Gerolzhofen

Zwei Volkshochschulen - ein Programm

Die Volkshochschulen Gerolzhofen und Volkach geben ab sofort ein gemeinsames Programm heraus. Damit soll die Zukunft der Erwachsenenbildung gesichert werden.
Die Volkshochschulen Gerolzhofen und gehen gemeinsame Wege. Oft sind es mehrere Generationen, die in Kursen der Erwachsenenbildung lernen und kreativ sind wie hier auf dem Symbolbild.  Foto: Gudrun Klopf

Das erste gemeinsame Programmheft der Volkshochschulen Gerolzhofen und Volkach ist erschienen. Schon rein äußerlich ist zu erkennen, dass sich auf dem Feld der Erwachsenenbildung einiges getan hat. Das Heft liegt jetzt im DIN A 4-Format vor und hat viel mehr Volumen, weil in ihm die Programme beider Volkshochschulen für den Herbst und Winter zusammengefasst sind.

Jeweils seit über einem halben Jahrhundert gibt es in Gerolzhofen und Volkach schon kommunal geführte Volkshochschulen. Sie stellen ein bedarfsgerechtes und bezahlbares Angebot an Weiterbildung zur Verfügung, schreiben die beiden Bürgermeister Thorsten Wozniak (Gerolzhofen) und Peter Kornell (Volkach) in einem gemeinsamen Grußwort für das gemeinsame Programmheft, das in einer Auflage von 25 000 Exemplaren erschienen ist und Ende August an alle Haushalte verteilt wurde.

Bildung ist für die Stadtoberhäupter der Schlüssel zur gelebten Demokratie. Erwachsenenbildung befähige Menschen, sich zu engagieren, mündig zu diskutieren und schaffe Orte öffentlicher Verständigung. Das Grußwort der beiden ist überschrieben mit dem Wort von John F. Kennedy "Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung."

Nicht ganz freiwillig

Offiziell kooperieren die beiden Volkshochschulen seit dem 1. Juli 2018. Dieser Zusammenarbeit liegen jeweils einstimmige Stadtratsbeschlüsse zugrunde. Ganz freiwillig kommt es aber nicht zu diesem Zusammenschluss. Aktuell hätte die VHS Gerolzhofen gar keinen Verbund nötig, denn sie erfüllt in allen Bereichen die Mindestvoraussetzungen, die der Bayerische Volkshochschulverband ab 2021 festgelegt hat. Die Minimalanforderung beträgt bei den Teilnehmerdoppelstunden 30 000 im Jahr; Gerolzhofen hatte in den vergangenen Jahren durchschnittlich 33 000, nur einmal 29 400. Bei der Teilnehmerzahl lautet die Voraussetzung 2400 (in Gerolzhofen waren es 2017 genau 6529). Auch beim Angebot an Veranstaltungen liegt Gerolzhofen mit 404 deutlich über der Minimalforderung von 150.

Anders sieht es in Volkach aus. Hier beläuft sich die Zahl der Teilnehmerdoppelstunden nur auf 14000, die der Teilnehmer auf 1800 und die der Angebote auf 150. Damit würde Volkach aus dem neuen System herausfallen. Als Konsequenz gäbe es keine staatlichen Zuschüsse mehr, was es praktisch unmöglich macht, weiter Erwachsenenbildung zu betreiben. Die Unterschiede kommen daher, weil sich die Arbeit der Volkshochschule Volkach im Wesentlichen nur auf die Stadt beschränkt, während die Volkshochschule Gerolzhofen Außenstellen hat und den gesamten südlichen Landkreis Schweinfurt abdeckt. Die unterschiedliche Größe bedingt es auch, dass Gerolzhofen mit Georgine Bachmann eine hauptamtliche Leiterin hat, Volkach dagegen mit Susanne Holst-Steppat eine ehrenamtliche. Die Verwaltung an der Mainschleife ist nur mit einer Viertelstelle besetzt.

