MAMERS/GEROLZHOFEN

Zeichen der Aussöhnung in Mamers

Vor 100 Jahren ging der Erste Weltkrieg zu Ende. Aus diesem Anlass wurde auf dem Friedhof in Gerolzhofens Partnerstadt Mamers der Opfer gedacht. Dazu legten der Mamerser Bürgermeister Frédéric Beauchef und sein Gerolzhöfer Kollege Thorsten Wozniak Blumen am Ehrenmal nieder. Foto: Philippe Ory

Jedes Jahr wird am 11. November in Frankreich der Opfer des Ersten Weltkriegs gedacht. An jenem Tag war 1918 das Waffenstillstandsabkommen im bis dahin größten Krieg der Geschichte mit insgesamt 17 Millionen Toten unterzeichnet worden.

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Kriegsendes fand eine große Zeremonie in der Gerolzhöfer Partnerstadt Mamers statt. Mehrere Hundert Personen, darunter auch Veteranen des Zweiten Weltkriegs und des Algerienkriegs von 1954 bis 1962, sowie zahlreiche Kinder und Jugendliche nahmen an der mahnenden Erinnerung teil. Auch Gerolzhofens Bürgermeister Thorsten Wozniak reiste an.

Von einem „sehr eindrucksvollen Erlebnis“, berichtet Wozniak, der mit einer insgesamt vierköpfigen Delegation nach Mamers gefahren war. Die Feierlichkeiten anlässlich des 100-jährigen Kriegsendes begannen mit einem Festgottesdienst, den Pfarrer Christian Le Meur in der Kirche Église Notre Dame de Mamers feierlich gestaltete. Das mahnende Gedenken mit National- und Europahymne sowie der Niederlegung von Blumen fand dann – bei Dauerregen und typischer Novemberkälte – zuerst am Friedhof, danach am Mahnmal neben dem Rathaus statt. Traditionell wird den gefallenen Soldaten der Stadt gedacht, indem alle Namen verlesen werden.

Bezirkspräfektin Marie-Pervenche Plaza freute sich in ihrer Ansprache darüber, dass die beiden befreundeten Bürgermeister, Frédéric Beauchef (Mamers) und Thorsten Wozniak (Gerolzhofen), erstmals diese Gedenkveranstaltung gemeinsam begingen. Dieses Zeichen der Freundschaft sei ebenso bedeutsam wie das gemeinsame Gedenken von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Emmanuel Macron am Tag zuvor, so die Regierungsvertreterin.

Bürgermeister Wozniak sprach in seiner Rede die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung an: „Wir sind Europa. Lassen Sie uns weiterhin einstehen für Frieden, für Freundschaft und für Freiheit in Europa. Lassen Sie uns weiterhin ein starkes Zeichen für ein gemeinsames Europa setzen.“

Der Mamerser Bürgermeister Frédéric Beauchef erinnerte daran, dass man die Geschichte und das Leben der Gefallenen und der Opfer der Kriege nicht vergisst. Deshalb sei es wichtig, Zeremonien wie diese zu veranstalten: Aus der Erinnerung ergebe sich Verantwortung für Frieden.

An der Gedenkfeier nahm auch der frühere General Bongrain teil. Der 97-jährige lebt heute in Versailles, wohnte früher aber lange Zeit in Mamers. Er arbeitete unter anderem mit dem früheren Staatspräsidenten Frankreichs, Charles de Gaulle, zusammen. Der General freute sich sichtlich über die Besucher aus Gerolzhofen und unterhielt sich mit ihnen in fließendem Deutsch.

Nicht nur das unterstrich an diesem Tag die besondere Freundschaft zwischen den beiden Partnerstädten und zeigte, dass es insbesondere Franzosen und Deutsche in Europa geschafft haben, Freunde zu werden, so Bürgermeister Thorsten Wozniak. Auch beim mehrstündigen Bankett mit den Veteranen entwickelten sich lebhafte Gespräche zwischen den Franzosen und den Gerolzhöfern. Es wurde viel gelacht und es wurden gemeinsame Fotos geschossen. Am Ende reichte man sich zum Abschied die Hände oder umarmte sich.

Wenngleich die Einladung offizieller Natur war, also nicht von den Partnerschaftskomitees ausging, so blieb an den Tagen in Mamers auch Zeit für andere Begegnungen und um Freundschaften zu pflegen. Am späten Samstagnachmittag wurde die unterfränkische Delegation im Rathaussaal neben anderen von Partnerschaftspräsident Michel Corbin, Bürgermeister Beauchef sowie den stellvertretenden Bürgermeistern Sandrine Plessix und Jacky Vrammout empfangen. Hier war für das Wochenende die Europa-Ausstellung der Schülerinnen und Schüler aus Mamers, Gerolzhofen sowie den beiden weiteren Partnerstädten Gerolzhofens, Scarlino und Elek, zu sehen.

„Wie stelle ich mir die Zukunft Europas vor“ – darüber machten sich die jungen Menschen anlässlich des europäischen Partnerschaftsfestes 2017 Gerolzhofen Gedanken. Zu sehen sind vor allem Symbole für Frieden und Freundschaft. Die Bilder und inhaltlichen Ausführungen der Schülerinnen und Schüler werden in den nächsten Wochen in der Tourist-Info in Mamers ausgestellt. Dann geht die Ausstellung über „Europa heute und morgen“ auf die Reise nach Elek und Scarlino.

Im Saal St. Louis informierte sich Bürgermeister Wozniak außerdem über das Denkmalcamp von französischen und deutschen Jugendlichen in Divitz. Daneben gab es gesellige Begegnungen in Mamers, zum Beispiel die Treffen mit Mitgliedern des Partnerschaftskomitees, darunter die in Gerolzhofen bekannten Familien Ory und Vrammout, die auch heuer wieder zum Gerolzhöfer Adventsmarkt im Dezember anreisen werden.

Bei der Hinfahrt nach Mamers machten die Gerolzhöfer Zwischenstopp in Dizy in der Champagne. Auch dort, in der Partnerstadt von Sommerach, gab es ein Treffen mit dem Partnerschaftskomitee und mit Bürgermeisterin Barbara Naveau.

Eine Ausstellung der Schülerinnen und Schüler aus Gerolzhofen, Mamers, Scarlino (Italien) und Elek (Ungarn) zum Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren wurde im Beisein der Gerolzhöfer Delegation um Bürgermeister Thorsten Wozniak und seiner Frau Anita zusammen mit den französischen Freunden im Rathaus in Mamers eröffnet. Die Bilder und Texte sind Anfang 2019 dann in der Tourist-Information in Mamers zu sehen, ehe die Ausstellung in die Partnerstädte Elek und Scarlino weiter wandert. Foto: Stadt Mamers

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