Reichmannshausen

Zeitumstellung: Ernst Rösch hält die Kirchturmuhr an

In Reichmannshausen läuft das Uhrwerk noch mechanisch. Die Zeitumstellung ist daher nicht so einfach wie anderswo.
Ernst Rösch beim Einstellen der mechanischen Kirchturmuhr von Reichmannshausen. 
Ernst Rösch beim Einstellen der mechanischen Kirchturmuhr von Reichmannshausen.  Foto: Gudrun Rösch

Seit 35 Jahren kümmert sich Ernst Rösch um die Funktion und Wartung der Kirchenuhr. Mit viel Engagement, Zeitaufwand und technischem Verständnis betreut der gelernte Landmaschinenmechaniker das Uhrwerk in luftiger Höhe auf dem Bretterboden über dem Altarraum. Auch inspiziert er regelmäßig die drei Glocken. Notwendig ist es gelegentlich, ihre Antriebsketten zu ölen oder nachzustellen.

Zunächst nahm der heute 66-Jährige diese Aufgabe für die Gemeinde wahr und erhielt 100 Mark als Aufwandsentschädigung pro Jahr. Seit 2005 ist die Katholische Kirchenstiftung Reichmannshausen zuständig, die ihn mit der Weiterführung seines jetzt allerdings unentgeltlich geleisteten Einsatzes für Kirchturmuhr und Glocken beauftragte.

Elektrizität erleichtert die Wartung

Mechanische Uhren waren bis in die Neuzeit in allen Türmen zu finden. Für die Bevölkerung verkündeten sie Gebets- und Arbeitszeiten. Wegen des hohen Aufwands brachte der Einzug der Elektrizität große Vorteile in der Wartung der Uhren. So auch beim Uhrwerk, das 1957 von der Turmuhrenfabrik Edkorfhage & Söhne, Osnabrück, in den Reichmannshäuser Kirchturm eingebaut wurde. Der Gewichtsantrieb für das Räderwerk der Uhr muss nicht mehr per Hand hochgekurbelt werden. Das elektrische automatische Aufzugswerk wird von einem Quecksilberschalter gesteuert. Pünktlich um 8.20 Uhr und um 20.20 Uhr werden die Gewichte, die das Schlagwerk steuern, nach oben gezogen.Bei Stromausfall ist Muskelkraft gefragt, "Aber das kommt nicht oft vor", berichtet Ernst Rösch.

Die Glockenschläge sind je nach Uhrzeit verschieden. So verkünden Schläge auf die große Glocke, die dem Kirchenpatron Sankt Georg geweiht ist, die volle Stunde. Die mittlere Glocke, geziert mit der Figur einer weiblichen Heiligen, erklingt viermal vor dem Schlag der großen Glocke zur vollen Stunde, und einmal zur Viertel-, zweimal zur Halben- und dreimal zur Dreiviertelstunde.

Auch das Glockenläuten ist mit dem Uhrwerk verbunden. So das dreimalige Angelusläuten pro Tag und das 11-Uhr-Läuten, das früher den Menschen die nahende Mittagspause ankündigte und in bäuerlichen Gegenden oft als die "Klößglocke" bezeichnete wurde. "Ich kann nur für jeden Tag gleich festgelegte Glockenschlag- und Läutzeiten mechanisch einprogrammieren."  Schrauben in einer Blechscheibe drücken mit verschiedenen Stiften auf Schalter, die die Glocken zum Klingen bringen. So sind diese für das Läuten um 6, 11, 12, und 18 Uhr in der Winterzeit, in der Sommerzeit aber um 20 Uhr, vorhanden. Besondere Läutzeiten, wie für Gottesdienste, werden vom Messner per Schalter aus der Sakristei eingestellt.

Zeitumstellung erfolgt per Hand

Deshalb muss er in der Nacht auf Sonntag, 29. März, wieder für das Abendläuten von 18 auf 20 Uhr umstellen und die Uhr um eine Stunde vorstellen. Regulieren kann Ernst Rösch dies über das Anhalten des Pendels. Dann wird ein Kegelrad zurück aus der Verzahnung gezogen. Das Uhrwerk beginnt von selbst zu laufen bis das Kegelrad wieder in die Verzahnung einrastet. Nun stößt Ernst Rösch das Pendel an und somit ist das Schlagwerk der Uhr wieder komplett eingerichtet.

Einfacher ist die Umstellung der Uhr auf Winterzeit. Vor Mitternacht begibt sich Ernst Rösch zum Uhrwerk und hält das Pendel für eine Stunde an. In der Zwischenzeit geht er nach Hause und schaut die Sportschau. "Einmal bin ich beim Fernsehen eingeschlafen, und als ich um halb vier aufwachte, bin ich schnell zur Kirche. Es war eine schwierige Prozedur, die Uhr auf die richtige Zeit zu bringen," erinnert er sich.

Regelmäßig wartet Ernst Rösch das mechanische Uhrwerk. "Alle drei Monate wird alles geölt, was sich daran bewegt. Nur die Schnecke, also die kegelförmigen Walzen, werden alle sechs Wochen mit einem besonderen Schmierfett, dem Staufferfett behandelt", berichtet er. Vor einigen Wochen ist die Uhr stehen geblieben. Dann hieß es für ihn Kettenspannung überprüfen und von Hand die Gewichte wieder in die richtige Position hochheben, dass das Uhrwerk zum Laufen kommt.

Mit viel Liebe und Sorgfalt wird sich Ernst Rösch auch weiterhin um das Uhrwerk der Kirchenuhr kümmern, denn "sie ist ein echtes Schmuckstück, das auch noch prima funktioniert", so Rösch.

Auch die selten anfallende Wartung der Kirchenglocken gehört seit 35 Jahren zu den Aufgaben von Ernst Rösch.
Auch die selten anfallende Wartung der Kirchenglocken gehört seit 35 Jahren zu den Aufgaben von Ernst Rösch. Foto: Gudrun Rösch

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