Schweinfurt

Am Brönnhof streifen wieder Wildkatzen

Sind Haare am Lockstock? Die freiwilligen Helfer Lars Reith, Julia Witzku und Christine Witzku von der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Werneck (von links) nehmen eine genaue Überprüfung vor.
Foto: Thomas Fuchs | Sind Haare am Lockstock? Die freiwilligen Helfer Lars Reith, Julia Witzku und Christine Witzku von der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Werneck (von links) nehmen eine genaue Überprüfung vor.

Jetzt ist es genetisch nachgewiesen: Am ehemaligen Truppenübungsplatz Brönnhof gibt es wieder Wildkatzen. Und auch für den Gramschatzer Wald hat der Bund Naturschutz in Bayern (BN) durch ein aufwändiges Monitoring solch einen Fund gemeldet.

Fast ausgerottet war in Deutschland die Europäische Wildkatze, im Fachjargon Felis silvestris. Die Ureinwohnerin mit dem getigerten Fell und dem buschigen, gestreiften Schwanz steht nach wie vor auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Doch ganz langsam können sich die Bestände dank intensiver Öffentlichkeitsarbeit erholen, hat der Bund festgestellt. Im Rahmen des deutschlandweiten Projekts „Wildkatzensprung“ werden nach und nach alle Landkreise untersucht.

Der Landkreis Schweinfurt, aber auch Würzburg oder Miltenberg, waren noch weiße Flecken auf den Karten, erklärte BN-Kreisvorsitzender Edo Günther bei einer Pressekonferenz in Werneck. Deshalb begannen die Naturschützer mit dem Wildkatzen-Monitoring, einer Lockstock-Methode, um einen genetischen Nachweis zu erbringen. Denn Fotos der Tiere werden dafür streng genommen nicht anerkannt.

Haare an den Lockstöcken

Mit vielen Helfern, beispielsweise im Gramschatzer Wald mit den Kindern der BN-Ortsgruppe Werneck unter der Leitung von Gerhard Röthlein, und am Brönnhof mit den Förstern des Bundesforstbetriebs Reußenberg, wurden Holzstöcke in den Waldboden gesteckt. Die Hölzer wurden abgeflammt und mit dem Lockmittel, einer Baldrian-Tinktur, besprüht. Wenn sich angelockte Wildkatzen daran reiben, bleiben Haare am Holz zurück.

Über neun Wochen wurden von Februar bis Mitte April alle Stöcke wöchentlich kontrolliert, die Haare abgesammelt und die Stöcke neu präpariert. Von den 300 gesammelten Proben schickte die Biologin Sabine Jantschke 95 zur genetischen Untersuchung an ein Institut.

Das Ergebnis „freut mich so richtig“, sagte Edo Günther: Der Wildkatzen-Nachweis vom nördlichen Bereich des Brönnhofs stammte von einem Kater, in der Fachsprache Kuder. Dasselbe Tier war 2015 im Naturschutzgebiet Lange Rhön zweimal nachgewiesen worden.

Wildkatze hat möglicherweise für Nachwuchs gesorgt

35 Kilometer Luftlinie liegen zwischen beiden Orten, was auf die Wanderbewegung des Wildtieres hinweist und auf die Bedeutung von Lebensraumvernetzungen, von grünen Korridoren, so Günther. Deshalb ist es dem Bund Naturschutz auch ein Anliegen, dass im Bereich des Nationalen Naturerbes am Brönnhof, 1300 Hektar von insgesamt 2400 Hektar, zwar eine Erholung für den Menschen möglich ist, aber eine sanfte und naturnahe Entwicklung angestrebt wird.

Offenbar hat der Kuder am Brönnhof auch noch für Nachwuchs gesorgt: Ein Förster filmte von Hochsitz aus eine Katze mit zwei Jungen. Allerdings gilt solch ein Film, den Günther vorspielte, nicht als offizieller Nachweis.

Für das Wildkatzen-Monitoring sagte die Untere Naturschutzbehörde ihre finanzielle Unterstützung zu, dankte der BN-Vorsitzende. Auch den Kindern der BN-Gruppe Werneck galt sein Dank. Sie werden im nächsten Frühjahr wieder dabei sein, wenn das Projekt „Rettungsnetz Wildkatze“ fortgeführt wird. Für das Monitoring sucht der BN schon jetzt Helfer.djf

Europäische Wildkatze breitet sich aus       -  Am ehemaligen Truppenübungsplatz Brönnhof gibt es Wildkatzen. Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) hat durch ein aufwändiges Monitoring einen Fund gemeldet.
Foto: Julian Stratenschulte | Am ehemaligen Truppenübungsplatz Brönnhof gibt es Wildkatzen. Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) hat durch ein aufwändiges Monitoring einen Fund gemeldet.
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