sie brauche Menschen, die wählen, ebenso wie Menschen, die sich zur Wahl stellen. Demokratie lebe aber auch von Diskussion, von Streitgesprächen, das mache sie stark und selbstbewusst.  Aber sie lebe auch von Werten, zusammengefasst in der Bayerischen Verfassung und im Grundgesetz. "Wenn wir diese Werte vermitteln, haben wir eine verdammt gute Botschaft." 

Remelé: Integration hat zwei Seiten 

In Sachen Integration habe man hier in Schweinfurt viel erreicht, ein Beispiel sei die glänzende Vermittlungsquote von syrischen Zuwanderern in Arbeit. Remelé macht aber auch deutlich, dass Integration eine Partner-Beziehung ist. Die Auffanggesellschaft stehe ebenso in der Pflicht wie derjenige, der zu ihr kommt. "Nur der kann integriert werden, der es will."  Wer Integration wolle, müsse Ja sagen zu diesem Land, seinen Werten, seiner Geschichte, seiner Struktur und seiner Verfasstheit. Seine Wurzeln verleugnen müsse man nicht. "Aber Ja sagen zum Partner." Sein Wunsch an die Zukunft: Der Integrationsbeirat soll eines Tages freudig und überzeugt sagen: "Es braucht uns nicht mehr."  

Miteinander verbessern: Für Vorsitzende Aynur Scheuring und ihre Vorgängerinnen Olga Baluyev und Ayfer Rethschulte ist das keine leere Worthülse, sondern ein Herzenswunsch und ein Ziel, zeigt sich bei einer kleine Diskussion, moderiert von Tagblatt-Redakteur Oliver Schikora. Schulungen, Weiterbildung, halten die drei für wichtig in ihrer Integrationsarbeit. Deutschkurse wurden angeboten, ein Dolmetscher-Pool gegründet, versucht, den Leuten den Einstieg hier zu  erleichtern. Und natürlich wird auch mal gefeiert, erinnern die drei an das syrische Fest im Juli 2016. "Wir  waren danach alle erschöpft, aber glücklich", sagt Olga Bayulev. 

Kein Platz für Rassismus

Es gab immer wieder Aktionen gegen Rassismus.  Der Integrationsbeirat hat auch eine Selbstverpflichtung gegen Rassismus unterzeichnet. Was steckt dahinter?, fragt Moderator Oliver Schikora. "Auch unter Menschen mit Migrationshintergrund gibt es Rassismus und Diskriminierung", sagt Aynur Scheuring. "Das wollen wir aus dem Beirat fernhalten."  Ayfer Rethschulte macht sich wie Mitra Sharifi Neystanak für ein kommunales Wahlrecht für alle stark, die hier leben. Ein Wunsch für die Zukunft wäre auch, die Arbeit des Beirates bekannter zu machen.  Ein weiterer, die Menschen zu zeigen, die neu in der Stadt hier leben. Ein Schritt dazu ist die Plakat-und Flyer-Aktion "Zukunft findet gemeinsam statt."  

Bevor es an den unterhaltsamen Teil des  Abends und ans Büffet geht, sorgt das Giratten/Flamenco-Duo Agua y Vino noch mal für Stimmung. "Menschen aus über 100 Ländern leben in Schweinfurt, ihr Engagement kann man gar nicht hoch genug einschätzen", sagt Oliver Schikora. Er dankt auch noch mal ausdrücklich Geschäftsführerin Erika Ketschik für ihre Arbeit. Da brandet Jubel und Applaus auf im Saal. "Ohne Dich wären wir aufgeschmissen", sagen die Beirats-Mitglieder Nurcan Hofman und Inge Weigand und überreichen Blumen. Ein dickes Danke geht auch an Matthias Kreß, Leiter der Stabsstelle "Gern daheim". 

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