Gerolzhofen

Altes Rathaus in Gerolzhofen: Die Kosten haben sich verdoppelt

Der Rechnungsprüfungsausschuss des Stadtrats Gerolzhofen hat die Endabrechnung der Sanierung des Alten Rathauses genau unter die Lupe genommen. Er spart nicht mit Kritik.
Einer der Streitpunkte bei der Renovierung des Alten Rathauses war der Neubau des Windfangs.
Einer der Streitpunkte bei der Renovierung des Alten Rathauses war der Neubau des Windfangs. Foto: Archivbild Norbert Finster

Das größte Bauprojekt der Stadt Gerolzhofen im Jahr 2018 war die Sanierung des Alten Rathauses. Der Rechungsprüfungsausschuss des noch "alten" Stadtrats hat in mehreren Sitzungen vom November 2019 bis zum April 2020 die inzwischen abgerechnete Baumaßnahme genau unter die Lupe genommen. Der Vorsitzende des Ausschusses, Arnulf Koch (CSU), hat nun das Ergebnis der Prüfung dem Stadtrat vorgestellt. Neben Koch gehörten auch Christine Dittmeier (CSU), Anton Niedermeier (Geo-net), Johannes Roth (Freie Wähler) und Susanne Wilfling (SPD) dem Gremium an. In ihrem Prüfbericht sparen sie nicht mit Kritik, insbesondere wegen der erheblichen Kostensteigerungen.

Das ganze Bauprojekt am historischen Rathaus stand unter einem etwas unglücklichen Stern. Denn zum einen gab es intensive Diskussionen in der Bevölkerung, bei denen es hauptsächlich um ästhetische Fragen ging. Besonders am Bau und an der optischen Gestaltung des neuen Windfangs vor dem Haupteingang entzündete sich die Kritik. Aber auch die in der ersten Version eingebauten Metall-Glas-Türen mit einem breiten Querkämpfer am Nordtor der Rüstkammer und der neue Aufzug an der Ostfassade des Gebäudes stießen auf Unverständnis.

Verwerfungen im Stadtrat

Hinzu kam zum anderen, dass es neben diesen rein optischen Kritikpunkten auch innerhalb des Stadtrats zu Verwerfungen kam bei der Frage, ob man bestimmte Maßnahmen überhaupt beschlossen hatte, und falls ja, wann. In einer öffentliche Sitzung des Stadtrats auf dem Marktplatz versuchte man damals, die Wogen zu glätten, die inzwischen ein überregionales Medieninteresse hervorgerufen hatten.

Bei einem Ortstermin vor dem Alten Rathaus versuchte der Stadtrat, Missverständnisse und Ungereimtheiten bei der Planung auszuräumen.
Bei einem Ortstermin vor dem Alten Rathaus versuchte der Stadtrat, Missverständnisse und Ungereimtheiten bei der Planung auszuräumen. Foto: Klaus Vogt

Der eigentliche Maßnahmenbeschluss im Stadtrat, so rekapituliert es nun Arnulf Koch, war in der Sitzung vom 12. Dezember 2016. Man beschloss die energetische Sanierung, behindertengerechte Erschließung und die Brandschutz-Ertüchtigung des Alten Rathauses. Das Ganze wurde als dringlich eingestuft, denn man wollte noch kurz vor dem Jahreswechsel in das "Kommunale Investitionsprogramm" (KIP) aufgenommen werden.  Bei den Kosten ging man bei den energetischen Maßnahmen von 268 000 Euro aus, die behindertengerechte Erschließung sollte 245 000 Euro kosten und der Brandschutz 35 000 Euro - summa summarum also rund 550 000 Euro.

Mehrere "Bauumfangserweiterungen"

Doch wie fast immer bei der Sanierung eines Altbaus blieb es nicht bei den ursprünglich kalkulierten Kosten. Hinzu kam, dass es während der Bauarbeiten weitere Ideen gab, die man bei den laufenden Bauarbeiten nun gleich mit umsetzen wollte. Zu diesen hinzugekommenen "Bauumfangserweiterungen" zählt Arnulf Koch das Lagergebäude im Innenhof, die Sanierung der Toiletten, die Erneuerung der Dacheindeckung auf der Ostseite und die Sanierung des feuchten Gewölbekellers.

