SCHWEINFURT

Zurück aus der Vergangenheit

Zwölf Songs des dritten Studioalbums hat die Band Suzi Cream Cheese in neuer Qualität eingespielt. Fotos: Wolfram Hanke Foto: Wolfram Hanke

November 2018 war es noch ein Gerücht. Da hat die Schweinfurter Band Suzi Cream Cheese bei der Feier zur 100. Ausgabe des Fanzines „Der kosmische Penis“ als Duo eine Handvoll alter Songs auf der Bühne im Stattbahnhof performt. Jetzt ist es Gewissheit. Die Band hat sich nach 30 Jahren in einer neuen Besetzung zusammengefunden und ihr lange als verschollen geglaubtes drittes Studioalbum neu aufgenommen.

Entstanden sind diese zwölf Songs damals in einem kleinen Studio in Maßbach im Landkreis Bad Kissingen. Das gibt es auch schon lange nicht mehr, sagt Sänger Georg Nägle. „Wir hatten musikalisch nichts mehr gemacht und dann hat sich niemand mehr dafür interessiert. Ich wusste nicht mal mehr, dass es überhaupt noch existiert“, erzählt er.

Suzi Cream Cheese waren eine Garagenband aus Schweinfurt, die Ende der Achtziger zwei Alben veröffentlichte, das Debütalbum sogar beim renommierten Label Glitterhouse Records. Suzi Cream Cheese spielten jede Menge Konzerte und eine Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz mit der kalifornischen Band Bomb. 1992 lösten sie sich auf. Den Neustart mit Suzi Cream Cheese sehen Georg und Andi auch als Hommage an die fränkische Garagenrock-Szene. „Wir sind inzwischen alle in einer Position, in der wir ganz entspannt Musik machen können“, erklärt Georg. „Wir sind nicht darauf angewiesen, damit Geld verdienen zu müssen. Möglicherweise werden wir auch die ersten beiden Alben remastern und digitalisieren. Diese Idee steht zumindest im Raum. Da passt natürlich das dritte Album perfekt ins Konzept.“

Im Juli 2019 hat Georg eine DAT-Kassette mit den alten Aufnahmen in seinem privaten Archiv entdeckt. Leider mit einigen Störgeräuschen und suboptimaler Tonqualität, deshalb hat sich die Band entschieden, die zwölf Songs einfach neu aufzunehmen. „Eigentlich war das nur ein Rough Mix, den unser damaliger Bassist Rainer und ich kurz nach den Aufnahmen zusammengemischt haben“, erzählt Andi Nierlich. „Wir haben das Tape, nachdem es wieder aufgetaucht ist, verschiedenen Leuten vorgespielt und die waren restlos begeistert. Ich dachte mir schon immer, es gibt da dieses verschollene Album, damit muss man doch was machen.“

Aus der Originalbesetzung von Suzi Cream Cheese sind heute noch zwei dabei. Georg Nägle, der beim ersten Album am Schlagzeug saß und inzwischen singt, und Andi Nierlich, der Gitarrist war und inzwischen Bass spielt. Neu in der Band sind Gitarrist Sebastian Väth und Schlagzeuger Steffen Schmidt, beide von der Schweinfurter Band Ghostrockets und der Instrumental-Psychedelic-Band Acid Rooster. Dazu kommt noch der zweite Gitarrist Jochen Schneider aus Würzburg, mit dem Andi Nierlich schon unter dem Namen Kingston Sound Massaker Musik gemacht hat. „Wir haben im Lauf der Jahre immer wieder versucht, eine Reunion auf die Beine zu stellen, sind aber stets gescheitert, weil inzwischen alle ihr eigenes Ding machen“, erklärt Georg. „Es hat einfach nie funktioniert. Deshalb mussten wir einfach neue Leute finden. Mit denen bin ich jetzt auch sehr glücklich und weine niemandem nach.“

Wann und in welcher Form das Album veröffentlicht wird, ist noch unklar. Es gibt die Idee, das noch namenlose Album auf einer Bandcamp-Seite im Internet verfügbar zu machen. Eine Vinyl-Veröffentlichung in Eigenregie kann sich die Band ebenfalls vorstellen. Und auch der Mann, bei dem sie Anfang Januar im Studio waren, passt ins Konzept. Jörg Völker hat schon 1988 das Debütalbum „Baby It?s Time“ aufgenommen. Er betrieb damals in Bamberg ein großes Tonstudio, in dem er viele Garagenbands aufgenommen hat. 1999 kam aber nach 15 Jahren das Ende für sein Tonstudio, weil die Aufnahmetechnik überall auf digital umgestellt wurde.

Jörg kehrte zurück in seinen alten Beruf als Architekt und betrachtet die Musik seitdem nur noch als Hobby. „Vor etwa einem Jahr wollte ich wieder Musik aufnehmen und habe lange nach einem geeigneten Mischpult gesucht. Dann habe ich irgendwann zufällig mein altes Pult auf Ebay entdeckt“, erzählt Jörg. „Bei einem Anbieter aus Köln. Das hatte ich Ende 1999 verschenkt, weil es keiner haben wollte. Das Pult hat inzwischen drei Studios durchlebt und jetzt habe ich es in einem astreinen Zustand zurückgekauft. Es klingt immer noch wie damals.“

Sound-Engineer Jörg Völker bei der Arbeit am Mischpult. Foto: Wolfram Hanke

Rückblick

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