Gerolzhofen

Zu hohe Heizkosten in der Zweifach-Turnhalle?

Die Zweifach-Turnhalle am Lülsfelder Weg sorgt schon seit Jahren für Unbill. Den Sportlern ist es drinnen zu warm und bei der Lüftungstechnik blickt keiner so richtig durch.
Die Zweifach-Turnhalle am Lülsfelder Weg sorgt seit Jahren für Diskussionen im Gerolzhöfer Stadtrat.
Die Zweifach-Turnhalle am Lülsfelder Weg sorgt seit Jahren für Diskussionen im Gerolzhöfer Stadtrat. Foto: Klaus Vogt

Es ist ein Thema, das seit Jahren im Gerolzhöfer Stadtrat immer dann wiederkehrt, wenn der Bericht der örtlichen Rechnungsprüfer vorgelegt und diskutiert wird: Die Zweifachturnhalle am Lülsfelder Weg an der Ostseite des Schulzentrums ist für viele Sportler zu warm geheizt, die Klimatisierung und Lüftungssteuerung funktioniert von Anfang an offenbar nicht richtig. Im aktuellen Prüfbericht, ein 26 Seiten starkes Werk des Prüfausschuss-Vorsitzenden Arnulf Koch (CSU), geht es wieder um die Halle - diesmal um die offenbar sehr hohen Heizkosten. 

Die Stadträte Arnulf Koch, Johannes Roth (Freie Wähler), Christine Dittmeier (CSU) und Susanne Wilfling (SPD) haben sich als Rechnungsprüfungsausschuss bei mehreren Terminen die Jahresrechnung 2017 der Stadt Gerolzhofen zur Brust genommen. Dabei fiel ihnen auf: Die Stadt hat laut Buchungen 41 935,18 Euro an Wärmeenergiekosten alleine für die Zweifachturnhalle ausgegeben, die im Jahr 2006 gebaut und 2007 in Betrieb ging. "Uns erscheinen die Energiekosten zu hoch für eine Zweifach-Turnhalle", erklärte nun Arnulf Koch im Stadtratsgremium. Doch gibt es einen Vergleichsmaßstab für die Heizkosten?

Umfrage am Telefon

"Wir versuchten einen Vergleich zu anderen Schulturnhallen zu erhalten", berichtete Koch. Das Ergebnis: Die Hallen in der Region werden sehr unterschiedlich beheizt. Während die Gerolzhöfer Zweifachhalle mit Gas gewärmt wird, ist es bei der Dreifachhalle des Landkreises an der Dr.-Georg-Schäfer-Straße Fernwärme. Die Schulturnhalle in Oberschwarzach hingegen wird mit Hackschnitzeln betrieben, die Dreifach-Halle in Donnersdorf wiederum mit Gas, die Halle in Herlheim mit Heizöl. Vergleichende Rechnungen erscheinen also schwierig und ungenau. 

In Herlheim - dies ergaben telefonische Recherchen von Christine Dittmeier - fallen jährlich etwa 5000 Euro als Heizkosten an. Hochgerechnet auf die ganztägig genutzte Gerolzhöfer Halle ergibt dies einen Betrag von knapp 15000 Euro. Die mit einem eigenen Gastank beheizte Donnersdorfer verschlingt pro Halbjahr nur etwa 2000 Euro. Auf Gerolzhöfer Verhältnisse hochgerechnet, bedeute dies rund 8000 Euro pro Jahr, erklärte Arnulf Koch.

Das Fazit der Rechnungsprüfer: Man konnten zunächst davon ausgehen, dass bei der Zweifachhalle der Stadt jährlich mindestens 25 000 Euro zu viel für die Heizung gezahlt werden. Und dies Jahr für Jahr bereits seit über zehn Jahren. Dann stellte sich heraus, dass das Ganze doch nicht ganz so dramatisch ist.

Gesamte Heizkosten der Schulen

Kämmerer René Borchardt konnte aufklären: Die gesamten Heizkosten von Grundschule, Mittelschule und Turnhallen am Lülsfelder Weg werden im Haushalt auf die Zweifachturnhalle abgerechnet und die Einnahmen später von Grund- und Mittelschule wieder gutgeschrieben. Dies hat den buchhalterischen Vorteil, dass man vorsteuerabzugsberechtigt ist. Fazit der Rechnungsprüfer: "Die Heizkosten für die Zweifach-Turnhalle sind also im Rahmen der untersuchten Turnhallen in der Umgebung."

Weiterhin unzulänglich bleibt laut Arnulf Koch aber die Steuerung der Lüftung in der Zweifachhalle. Die Temperaturregulierung scheint nur möglich, indem man die Fenster entweder öffnet oder schließt. Dies war schon über Jahre ein wiederkehrendes Thema des früheren Vorsitzenden des Rechnungsprüfungsausschusses im Stadtrat, Werner Ach (CSU). "Man muss feststellen, dass sich trotz Aktionen der Verwaltung nichts Grundlegendes an der Situation ändert", sagte nun Koch. "Die Mängel bestehen offenbar schon seit dem Neubau."

Keiner kennt sich aus

Laut Stadtbauamt kenne sich eigentlich niemand so richtig mit der Steuerungs- und Lüftungstechnik aus, berichtete Koch. Das Konzept mit einem Wärmetauscher scheine nicht zu funktionieren. Das Problem: Der von der Stadt beauftragte Fachplaner, der für die umstrittene Konzeption der Steuerungstechnik verantwortlich war, ist inzwischen in die Insolvenz gegangen. Ein Rechtsstreit der Stadt ist zwar anhängig, scheint aber wenig Erfolg zu verheißen.

Mehr Erfolg könnte jetzt aber ein anderer Lösungsansatz bringen: Die Stadt Gerolzhofen gehört einem von vier Energieeffizienz-Netzwerken an, die von der ÜZ Mainfranken organisiert wurden. Mit im Boot ist hier auch das Institut für Energietechnik (IfE) an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden mit Professor Markus Brautsch an der Spitze. Ein Team aus 40 Ingenieuren bietet den Mitgliedern der Netzwerke eine neutrale energietechnische Beratung an. Laut Bürgermeister Thorsten Wozniak  ist geplant, das Wärmekonzept der Schule und der Zweifachturnhalle am Lülsfelder Weg als Projekt beim IfE einzubringen. Vielleicht bringen die Experten das Problem in den Griff.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Gerolzhofen
  • Klaus Vogt
  • CSU
  • Energiekosten
  • Energietechnik
  • Freie Wähler
  • Heizkosten
  • Heizöl
  • Hochschule Amberg-Weiden
  • Hochschulen und Universitäten
  • Kämmerer
  • SPD
  • Stadt Gerolzhofen
  • Steuerungs- und Regelungstechnik
  • Streitereien
  • Städte
  • Technische Hochschulen
  • Thorsten Wozniak
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!