SCHWEINFURT

Zeug gibt‘s: Kein Herz für Hunde

Meine Güte, was waren das für Haushaltsberatungen, nach dreieinhalb Tagen raucht der Kopf und sind die Fingerkuppen wund geschrieben, so viel Themen und Texte gab es in diesem Jahr. Und vor allem ging's zeitweise richtig rund: Da war von Heuchlern die Rede, von Wahlkampfmanövern, von Quatsch und Blödsinn. Endlich war mal Feuer drin in diesen Beratungen, möchte man meinen. Mittendrin vor allem Oberbürgermeister Sebastian Remelé, der beim Thema sozialer Wohnungsbau einen Streit mit den Linken und der SPD vom Zaun brach.

Nun, um der Wahrheit zur Ehre zu gereichen, der Schweinfurter Stadtrat ist für gewöhnlich kein Gremium der Streithansel. Die weitaus meiste Zeit waren die diesjährigen Haushaltsberatungen gesittet und sogar mit Humor versehen, auch wenn es durchaus ein wenig anstrengend ist, 56 Anträge fast aller Fraktionen abzuarbeiten und zu besprechen. Nur die AfD hatte keinen Haushaltsantrag für 2020 gestellt.

Über die Frage, wer nun wann

welchen Antrag zuerst gestellt hat, kann man sich übrigens trefflich streiten. Die SPD hatte beantragt, den Schelmsrasen aufzuhübschen: Fahrradstraße, mehr Bäume, das ganze Programm. Das fand die Verwaltung durchaus gut und Christiane Michal-Zaiser auch – vor allem aber weil der proschweinfurt-Stadträtin dieser Antrag doch sehr bekannt vorkam, ihr Kollege Adi Schön hatte ihn 2018 nämlich schon gestellt. Der OB fand eine salomonische Lösung: Ein Antrag, bei dem die Verwaltung die Urheberschaft von proschweinfurt gut findet, sekundiert von einem weiteren Antrag der SPD mit den Sympathien der Grünen. Jetzt muss es nur noch gebaut werden und wenn der erste Spatenstich kommt, können ja SPD, proschweinfurt und Grüne gemeinsam die Schaufel halten.

Dauerbrenner gab es auch, auf FDP-Stadtrat Georg Wiederer als Gremiums-Ältester trifft das ja im doppelten Sinne zu: als langjähriger Stadtrat und als Kämpfer für die Innenstadt sowie eine Neugestaltung der Hohen Brückengasse mit Albrecht-Dürer-Platz. Von CSU-Fraktionschef Stefan Funk geneckt, der Antrag auf Sanierung der Straße „kommt alle Jahre wieder“, bewies Wiederer Schlagfertigkeit: „Genauso wie Du als wesentlicher Verhinderer.“ Es gibt aber Licht am Ende des Tunnels, wenngleich es schwach flackert: Wenn Bauerngasse und Kornmarkt fertig sind, kann man ab 2024 über die Sanierung der Hohen Brückengasse nachdenken. Wie gut, dass die Verwaltung dann nur die Schublade öffnen muss, denn da liegen die fertigen Pläne seit Jahren drin.

Ein Mann der klaren Worte ist Ordnungsreferent Jan von Lackum. Stefan Labus hatte für die Freien Wähler nur einen Antrag: einen eingezäunten Hundespielplatz, schließlich gibt es 1400 Hunde in der Wälzlagerstadt, mit entsprechenden vielen Besitzern. Als Kämpfer für den kleinen Mann präsentierte sich Labus, der Wert auf die kleinen Verbesserungen im Alltag legte. Die findet von Lackum auch gut, in dem Fall aber war er glasklar: „Dieser Antrag ist Quatsch.“ Überhaupt trieb ihn die Sorge um die Wautzis um, die abgeschnitten vom treu sorgenden Herrchen oder Frauchen alleingelassen im abgezäunten Spielplatz nach dem Herumtollen mit fremden Hunden gestresst nach Hause hecheln. Dass es solche Hundespielplätze laut Labus in 50 anderen deutschen Städten schon gibt, konnte ihn nicht erweichen.

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