OBERSCHWARZACH

Zwei Schlüssel für die Marktgemeinde

Die Marktgemeinde Oberschwarzach übernimmt das Schloss, das das Ortsbild seit mehr als 400 Jahren prägt. Bürgermeister Manfred Schötz bekam den symbolischen Schlüssel. Foto: Gudrun Theuerer

Jetzt ist es nicht nur amtlich, sondern auch offiziell. Seit Sonntag besitzt der Markt Oberschwarzach die Schlüsselgewalt über das Echter-Schloss. Das dominante, repräsentative und nicht zu übersehende Anwesen war in seiner mehr als 400-jährigen Geschichte immer das Wahrzeichen der Steigerwaldgemeinde. Weil es aber nie im Besitz Oberschwarzachs war, hatte es keinerlei Funktion für die Marktgemeinde und ihre Bürger. Das wird sich nun ändern.

Weitere 400 Jahre Daseinsberechtigung

Am Tag des offenen Denkmals gingen die Schlossgebäude nun in den Besitz der Marktgemeinde über, die jetzt dafür sorgen will, dass das Gebäude auch noch weitere 400 Jahre seine Daseinsberechtigung hat, so Bürgermeister Manfred Schötz.

Lange habe man um die Zukunft der Liegenschaft gerungen. Immerhin sei die Übernahme des sanierungsbedürftigen Schlosses eine große Herausforderung für eine so kleine Gemeinde mit nur knapp 1400 Einwohnern.

Der finanziellen Aufgabe sei man sich durchaus bewusst, so das Ortsoberhaupt, aber mit der Regierung von Unterfranken, dem Landesamt für Denkmalpflege und der Diözese habe man starke Partner an der Hand, die ihre finanzielle Unterstützung zugesagt haben.

So, wie der erste Umbau der Anlage unter dem Fürstbischof Julius Echter 39 Jahre dauerte, werde die Sanierung des Schlosses mit seinem Umgriff auch nicht an einem Tag zu schaffen sein. Aber dass diese Aufgabe in einem Zeitraum von rund zehn Jahren erledigt sein könnte, sei denkbar.

Nach der Planung und einem Architektenwettbewerb hoffe man, Ende 2018 oder Anfang 2019 mit der Sanierung beginnen zu können. Die Weichen dafür seien jetzt mit der Schlüsselübergabe gestellt worden, sagte Schötz.

Ein Zeugnis ungerechter Machtverhältnisse

Der symbolischen Schlüsselübergabe war ein Festgottesdienst im Schlosshof vorausgegangen, geleitet von Pfarrer Stefan Mai, musikalisch begleitet von der Kirchenband. Mai erinnerte an den Würzburger Fürstbischof Julius Echter als einen eifrigen Bauherrn, dessen zahlreiche Bauwerke die fränkische Landschaft noch heute prägen und Ausdruck seiner fürstbischöflichen Macht waren.

In seiner Regierungszeit erhielt auch das Oberschwarzacher Schloss sein markantes Äußeres. „Macht und Pracht“, das Thema des diesjährigen Tags des offenen Denkmals, passe daher auch genau zum Oberschwarzacher Schloss.

Sicherlich wollte die Kirche mit ihren vielen imposanten Bauten und wertvollen Kunstschätzen nicht nur Schönheit und Pracht zeigen, sondern auch Macht beweisen. Und sicherlich wären diese nicht entstanden, ohne Hand- und Spanndienste armer Bauern, ohne Frondienste oder drückende Steuerlasten.

ihm sei bewusst, dass viele herausragende Kunstwerke nie entstanden wären, wenn an ihnen nicht ungerechte Machtverhältnisse, ja vielleicht sogar Blut klebten, sagte Mai. Dennoch sei unbestreitbar, dass die vielen Gelder für Pracht und Schönheit auch zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen ausgegeben wurden.

