Grafenrheinfeld

Zwischenlager in Grafenrheinfeld: Betreiber will offen sein

Die staatliche BGZ hat das atomare Zwischenlager am AKW Grafenrheinfeld übernommen. Der neue Betreiber müht sich um Transparenz für die Bürger. Doch mit welchem Erfolg?
Der neue Betreiber des atomaren Zwischenlagers in Grafenrheinfeld sucht den Kontakt mit der Bevölkerung.
Der neue Betreiber des atomaren Zwischenlagers in Grafenrheinfeld sucht den Kontakt mit der Bevölkerung. Foto: Anand Anders

Das atomare Zwischenlager auf dem Gelände des AKW Grafenrheinfeld ist seit Jahresbeginn in staatlicher Hand. Das ist Teil des Kompromisses, den Atomwirtschaft und Bundesregierung geschlossen haben: Die Entsorgung des Atommülls ist nun staatliche Aufgabe und im Fall der standortnahen Zwischenlager übertragen auf die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), die formal dem Umweltministerium als Gesellschafter gehört.

Zwiegespräch statt umfassender Dialog

Zu den 13 Lagern, die die BGZ betreibt, gehört auch das in Grafenrheinfeld. Ein Team von acht Mitarbeitern hat sich inzwischen dort eingerichtet und übernimmt sukzessive die Aufgaben, die bislang AKW-Betreiber Preussen-Elektra in Händen hat. Zum BGZ-Konzept gehört auch Öffentlichkeitsarbeit. Man wolle "offen und transparent" informieren, sagt Standortchef Jürgen Bruder. Deshalb hat die BGZ nach einer separaten Info-Veranstaltung für kommunale Mandatsträger eine Dialogveranstaltung für die Bevölkerung angeboten.

Doch in die Kulturhalle trudelten am Donnerstag nur 24 interessierte Gäste. Und es entwickelte sich kein umfassender Dialog, sondern ein zweistündiges Zwiegespräch zwischen Jürgen Bruder, dem Standort-Kommunikationschef Burghard Rosen und BGZ-Geschäftsführer Ewold Seeba auf der einen Seite sowie den Atomkraftkritikern Babs Günther (Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft), Edo Günther (Bund Naturschutz) und dem Schweinfurter Ex-Stadtrat Herbert Wiener (SPD), der sich auf spezifische technische Fragen konzentrierte. Aus dem restlichen Auditorium gab es nur eine Wortmeldung.

Hauptsächlich ging es um bereits bekannte grundsätzliche, politische und auch juristische Themen rund um End- und Zwischenlagerung und um Sicherheitsaspekte des Grafenrheinfelder Zwischenlagers. Seeba und Bruder verdeutlichten, dass sie die gesetzliche Vorgabe für realistisch halten, dass ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll 2050 zur Verfügung stehen soll. Freilich brauche es einen gewissen Zeitraum, bis danach alle bis dahin in Deutschland angefallenen 1900 Behälter mit ausrangiertem AKW-Brennstoff dort untergebracht sind, räumte Seeba ein. Somit blieb auch offen, wann das Zwischenlager Grafenrheinfeld, das eine Betriebsgenehmigung bis 2046 hat, tatsächlich geräumt ist.

Sicherheitstechnische Nachrüstung

Jürgen Bruder sagte, dass das Zwischenlager sicherheitstechnisch stetig nachgerüstet werde. Für Babs Günther war es einerseits erfreulich, dass nachjustiert werde, andererseits sei es bedenklich, dass dies notwendig sei. Für Bruder aber kein Widerspruch: Das Sicherheitskonzept müsse man angesichts eines sich stetig veränderten Umfelds dauernd überprüfen und anpassen. Für Herber Wiener nehmen Sicherheitsfragen angesichts vom immer einfacher werdenden Drohnen-Einsätzen zu. Er mahnte an, die Stahldichtungen der Castorbehälter einem Belastungstest unter Hochtemperatur auszusetzen, um sicherzustellen, dass aus ihnen keine Stahlung entweichen kann. Bruder und Burghard Rosen versicherten, das die Castoren den Szenarien standhalten.

Zudem erfuhren die Besucher, dass derzeit 43 Castoren in der Halle stehen. Wenn 2020 die letzten Brennelemente aus dem AKW transportiert werden, wächst ihre Zahl auf 54. Das Lager hat aber 88 Stellplätze, den freien Platz wolle man nicht nutzen, sagte Bruder. Ebenso informierte die BGZ, dass man derzeit an der Autarkie vom AKW-Betreiber Preussen-Elektra arbeite. In der Endstufe soll das jetzige Personal von acht auf 22 Mitarbeiter ausgebaut werden plus Sicherheitsdienst. Auch räumlich soll das Zwischenlager vom AKW-Gelände abgetrennt werden, mit eigenen Verwaltungs- und Technikgebäuden und einem Schutzzaun.

BGZ übernimmt auch schwach radioaktives Material

Wie BGZ-Chef Seeba sagt, werde man 2020 auch das Lager für schwach- und mittelradioaktive Stoffe von Preussen-Elektra übernehmen. Die Halle befindet sich derzeit im Bau und soll strahlende Stoffe aufnehmen, die beim angelaufenen Rückbau des AKW anfallen. Sie sollen mittelfristig im Endlager Konrad landen. Seeba gab sich optimistisch, dass jenes seinen Betrieb 2027 aufnimmt. 

Nach Wieners Nachfrage ging es auch um den Brandschutz, den derzeit hauptsächlich die AKW-Werkfeuerwehr sicherstellt. Sie soll aber nach den Plänen von Preussen-Elektra verkleinert werden. Wie beim AKW auch würden dann verstärkt die Freiwilligen Feuerwehren in der Verantwortung stehen. Man sei im Kontakt, um ein Konzept zu entwickeln, bestätigte Kreisbrandrat Holger Strunk: "Es wird Auflagen geben wie bei jedem Sonderbauwerk." Über den zusätzlichen Aufwand der öffentlichen Wehren, wie etwa Zusatzausbildungen, sagte Seeba, dass die BGZ "ihren Beitrag leisten wird".

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