Schweinfurt

Am Markt in Schweinfurt werden keine Messer mehr geschärft

Räumungsverkauf bei Messer Hoffritz und im Porzellanhaus Weitzel. Zwei alteingesessene Fachgeschäfte schließen für immer. In zwei Jahren keinen Nachfolger gefunden.
1930 wurden 50 Jahre Porzellanhaus Weitzel gefeiert.
Foto: Bieringer | 1930 wurden 50 Jahre Porzellanhaus Weitzel gefeiert.

Nach 154 Jahren endet die Geschichte von Messer Hoffritz, nach 140 Jahren die vom Porzellanhaus Weitzel. Die intensive, aber erfolglose zweijährige Suche nach einem Nachfolger lässt Gisela und Andreas Bieringer die beiden Geschäfte am oberen Marktplatz schließen. Der Räumungsverkauf läuft bis Ende Mai.

1981 waren Andreas und Gisela Bieringer in die Firma Messer Hoffritz eingestiegen. 1986 übernahmen sie das benachbarte Haushaltswaren- und Porzellan-Fachgeschäft Weitzel, bauten dort um und schufen die räumliche Verbindung der beiden Geschäfte. Seit Generationen war und ist Hoffritz die Adresse der Schweinfurter, wenn man Messer oder Scheren braucht. Anfangs wurden die Klingen selbst gefertigt und bis heute ist Messer Hoffritz eines der führenden Fachgeschäfte für Schneidwaren nicht nur für die Region Schweinfurt.

Vor 154 Jahren wurde die Messerschmiede Hoffritz gegründet.
Foto: Bieringer | Vor 154 Jahren wurde die Messerschmiede Hoffritz gegründet.

Vor 154 Jahren hatte der Magistrat der Stadt dem Messerschmiedegehilfen Johann Nikolaus Hoffritz die Konzession zum selbstständigen Betrieb des Messerschmiedegewerbes erteilt. Und seit dieser Zeit ist der Laden in Familienbesitz – in der nunmehr vierten Generation mit Andreas Bieringer und seiner Frau Gisela, eine geborene Hoffritz, die zuerst gar nicht vorhatte, die Familientradition fortzuführen. Als Kind hatte die heute 65-Jährige lieber bei den Nachbarn "mit den schönen Sachen" vorbeigeschaut.

1981 war das Ehepaar in die Heimatstadt zurückgekehrt und dem Familienbetieb beigetreten, den damals Vater Gerhart Winkler (langjähriger Obermeister und Ehrenobermeister der Messerschmiede-Innung) mit Ehefrau Friederike und Tante Betti gemeinsam führten. Die beiden Hoffritz-Schwestern hatten das im Zweiten  Weltkrieg schwer getroffene Geschäft samt Werkstatt wieder aufgebaut.

Elise und Ludwig Hoffritz (Großeltern von Gisela Bieringer) mit einer Kundin.
Foto: Bieringer | Elise und Ludwig Hoffritz (Großeltern von Gisela Bieringer) mit einer Kundin.

Mit der Arbeit im Fachhandel hatten sich damals Andreas nach einem Volkswirtschaftsstudium und Gisela Bieringer, die nach einem Sprachenstudium bei der Lufthansa beschäftigt war, angefreundet. Der Akademiker wurde zum Auszubildenden und erlernte den Beruf des Messerschmieds. 1994 folgte die Meisterprüfung. Frau Gisela hatte sich derweil zur Einzelhandelskauffrau weitergebildet.

Nach der Geschäftsübernahme im Jahr 1999 reagierten die Bieringers mit einer Spezialisierung auf Qualitätsprodukte im Konkurrenzkampf mit Discount- und Internet-Anbietern. Wer hochwertige Koch- oder etwa auch Taschenmesser suchte, der wurde hier fündig. Doch auch alles andere, was im Haushalt schneidet, hatte Messer Hoffritz – und wenn es nicht mehr schnitt, wurden Messer wie auch Scheren in der Meisterwerkstatt im Hinterhaus geschliffen, wo auch beschädigte Klingen gerichtet und ersetzt, Silberbestecke poliert und Gravuren angefertigt wurden.

Qualität statt Quantität

"Erst nach sechs bis acht Arbeitsgängen ist ein Messer wieder scharf", sagt Andreas Bieringer und: "Jedes Messer ist anders. Da braucht es Augenmaß und Feingefühl. Das ist Handwerkskunst". Die Handwerkskunst wurde auch weitergegeben. Seit Bestehen des Geschäfts wurden Lehrlinge ausgebildet und zur Meisterprüfung gebracht.

Das Porzellanhaus Weitzel hatte sich schon bei der Gründung im Jahr 1880 als Haus für hochwertiges Porzellan sowie ebensolche Glas- und Haushaltswaren aufgestellt und ist es stets geblieben. Das erste
Geschäftshaus des Gründers Christian Weitzel stand gegenüber dem Harmoniegebäude in der Brückenstraße. An den Markt 24 wurde 1895 umgezogen.

Blick in den Hof nach den Luftangriffen.
Foto: Bieringer | Blick in den Hof nach den Luftangriffen.

Das bei den Luftangriffen im II. Weltkrieg getroffene Gebäude wurde unter der Regie des Gründerenkels und langjährigen Inhabers Walter Gutjahr wieder aufgebaut. Da es in der Familie keinen Nachfolger gab, ergriff Gisela Bieringer 1986 die Chance, ihre Liebe zu feinem Porzellan und zu einem funktionell ausgestatteten Haushalt zum Beruf zu machen.

Für die Präsentation renommierter Marken wie Meißner, Rosenthal, Hutschenreuther oder Villeroy & Boch wurde mehrmals in An-, Um- und Ausbauten investiert. Konsequent wurden hochwertige Sortimente ausgebaut. Angesprochen wurde eine Kundschaft, die außergewöhnliches Design und die Produkte namhafter Manufakturen schätzt. Highlights waren Einladungen zu Ausstellungen mit namhaften Rosenthal-Künstlern und ein spezialisiertes Wein- und Spirituosensortiment, verbunden mit vielen genussreichen Verkostungen.

Vor vier Jahren blickten Andreas und Gisela Bieringer auf 150 Jahre Messer Hoffritz zurück.
Foto: Stefan Pfister | Vor vier Jahren blickten Andreas und Gisela Bieringer auf 150 Jahre Messer Hoffritz zurück.

Nach fast 40 Jahren endet für Gisela und Andreas Bieringer ein "intensives und facettenreiches" Geschäftsleben. Sie bedauern, dass ihre beiden Traditionsgeschäfte dem Stadtbild und den Bürgern in Zukunft fehlen werden.

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