Ein singendes Gebäude

Dadurch konnten die Menschen im Mittelalter, in den gotischen Kirchen mit den hohen Räumen und bunten Glasfenstern, den Blick staunend nach oben richten, oder in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges in den prachtvollen Barockkirchen etwas vom Himmel auf die Erde holen, um so manches Jammertal auszuhalten und wieder Hoffnung zu schöpfen. Auch die einfachen Menschen konnten sich so an der Pracht und Schönheit freuen. Statt Macht und Pracht müsse die Kirche heute als Kulturträger eine „edle Schlichtheit“ in den Kunst- und Bauwerken entwickeln, die sie in Auftrag gibt, stellte Mai fest. Sie sollen zum Denken anregen und zum Ausdruck bringen, was der Stararchitekt der alten Römer, der 84 vor Christus geborene Vitruv, seinem Kollegen in einem Brief ans Herz legte.

Um Tempel zu bauen, die die Menschen bewegen, müsse man deren Wert für die Menschen erkennen und das Geheimnis ihrer Wirkung ergründen. „Viele Häuser bleiben stumm. Einige werden dich ansprechen und wenige werden singen.“

In diesem Sinne wünschte Mai den Oberschwarzachern, dass ihr Schloss nicht stumm bleibe, sondern Menschen anspreche und in einigen Jahren zur Freude der Menschen, die diese Räume in einem anderen Sinn nutzen werden, als zur Zeit von Macht und Pracht, singen möge.

Förderverein übergibt zweiten Schlüssel

Und noch ein weiterer Schlüssel wurde an den Bürgermeister übergeben, diesmal vom Darsteller des Schlossherrn, Guido Plener. Dieser kam vom Förderverein Schloss Oberschwarzach und betraf die Remise im Schlosshof, die der Verein in rund 1700 Helferstunden im vergangenen Jahr renoviert hatte. Willi Groha vom Vorstandsteam nutzte dabei die Gelegenheit, den Verein und seine Ziele näher vorzustellen. Eines davon sei schon erreicht worden, nämlich, dass das Schloss im Besitz der öffentlichen Hand bleibt. Nun soll es auch wiederbelebt und möglichst intensiv genutzt werden. Bürgermeister Manfred Schötz dankte dem Verein für seinen Einsatz und das große Engagement und bemerkte im Hinblick auf die gesteckten Ziele, dass einige davon sogar mehr als erfüllt worden seien. Und er stellte klar: „Ohne den Förderverein würden wir heute nicht hier stehen.“

Indische Besucher

Nach der Schlüsselübergabe gab es Schlossführungen. Am späten Nachmittag hatten die vier Führer Christa Kraus, Monika Lindner, Kunigunde Reinstein und Schlossherr Guido Plener schon mehr als 400 Gäste durch das Oberschwarzacher Schloss, den Kerker und Keller geführt, eine indische Gruppe sogar mit einer englischsprachigen Tour.

Und auch für das leibliche Wohl war im Hof des Schlosses bestens gesorgt, so dass viele Gäste vor oder nach der Besichtigung dort verweilten und am Nachmittag der Musik der Oberndorfer Barden lauschten. Die zehn Musikanten hatten Stücke aus dem 15. bis 17. Jahrhundert mitgebracht, die sie auf größtenteils historischen Instrumenten spielten. Einige bekannte Volkslieder luden zum Mitsingen ein. Ein Hingucker waren schließlich auch die kleinen Tanzeinlagen in historischen Gewändern.

Schlüsselübergabe (von links): Schlossherr Guido Plener, Kirchenpfleger Karl Helmich, Pfarrer Stefan Mai, Bürgermeister ... Foto: Gudrun Theuerer
Nicht nur die alte Geschichte des Oberschwarzacher Schlosses interessierte die Besucher, sondern auch das Schicksal des ... Foto: Gudrun Theuerer
Mehr als 400 Besucher hatten am Nachmittag schon die Führungen durch das Oberschwarzacher Schloss absolviert, die anläss... Foto: Gudrun Theuerer
Am Nachmittag unterhielten im Schlosshof die Oberndorfer Barden mit Musik aus der Entstehungszeit des Oberschwarzacher S... Foto: Gudrun Theuerer
 

Fotoserie

Schlüsselübergabe

zur Fotoansicht

Schlagworte

  • Oberschwarzach
  • Gudrun Theuerer
  • Denkmäler
  • Fördervereine
  • Fürstbischöfe
  • Manfred Schötz
  • Monika Lindner
  • Regierung von Unterfranken
  • Schönheit
  • Stefan Mai
  • Steuerbelastung
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!