SCHWEINFURT

Zehn Kilo schlechtes Gras?

Gegen zwei Angeklagte sollte am Mittwoch der Prozess um Rauschgifthandel in größerem Stil vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt beginnen. Einem 39-Jährigen wird Dealerei mit 16,5 Kilogramm „Gras“ und 600 Gramm Amphetamin vorgeworfen. Er war krankheitsbedingt aber nicht da – sein Verfahren wurde abgetrennt, informiert der Vorsitzende.

6000 Euro pro Kilo „Gras“

So sitzt der Jüngere (30) alleine vor der Strafkammer und lässt über seinen Verteidiger alle Anklagevorwürfe bestreiten, wonach er ab 2014 bis Mitte 2015 an zwei drogenabhängige Dealer in mindestens zehn Fällen je ein Kilogramm Marihuana verkauft haben soll – zum Preis von jeweils 6000 Euro. Die Geschäfte sollen jeweils in der Schweinfurter Wohnung eines der Abnehmer stattgefunden haben.

Schwer belastet wird der Angeklagte von einem 28-Jährigen, der ihm zusammen mit einem gleichfalls drogensüchtigen Kumpel damals das „Gras“ abgenommen habe, sagt dieser nun als Zeuge. „Wir waren damals total abhängig“, sagt er. Mehrere Gramm hätten sie konsumiert und versucht, ihre eigene Sucht durch Verkäufe an andere in der Szene zu finanzieren.

Schlechte Ware – feucht und klumpig

Die Ware des Angeklagten sei aber meist recht schlecht gewesen, feucht und klumpig, das hätten auch ihre Kunden moniert. Er habe aber nicht gewagt, den Lieferanten zu wechseln. Der Angeklagte sei im Ruf gestanden, auch rabiat zu werden. Den Stoff habe er auf Kommission bekommen und in Abständen – je nachdem wie die Verkäufe liefen – bezahlt. Schulden habe er bei dem Angeklagten nie gemacht. Das habe er nicht gewagt. Bei finanziellen Engpässen habe er sich lieber von Verwandten Geld geliehen.

Seit er von dem Lieferanten übel geschlagen worden sei, wolle er mit diesem nichts mehr zu tun haben, so der 28-jährige frühere Abnehmer. Später habe er deutlich bessere Ware – frisches, trockenes, gutes „Gras“ – von dem 39-Jährigen bezogen, der nun wegen Erkrankung auf der Anklagebank fehlt.

Anwalt will Glaubwürdigkeit erschüttern

Der Anwalt des Angeklagten versucht, die Glaubwürdigkeit des Zeugen zu erschüttern. Er konfrontiert ihn mit Aussagen, die er bei Vernehmungen oder als Zeuge in Prozessen gegen seine früheren Abnehmer gemacht hatte und später zum Teil revidierte. Der 28-Jährige konterte, dass er sich eben nicht mehr an alle Einzelheiten erinnern könne und nun lieber Unsicherheiten einräume oder Korrekturen vornehme, bevor er falsche Aussagen mache, die ihm zum Verhängnis werden könnten.

Der Verteidiger des Angeklagten meint, der 28-jährige Zeuge belaste seinen Mandanten vielleicht deshalb zu Unrecht, weil er von ihm Prügel wegen der Falschbezichtigung bekommen habe und Verwandte wie Anwälte bei seinem Verfahren geraten hätten, „auszupacken“. Der Prozess wird am Montag, 12. November, um 8.30 Uhr fortgesetzt.

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