Beim Umbau des Alten Rathauses wurde im Innenhof auch ein Lagergebäude errichtet, das ursprünglich nicht geplant und bei den Kosten nicht einkalkuliert war.
Beim Umbau des Alten Rathauses wurde im Innenhof auch ein Lagergebäude errichtet, das ursprünglich nicht geplant und bei den Kosten nicht einkalkuliert war. Foto: Klaus Vogt

Bei der Endabrechnung stellt sich nun heraus, dass sich die Gesamtkosten für das Alte Rathaus verdoppelt haben. Statt der ursprünglich geplanten 550 000 Euro kostete die gesamte Maßnahme jetzt 1,120 Millionen Euro. Die energetischen Maßnahmen wurden um 112 000 Euro teurer, die behindertengerechte Erschließung verteuerte sich um satte 213 000 Euro und der Brandschutz wurde 78 000 Euro teurer als geplant. Dies ergibt eine Kostensteigerung von 403 000 Euro für die ursprünglich geplante Baumaßnahme. Und die nachträglich auf den Weg gebrachten "Bauumfangserweiterungen" schlugen nochmals mit 172 000 Euro zu Buche - insgesamt also 575 000 Euro mehr als bei der ersten Kalkulation.

Gute Förderquote von 55 Prozent

"Zum Glück", so Arnulf Koch, konnte sich die Stadt bei der Sanierung des Rathauses gleich bei zwei Förderprogrammen bedienen. Aus dem KIP gab es 407 900 Euro. Und aus der Städtebauförderung kommen 214 200 Euro. Die Stadt hat insgesamt somit einen Eigenanteil von 502 000 Euro zu tragen, gemessen an der Gesamtsumme von 1,120 Millionen errechnet sich eine Förderquote von 55 Prozent.

Allgemein sei festzustellen, dass sich die tatsächlichen Kosten für die Sanierung das Alten Rathauses entgegen der zur ersten Beschlussfassung dem Stadtrat vorgelegten Kalkulation verdoppelt haben, schreibt der Rechnungsprüfungsausschuss in seinem Abschlussbericht. Viele dieser Kostengründe seien auf das "schnelle Aufspringen auf den Förderzug" zurückführen, verbunden mit einer "ungenügenden Grundlagenermittlung". Auch die "nachträgliche Begehrlichkeiten der Nutzer und des Stadtrates" hätten mit zu Kostensteigerungen geführt, wird kritisiert.

Sich nicht von Förderprogramm locken lassen

Sicherlich wäre bei dieser Höhe der Gesamtkosten auch die Planung eines zweiten Fluchtweges im Bereich des Aufzugsanbaus diskussionswürdig gewesen, um die uneingeschränkte Nutzung des Rathauses gewähren zu können, meinen die Rechnungsprüfer. "Nichts desto trotz besitzt die Stadt Gerolzhofen ein toll saniertes Rathaus, welches aufgrund der guten Förderung als für die Stadtfinanzen preiswertes Bauprojekt zu beurteilen ist."

Das Projekt "Altes Rathaus" zeige aber auch, so Arnulf Koch, dass die Stadt und der Stadtrat in Zukunft gut beraten seien, bei der Auswahl von Bau- und Sanierungsprojekten sich nicht nur von vorhandenen Förderprogrammen leiten zu lassen, sondern vielmehr bei der Auswahl ein Augenmerk auf die tatsächliche Dringlichkeit und den tatsächlichen Nutzen zu legen. Ein reeller Kosten-Nutzen-Vergleich sei maßgebend für eine gute Beschlussfassung im Stadtrat. Denn: "Ohne eine gute Grundlagenermittlung und die Betrachtung verschiedener Bau- beziehungsweise Ausbauvarianten in Verbindung mit einer realen Kostenabschätzung sind gute Entscheidungen reine Glückssache."

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