SCHWEINFURT

Zwei Trompeten und ein Flügel: Ein Trio macht Kammermusik

Eine Männer-WG mit Pianistin: Beim Foyerkonzert boten Magdalena Müllerperth, Markus Czieharz und Maximilian Sutter dem Schweinfurter Publikum einen außergewöhnlichen Kammermusikaend.
Eine Männer-WG mit Pianistin: Beim Foyerkonzert boten Magdalena Müllerperth, Markus Czieharz und Maximilian Sutter dem Schweinfurter Publikum einen außergewöhnlichen Kammermusikaend. Foto: Martina Müller

Die Musiker Czieharz, Müllerperth und Sutter haben den Schweinfurtern ein besonderes Foyerkonzert beschert.

Eine Männer-WG mit Trompeten hat dem Schweinfurter Publikum einen unverhofften Kammermusikabend geboten, denn ursprünglich war eine andere Formation angekündigt. So musizierten an diesem Abend die Studienfreunde Markus Czieharz und Maximilian Sutter, die in jungen Jahren schon gemeinsam im Bundesjugendorchester gespielt hatten. Am Flügel hatte sich Magdalena Müllerperth dazugesellt. Sie präsentierten ein überwiegend romantisches Programm, das mit Werken aus dem 20. Jahrhundert und mit Ausflügen in den Jazz sehr abwechslungsreich gestaltet war.

Diesmal in der Hauptrolle

Nicht oft bietet sich die Gelegenheit, Trompeten so unverfälscht und solistisch zu hören, treten diese Instrumente doch sonst meist in Gruppen auf. Nun aber gleich mit dem ersten „Duo de concours“ für zwei Trompeten und Klavier von Julien Porret zeigten Czieharz und Sutter Trompetenmusik, wie man sie sich landläufig vorstellt: schmetternd und glanzvoll, aber auch singend und gediegen. Das Mäuslein, das Sutter in einem eingestreuten Gedicht zitierte, rannte dann doch weg „infolge des Trompetenschalles“. Die Zuhörer dagegen genossen im weiteren Verlauf Czieharz‘ hoch artikulierte Staccati in einem zweiten „Wettbewerbsstück“ von Theo Charlier mit triumphierenden Spitzentönen. Ausgesprochen differenziert gelangen Sofia Gubaidulinas „Zwei Balladen“. Mit dem Schall ihrer Instrumente „bespielten“ die Trompeter zunächst den Flügel, in ruhigem Tempo brachten sie die Reibungen zum Blühen. Mit großer Geste eröffneten sie Philippe Gauberts Cantabile.

Dramaturgisch gelungen

Die Pianistin fügte sich bestens zu den beiden Bläsern, gestaltete ihre Zwischenspiele stilsicher, einfühlsam und behauptete sich mühelos gegen den meist prägnanten Ton ihrer Mitspieler. Mit Wolfgang Amadé Mozarts Klaviersonate in C KV 330 hatte sie Gelegenheit, ihr obertonreiches Spiel zu kultivieren und eine sehr dezidierte Agogik auszukosten. Mit duftigem Anschlag gestaltete sie das Adagio, gar nicht bedeutungsschwer, um den dritten Satz dann spritzig und flott zu nehmen. Mit der angemessenen spätromantischen Geste plusterte sie ihren Part in Liszts Bearbeitung von Franz Schuberts Lied „Auf dem Wasser zu singen“ auf und griff dabei gar mächtig in die Tasten. Mit einer guten Hand für die Programmdramaturgie hatte das Trio das Beste an den Schluss gesetzt: Peter Lawrences Concertino für zwei Trompeten und Klavier, das mit einer Verschmelzung von barocken und jazzigen Elementen spielte und bei dem auch noch die Piccolotrompete und das Flügelhorn zum Einsatz kamen.

Das Geheimnis um die ungewohnt schimmernde Trompete war schließlich schnell gelüftet. Sie ist weder versilbert noch vergoldet, sondern zeigt ihren natürlichen Messingschimmer. „Der Vorteil ist,“ sagt Markus Czieharz, „man braucht sie nicht zu polieren“, erläuterte er am Rande der Veranstaltung. Ohne eine Zugabe kamen die jungen Künstler nicht davon. Sie spielten im Stereosound und in aberwitzigem Tempo Jean-Baptiste Arbans Bearbeitung für Trompete des neapolitanischen Volksliedes „Mein Hut, der hat drei Ecken“. Vermutlich brannten Czieharz und Sutter danach ganz schön die Lippen.

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