Niederwerrn

Am Besenreisig gedeiht das junge Grün

Die Saat ist aufgegangen: Auf der Niederwerrner Aufforstungsfläche wächst und gedeiht der junge Wald - Stephan Thierfelder (AELF Schweinfurt), Förster Bernd Müller, Jäger und Forstbeauftragter Wolfgang Zeißner und Bürgermeisterin Bettina Bärmann freut es.
Foto: Uwe Eichler | Die Saat ist aufgegangen: Auf der Niederwerrner Aufforstungsfläche wächst und gedeiht der junge Wald - Stephan Thierfelder (AELF Schweinfurt), Förster Bernd Müller, Jäger und Forstbeauftragter Wolfgang Zeißner und ...

Schaut man auf den historischen Urkatasterplan von Niederwerrn, der im Internet unter geoportal.bayern.de zu finden ist, stellt man erstaunt fest: Vor etwa 150 bis 200 Jahren gab es beim Dorf Weinberge, aber kaum Wald. Mit 0,4 Prozent Waldanteil auf rund 980 Hektar war die Werntalgemeinde im Jahr 1990 eine der baumärmsten Gegenden der Region, wenn nicht des Freistaats. Bayern selbst ist zu mehr als einem Drittel von Wald bedeckt.

Im Nordwesten  Niederwerrns gedeiht heute neben einem kleinen Hochwald vor allem das "Hugowäldchen", wo mal die Hugo-von-Trimberg-Schule aufgeforstet hat, nahe der Aussiedlerhöfe. Im Jahr 2012 wurde von Schülern und dem Bauhof wieder zum Spaten gegriffen, gleich in der Nachbarschaft, an den Kiebitzen und der Griesleite.

Anstatt gepflanzt wurde gesät

Nun lud Bürgermeisterin Bettina Bärmann zur Besichtigung ein, mit dabei waren Stephan Thierfelder vom Forstamt Schweinfurt, Revierförster Bernd Müller sowie Jäger Wolfgang Zeißner. Seit 1926 habe seine Familie schon die Jagd inne, sagt der Forstbeauftragte, einer von zweien in der Gemeinde: "Solange kann sich niemand an einen Wald erinnern." 1960 hat sein Vater mit anderen Jägern den Hugowald gepflanzt. Wald Nummer zwei stammt ebenfalls aus dem 20. Jahrhundert. Bernd Müller schlägt in der Karte nach: "Besenreisig" nennt sich dieses Flurstück offiziell.

In jedem Fall haben sich Schule wie Gemeinde schon Jahre vor der "Fridays for Future"-Bewegung Gedanken ums Baumpflanzen und den Kampf gegen die Erderwärmung gemacht. Das Besondere am Niederwerrner Aufforstungsprogramm: Es wurde viel angesät, statt gepflanzt. "Am Anfang dauert es länger", sagt Stephan Thierfelder, "dafür ist es besser für die Wurzeln". Ein gesundes Wurzelwerk sei angesichts des Klimawandels noch wichtiger als in der Vergangenheit, vor allem bei den tiefwurzelnden Eichen.

Auch die Mischung war 2012 zukunftsweisend, auf etwa zwei Hektar Acker, mit relativ schlechter Bonität. Die zehn verschiedenen Arten wurden anhand einer Bodenkarte ausgewählt und sollen tendenziell mit Trockenheit und Wärme zurecht kommen: darunter Eiche, Elsbeere, Speierling, Feldahorn, Wildbirne und -Apfel, Vogelkirsche, Linden und Hainbuchen. Gerade kleine Waldflächen stünden unter Druck, sagt Thierfelder.

Bis zum Holzeinschlag dauert es noch

Der Wunsch nach Aufforstung ist seit vielen Jahren ein Thema in der Gemeindepolitik. In den Himmel wachsen die Bäume dabei nicht. "Ich würde gerne weitermachen", sagt Bettina Bärmann, "komme aber nicht an Flächen." Aktuell könnte das Rathaus noch einmal an anderthalb Hektar gelangen, zur Erweiterung. Es geht nicht allein ums stete Wachstum: "Die Pflege ist wichtig", sagt Bernd Müller, insbesondere der Verbiss-Schutz. Es sind vor allem die Mäuse, die Sorgen bereiten, wobei es da, so der Förster, auf die Art ankomme: "Langschwanzmäuse sind nicht das Problem." Die fressen die Sämereien, und sind selbst dann relativ harmlos, wenn sie eine Waldfläche mit ihren Löchern untergraben. Verdruss bereiten die kurzschwänzigen Arten, die auch über Wurzeln, Stämmchen oder Knospen herfallen.

Überschaubar ist nahe am Ortsrand die Belastung durch Rehwild. Wolfgang Zeißner und sein Cousin Walter hegen seit Jahren vor allem den Feldhasen, dessen Population sich zwischen Wildäckern, Blühwiesen und Gehölzen gut entwickelt hat. Rebhühner und Fasane sind ebenfalls vermehrt in die Flur zurück gekehrt, dank guter Kooperation mit den Landwirten.

Fest steht, dass es bis zu einem echten Holzeinschlag im "Gemeindewald" noch Jahrzehnte dauern wird: Nachhaltiger Waldwuchs bleibt ein Projekt für Generationen. Wirklich vergrößert hat die Gemeinde den Baumanteil seit 1990 nicht. Durch den Erwerb des Motorpools der US-Armee ist ihre Fläche 2017 wieder etwas gewachsen.  

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