Schweinfurt

Alte Kracher und Gänsehautmomente

Rockten die Bühne auch ohne Originalmitglieder: Die Troggs 2018, das sind Pete Lucas am Bass, Sänger Chris Allen und Gitarrist John W. Doyle (von links). Schlagzeug spielt (nicht im Bild), Darren Bond, der Sohn des Gründungsdrummers Ronnie Bond. Foto Helmut Glauch
Foto: Helmut Glauch | Rockten die Bühne auch ohne Originalmitglieder: Die Troggs 2018, das sind Pete Lucas am Bass, Sänger Chris Allen und Gitarrist John W. Doyle (von links).

„Ba Ba Bapapapaa Bah, Ba Ba Bapapapa Bah – I can't control myself“. Mal abgesehen von „Satisfaction“ von den Rolling Stones hat es wohl nur sehr selten ein Gitarrenriff geschafft sich mit so wenig Aufwand für immer in die Gehörgänge einzugraben.

„The Troggs“, 1964 gegründet, gehören zu den immer seltener werdenden Dinosauriern der noch existierenden Sixties-Kapellen und neben „I can't control myself“ haben die Jungs eine ellenlange Liste an Hits vorzuweisen. „Night of the long grass“, „Anyway that you want me“, „From Home“, „Hi Hi Hazel“ und natürlich das unverwüstliche „Wild thing“ sind nur einige von ihnen. Nicht zu vergessen auch der Schmachtfetzen „Love is all around“, der in den 80er-Jahren von der Gruppe „Wet Wet Wet“ zum Welthit gecovert wurde.

Keine Originalmitglieder mehr in der Band

Diese musikalische Zeitreise wollten am Freitagabend im Stattbahnhof nur recht wenige Freunde der gepflegten Rockmusik antreten – wären doppelt so viele gekommen, wäre der Saal immer noch nicht voll gewesen. Ein Grund mag für Fan-Puristen sein, dass mittlerweile kein Gründungsmitglied mehr auf der Bühne steht. Bassist Pete Lucas kam 1974 zur Truppe und ist damit nur zehn Jahre von den Gründungstagen entfernt. Familiäre Konstanz herrscht zumindest auf dem Sessel des Schlagzeugers. Original-Drummer Ronnie Bond, der bereits 1992 gestorben ist, wird heute von seinem Sohn Darren vertreten.

Original-Gitarrist Chris Britton soll zwar noch gelegentlich mitmischen, im Stattbahnhof wurde er aber mehr als gut vertreten durch John W. Doyle. Sänger, Haupt-Songschreiber und lange Jahre Gesicht der Troggs, Reg Presley, hat sich 2013 in den Rock'n'Roll Himmel verabschiedet, Chris Allen vertritt ihn wacker, ersetzen kann er ihn aber nicht.

Effektive Riff-Ausbeute

Spaß und gute Laune verbreiten können sie mit ihren Dreiminuten-Ohrwürmern immer noch. Die Troggs sind ein gutes Beispiel für den effektiven Riff-Einsatz. Erstaunlich, wie man mit einer Handvoll davon – immer wieder neu und geschickt kombiniert – griffige Mitsing-Nummern im Dutzend aus dem Hut zaubern kann. Vor allem Gitarrist John W. Doyle, der sich mit seinem langen Bart auch bei ZZ Top bewerben könnte, entstaubte mit viel Druck die alten Kracher. Nach 75 Minuten dann „Wild thing – you got it“ und die Fans bekamen eine lange Version davon. Platz zum Tanzen war genug im dünn besetzten Saal.

Die eigentliche Überraschung des Abends aber war Gwyn Ashton mit seinem Power-Rock-Trio, dem man mit der Bezeichnung „Vorgruppe“ sehr unrecht tun würde. Eigentlich war es ein Doppelkonzert. Der Waliser, den es schon als Kind mit seinen Eltern nach Australien verschlagen hat, hatte nicht nur ein gutes halbes Dutzend Gitarren mitgebracht, sondern er griff auch mal zur Dobro. Power-Rock mit Gänsehaut-Charakter dürfte es wohl am besten treffen, wenn es schon eines Etikettes bedarf. Gitarrenrock Marke Gary Moore, Rory Gallagher oder Leslie West sind sein Ding. Der Mann spielt sich die Seele aus dem Leib, zieht die Seiten vom Stattbahnhof bis zum Hauptbahnhof und er lässt seine Gitarren wahlweise Singen, Weinen oder einfach nur massenweise Gänsehäute bei den Zuhörern entstehen. Gwyn Ashton, dem es bisher nicht vergönnt war in der ersten Rocker-Liga mitzuspielen, ist eine Entdeckung wert. Das kann man zum Beispiel auf einer Handvoll CD's tun, die er in den vergangenen 25 Jahren veröffentlicht hat.

Gitarren-Zauberer nicht nur auf den Spuren von Rory Gallagher. Gwyn Ashton war die eigentliche-Überraschung des Abends. Der Australier sorgte mit seiner Band bei Liebhabern des gepflegten Bluesrock für Gänsehautmomente. Foto Helmut Glauch
Foto: Helmut Glauch | Gitarren-Zauberer nicht nur auf den Spuren von Rory Gallagher. Gwyn Ashton war die eigentliche-Überraschung des Abends. Der Australier sorgte mit seiner Band bei Liebhabern des gepflegten Bluesrock für Gänsehautmomente.
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