WASSERLOSEN

Zurück in die Vergangenheit

Pfarrer Christoph Dörringer feiert dreimal die Messe teilweise in Lateinisch. Nicht alle Gläubigen sind davon begeistert, weichen in andere Kirchen aus. Auch Ehrenamtliche ziehen sich zurück.
Pfarrer Christoph Dörringer wird an Pfingsten in der Kirche Sankt Simon und Judas Thaddäus in Wasserlosen die Messe teilweise in lateinischer Sprache halten.
Pfarrer Christoph Dörringer wird an Pfingsten in der Kirche Sankt Simon und Judas Thaddäus in Wasserlosen die Messe teilweise in lateinischer Sprache halten. Foto: Silvia Eidel

Wieder einmal feiert Pfarrer Christoph Dörringer in seiner katholischen Pfarreiengemeinschaft „Maria Hilf“ Wasserlosen Gottesdienst teilweise in lateinischer Sprache. Dreimal ist er am Hochfest Pfingsten damit unterwegs, am Sonntagvormittag zuerst in Brebersdorf, dann in Wasserlosen und schließlich in Kaisten. Während diese Art der Heiligen Messe für die einen zurück in die Vergangenheit führt, sind andere Katholiken angetan von lateinischen Texten und Gesängen.

Selbst Lateinisch sprechen oder übersetzen können die Allerwenigsten in Wasserlosen. Aber den älteren Kirchgängern sind die Gebete noch geläufig, sie können sie auswendig dahersagen. Wenn die Liturgie im sogenannten ordentlichen Ritus ist, also dem in der Messgestalt von 1970 nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, dann „versteht man auch manches“, meint dazu Pfarrgemeinderatsmitglied Rosemarie Gößmann. Für sie hängen am Lateinischen viele Erinnerungen, an ein gesungenes „Tantum ergo“, an ein „Salve Regina“ und an die Oma, von der sie das gelernt hat. Aber die 56-Jährige weiß auch, dass nicht alle Gläubigen in Wasserlosen von lateinischen Gottesdiensten begeistert sind. „Der eine sieht's so, der andere so.“

In den acht Dörfern, die zur Pfarreiengemeinschaft Maria Hilf gehören, gibt es etliche Kritiker, die sich an diese Zeitung gewandt haben, allerdings ihren Namen nicht hier lesen wollen. Sie sind der Ansicht, dass eine lateinische Messe nicht in die heutige Zeit gehört, dass man doch verstehen müsse, was man betet und singt. Mit solchen konservativen Gottesdiensten würden immer mehr Gläubige vergrault, meinen sie.

Es geht ihnen aber nicht nur um die Messe, sondern um Grundsätzliches. Sie lehnen die „sehr konservative Grundhaltung“ ihres Priesters ab, der gerne in seiner Soutane unterwegs und von hierarchischem Denken geprägt sei. Hinter vorgehaltener Hand wird kritisiert, dass ehrenamtliche Gottesdienstbeauftragte seit dem Amtsantritt des heute 46-Jährigen vor fünf Jahren nicht mehr tätig werden können, weil der Pfarrer selbst mit Vikar und Ruhestandsgeistlichen alle Gottesdienste abdeckt. Genannt wird auch die Missionierung der umstrittenen Legionäre Christi, die im vergangenen Jahr in der Gemeinde weilten und nach wie vor Kontakt dorthin halten. Ehrenamtliche würden sich immer mehr zurückziehen, viele Gläubige würden in andere Kirchen ausweichen.

Auf Nachfrage im Bischöflichen Ordinariat zur lateinischen Messe erläutert der Pressesprecher der Diözese Würzburg, Bernhard Schweßinger, dass solche Messen im ordentlichen Ritus zulässig sind, „ist doch Latein die Grundsprache der katholischen Liturgie“. Das Zweite Vatikanische Konzil habe es „ermöglicht, die Heilige Messe in der jeweiligen Muttersprache zu feiern“. An Hochfesten würden zuweilen lateinisch-sprachige Messen als zusätzliches Angebot gefeiert. „Auch aus Gründen der Internationalität“ könne dies angebracht sein, teilt er mit. Bischof Friedhelm Hofmann würde dies gelegentlich auch tun.

In Wasserlosens Pfarrkirche feierte bis zum Monat Mai Pfarrer Dörringer fast jeden Samstag früh um 6.45 Uhr auch eine Messe im „außerordentlichen Ritus“. Genannt wird dieser auch Tridentinischer Ritus nach dem Konzil von Trient und dessen Messbuch von 1570 bis zu den Nachfolge-Büchern bis 1962. Anlass des Konzils war damals die Reaktion der römisch-katholischen Kirche auf die Reformation und die „menschennahe“ Liturgie, wie sie die Protestanten ausübten. Dagegen wollte man sich absetzen: Keine Muttersprache, keine Mitsprache der Gottesdienstteilnehmer, reines Opferverständnis ohne Gemeinschaftscharakter, sagen die Kritiker dieses alten Ritus.

Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) wurde die Kirche erneuert und die Liturgie reformiert: Die Gemeindemitglieder erhielten eine aktivere Rolle bei der Messe, die gemeinschaftliche Feier steht seitdem im Mittelpunkt, die alte Sprache des Gottesdienstes – Latein – wurde im Normalfall durch die jeweiligen Landessprachen ersetzt.

Dennoch darf auch heute eine Messfeier im außerordentlichen Ritus stattfinden, erläutert Bistumssprecher Schweßinger. Allerdings nur zusätzlich zum normalen Mess-Angebot. Wer diesen Ritus bevorzuge, der „verbindet mit der lateinischen Sprache auch die Sehnsucht nach einer Kirche vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil,“ teilt er mit.

Der letzte Papst Benedikt XVI., der deutsche Joseph Ratzinger, hatte 2007 diesen Ritus von 1570/1962 wieder hoffähig gemacht und ihn als zusätzliche Möglichkeit der Messfeier wieder eingeführt, um die „Kontinuität in der Feiergestalt der Messe über die Jahrhunderte zu verdeutlichen“, so Schweßinger.

Der jetzige Papst Franziskus allerdings ließ 2013 per Dekret der Kongregation der „Franziskaner der Immakulata“ in Rom die Feier nach dem vorkonziliaren Ritus verbieten. Woraus manche nun schließen, der neue Papst werde sich in dieser Frage grundsätzlich gegen seinen Vorgänger aussprechen.

Für Wasserlosens Pfarrer Christoph Dörringer ist auf Anfrage dieser Zeitung eine Messe teilweise in lateinischer Sprache nichts Außergewöhnliches. Warum danach gefragt wird, scheint er nicht nachvollziehen zu können.

Dagegen bezeichnet Magnus Lux (Schonungen) vom Bundesteam „Wir sind Kirche“ die Feier einer lateinischen Messe sowie auch einer nach dem alten Ritus als nicht in die heutige Zeit passend.

Pfarrer Christoph Dörringer wird an Pfingsten in der Kirche Sankt Simon und Judas Thaddäus in Wasserlosen die Messe teilweise in lateinischer Sprache halten.
Pfarrer Christoph Dörringer wird an Pfingsten in der Kirche Sankt Simon und Judas Thaddäus in Wasserlosen die Messe teilweise in lateinischer Sprache halten. Foto: MP Archiv

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