Schweinfurt

Abstand halten fällt in den großen Kirchen nicht schwer

Coronabedingt sind die Kirchenbänke spärlich besetzt. Kommen die Gläubigen nach der Pandemie wieder zum Gottesdienst? Neue Angebote und Kommunikationstechniken werden getestet.
In den Kirchenbänken ist der Abstand unter den Gläubigen geregelt.
Foto: Lothar Riedel | In den Kirchenbänken ist der Abstand unter den Gläubigen geregelt.

Die Pfarrer stehen zwar nicht vor leeren Bänken, doch der Besuch der Gottesdienste in den Kirchen der beiden großen Konfessionen ist selbst an den Sonntagen sehr überschaubar. Mit dem Ende der Pandemie werde sich dies wieder ändern, meint der katholische Stadtpfarrer Joachim Morgenroth. Heiko Kuschel, Citypfarrer, Öffentlichkeitsreferent und stellvertretender Dekan der evangelisch-lutherischen Gesamtkirchengemeinde Schweinfurt, ist ebenfalls optimistisch – auch und gerade weil man am Weihnachtsfest mit neuen Formen in und außerhalb der Kirchen mit Gott in Verbindung getreten sei und Gemeinschaft vielfach neu erlebt habe.   

In der Kirche und im Freien

"Gut angekommen" sei der Ideenreichtum der Gemeinden, denn "noch nie war so viel Weihnachten", so Heiko Kuschel. Kreativ und mit viel ehrenamtlichen Engagement sei Gott zu den Menschen gebracht worden. Es gab Gottesdienste im Freien und an besonderen Orten, mehr Gottesdienste für kleine Gruppen, offene Kirchen, Videoandachten sowie Liveübertragungen und vieles mehr. Funktioniert hätten die Anmeldungen zu den einzelnen Terminen. Überschreitungen bei den Vorgaben zur Hygiene und zu den Abständen mussten nicht notiert werden. 

In Zahlen präsentiert sich die Verkündigung der frohen Botschaft allerdings ernüchternd. Gegenüber den Vorjahren schrumpfte die Teilnahme an den Gottesdiensten im evangelischen Dekanat um 90 Prozent (ohne Online-Angebote). Kuschel trotzdem: "Eine sehr, sehr schöne Sache" – was etwa für den Heilig Abend auf dem Plan von Sennfeld zutreffe, wo Kuschel mitgefeiert und eine wunderschöne Stimmung erlebt hat. Vergleichbares fand in Schwebheim statt, wo gewiss nicht nur ein Gemeindemitglied "den schönsten Heilig Abend" erlebt habe.

Den Gottesdienst ins Wohnzimmer holen

Als erfreulich stuft Kuschel die Zugriffe bei den Online-Angeboten ein. Einen Gottesdienst in Madenhausen haben zehnmal mehr Leute daheim im Wohnzimmer als in der Kirche mitgefeiert. Während die sonntäglichen Präsenzgottesdienste der Christuskirche auf der Maibacher Höhe von jeweils 20 bis 25 Personen besucht werden, waren es an Heilig Abend 300, die zu den vier ökumenischen Gottesdiensten im Pausenhof der Gartenstadtschule kamen. Seit Ostern bietet die Gemeinde monatlich einen Videogottesdienst an (www.christuskirche-schweinfurt.de), auf den dann bis zu 300 Mal zugegriffen wird. Der Abvents- und Weihnachtsgottesdienst wurde über 1000 Mal abgerufen.  

Per Live Stream nehmen an allen Sonntagen etwa zwei Dutzend Gläubige am Gottesdienst der evangelischen Auferstehungskirche im Stadtteil Bergl teil. Weitere 150 Besucher schalten sich zeitweise zu.  Den Open-Air-Gottesdienst an Weihnachten mit seinen 120 Besuchern vor Ort sahen 40 Gläubige am Bildschirm.

Hoch zufrieden ist Kuschel mit der Disziplin bei den Gottesdiensten in den Kirchen. Die Vorgaben zur Hygiene und zum Abstand seien akzeptiert und stets eingehalten worden, so der stellvertretende Dekan, der auch nach Corona Bedarf an Videoaufzeichnungen und Live-Übertragungen und ganz aktuell "eine veränderte Wertschätzung" für den Kirchenbesuch sieht. Vielen sei gewusst geworden, dass ohne den Gottesdienst Wesentliches fehle. Diese Aufbruchstimmung müsse die Kirche nutzen, keinesfalls mit einem Zurück, sondern für die Umsetzung vieler Ideen. "Dass wir an verschiedenen Orten das gleiche Programm bieten", könne nicht die Zukunft sein, so Kuschel.  

Noch kein Pfarrbrief zum Osterfest

"Gut kann man zwar eigentlich nicht sagen, doch in Anbetracht der Umstände" sei Weihnachten "wirklich gut" gelaufen, so der katholische Stadtpfarrer Joachim Morgenroth. Weil man sehr große Kirchen habe, sei die Abstandsregelung vergleichsweise leicht einzuhalten. Bis auf zwei Ausnahmen in einer Kirche sei auch das Tragen des Mund- und Nasenschutzes an Weihnachten kein Thema gewesen. Beim Blick in die Zukunft gibt sich Morgenroth pragmatisch. Der Pfarrbrief zu Ostern ist erst einmal auf Eis gelegt. Situationsbedingt werde man reagieren, sagt der Stadtpfarrer. 

Erfahrungen mit der Übertragung von Gottesdiensten hat in der katholischen Gemeinde vor allem Krankenhausseelsorger Franz Feineis gesammelt. Im Advent und bis Dreikönig gab es den Sonntagsgottesdienst aus der St. Stephanus-Kapelle im Leopoldina-Krankenhaus im Live Stream. Mit über 5000 Zugriffen ist der ehrenamtliche Produzent Rüdiger Wolf "bei wachsender Konkurrenz sehr zufrieden".

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