Trotzdem sieht es auf den ersten Blick auf die Kopfleisten im neuen Programmheft so aus, als wäre Gerolzhofen der Juniorpartner in diesem Verbund. "VHS Volkach Gerolzhofen" mit einem senkrechten Balken zwischen beiden Städtenamen heißt es da. Doch Georgine Bachmann hat sich etwas dabei gedacht. Der senkrechte Strich bedeutet, dass beide Einrichtungen auf Augenhöhe stehen. Und: Der volle Name der Gerolzhöfer Erwachsenenbildung heißt Volkshochschule Gerolzhofen - südlicher Landkreis Schweinfurt. "Wenn danach noch das Volkach käme, müsste man glauben, Volkach gehöre zum südlichen Landkreis Schweinfurt." Außerdem glaubt Georgine Bachmann, dass sich Leser bei einer Kombination aus zwei Städtenamen den Letzteren eher merken. Und unter dem Strich: "Die Reihenfolge hat mit einer Wertung nichts zu tun. Es gibt keinen Juniorpartner."

Mindestanforderungen erfüllt

Die Mindestanforderungen an einen Verbund erfüllen die beiden Volkshochschulen zusammen auf jeden Fall deutlich. So wird es auch künftig eine gemeinsame Planung und Vermarktung des Programms geben, ebenso ein Qualitätsmanagement. Neben einem übergreifenden Programmheft ist auch ein gemeinsamer Internet-Auftritt nötig. Hier liegt der Grund, warum es nach dem Inkrafttreten des Verbunds 2018 erst 2019 ein gemeinsames Programmheft gibt. Die beiden Partner hatten verschiedene Kursverwaltungsprogramme. Die Gerolzhöfer haben sich inzwischen an das Volkacher Programm angeschlossen, das auch andere Volkshochschulen in der Umgebung nutzen.

Nichts ändern wird sich an den Geschäftsstellen und an der Personalstärke der beiden Volkshochschulen. Beide haben auch eigenständiges Stimmrecht im Bayerischen Volkshochschulverband. Nach außen präsentieren sich die Einrichtungen als „Verbund der Volkshochschulen Gerolzhofen und Volkach.“ Dieser Verbund wird durch die Leiterinnen Georgine Bachmann und Susanne Holst-Steppat gemeinsam vertreten. Auch für Dozenten und Nutzer bleibt alles beim Alten.

Die Volkshochschulen müssten sich in einer immer komplexer werdenden Welt den Herausforderungen stellen und Antworten finden. Die Zahl der Bildungsanbieter sei in den vergangenen Jahren weiter gestiegen. "Vor allem im Internet gibt es wachsende Angebote. Darauf müssen wir reagieren", sagt Susanne Holst-Steppat zu den Hintergründen des Verbunds.

Andere Konstellationen verworfen

Nachgedacht worden war auch über andere Konstellationen, so über einen Vhs-Verbund Schweinfurt-Gerolzhofen. In Schweinfurt war die Begeisterung dafür allerdings nicht allzu groß. Man wollte nicht, dass die potenziellen Außenstellen unter dem Strich mehr Angebot hätten als die Stadt. Der Verbund Volkach-Kitzingen wurde verworfen, weil Kitzingen bereits mit Ochsenfurt liiert ist. Einen weiteren Verbund in der Region gibt es bereits mit Bad Kissingen und Hammelburg.

Die neue Kooperation der Volkshochschulen ist nicht die erste und einzige, die die Städte Gerolzhofen und Volkach eingegangen sind. Die zwei Städte, die früher heftige Konkurrenten waren, beschritten bereits vorher mit den „Gastlichen Fünf“ bei der Tourismuswerbung oder dem „Mainschleifen-Shuttle“, wie sich die Bus-Freizeitlinie vom Main zum Steigerwald nennt, gemeinsame Wege.

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