Schweinfurt

amnesty: Schweinfurter Aktivisten schreiben an Bahrains König

Die Schweinfurter ai-Gruppe hat es schon mehrfach geschafft, dass von ihr betreute politische Gefangene freigelassen wurden. Jetzt kämpft sie für zwei Männer in Manama.
Beharrlich setzt sich die amnesty-international-Gruppe in Schweinfurt seit Jahrzehnten für Menschen ein, deren Grundrechte verletzt werden. Aktuell kämpfen die Aktiven für die Freilassung von zwei jungen inhaftierten Männern in Bahrain.
Beharrlich setzt sich die amnesty-international-Gruppe in Schweinfurt seit Jahrzehnten für Menschen ein, deren Grundrechte verletzt werden. Aktuell kämpfen die Aktiven für die Freilassung von zwei jungen inhaftierten Männern in Bahrain. Foto: Ulrich Philipp

Sie waren 15 Jahre alt, als sie am 23. Juli 2012 auf einer Demonstration in Bahrains Hauptstadt Manama von der Polizei festgenommen wurden. Sie wurden misshandelt, zu einem "Geständnis" gezwungen und schließlich im April 2013 zu zehn Jahren Haft verurteilt. Seit zweieinhalb Jahren bemüht sich die Schweinfurter Gruppe von amnesty international (ai) mit drei anderen ai-Gruppen um die Freilassung von Jehad Sadeq Aziz Salman und Ebrahim Ahmed Radi al-Moqdad. "Wir haben sogar an den König geschrieben", zeigt Ulrich Philipp einen höflich formulierten Brief an den Herrscher von Bahrain. Darin wird um "Gnade und Barmherzigkeit" und die Aussetzung der restlichen Strafe zur Bewährung gebeten.

Es ist nur eine von vielen Aktionen, mit denen sich die Schweinfurter ai-Gruppe für Menschen engagiert, deren Grundrechte verletzt wurden. Die kleine Gruppe – der Harte Kern sind zehn  Aktive – organisiert regelmäßig Infostände und Mahnwachen, sammelt Petitionsunterschriften oder ruft zur Beteiligung am Amnesty-Briefmarathon auf. Hunderttausende Menschen machen hier jedes Jahr mit, schreiben Briefe für Menschen in Not. 2018 wurden laut ai weltweit 5,9 Millionen Briefe verschickt. Zum einen an Regierungen mit der Aufforderung, Unrecht zu beenden, zum anderen an bedrohte Menschen, um ihnen Solidarität zu zeigen. Gerade Letzteres sei ganz wichtig, sagt Ulrich Philipp. "Sie sollen wissen, dass sie nicht alleine sind, dass wir uns kümmern." 20 bis 40 Prozent dieser Briefe würden ihre Adressaten erreichen. 

Auch in diesem Jahr wird die Schweinfurter Gruppe von amnesty international anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte wieder mit einem Info-Stand, diesmal in der Spitalstraße, vertreten sein und Unterschriften für Petitionsbriefe sammeln.
Auch in diesem Jahr wird die Schweinfurter Gruppe von amnesty international anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte wieder mit einem Info-Stand, diesmal in der Spitalstraße, vertreten sein und Unterschriften für Petitionsbriefe sammeln. Foto: Ulrich Philipp

Auch Jehad Sadeq Aziz Salman und Ebrahim Ahmed Radi al-Moqdad erhalten regelmäßig Post aus Schweinfurt. Zum Mutmachen. Diese "Briefe gegen das Vergessen" seien für viele Gefangene überlebenswichtig, sagt Ulrich Philipp. Die ai-Gruppe stellt auch Kontakt zu den Eltern her oder sorgt für einen Rechtsbeistand. Sie weiß, dass die beiden jungen Männer die Schule im Gefängnis fortgesetzt haben. "Sie wollen damit ihrem Land dienen und an der Weiterentwicklung mitarbeiten", hatte man dem König geschrieben, in der Hoffnung, dass dieser dann von seinem Gnadenrecht Gebrauch machen würde. Das war vor einem Jahr.

"In den vergangenen Jahrzehnten konnten wir uns für viele Menschen erfolgreich einsetzen", hofft ai-Sprecher Philipp auch in diesem Fall auf eine positive Wendung. So hat die Schweinfurter ai-Gruppe seit ihrer Gründung 1972 durch Oberstudiendirektor Fritz Zahn für die Freilassung von politischen Gefangenen in 18 Staaten gearbeitet, dazu kamen Kampagnen gegen die Todesstrafe und Folter, Mahnwachen und Info-Veranstaltungen. "Wir fordern faire Gerichtsverfahren, die Freilassung politischer Gefangener, ein Verbot von Folter, den Schutz für Flüchtlinge und die Abschaffung der Todesstrafe", listet Philipp die wichtigsten Ziele von amnesty international auf.

In 142 Ländern wurde die Todesstrafe abgeschafft

Seit der Gründung der weltweit tätigen Organisation im Jahr 1961 wurden die Menschenrechte von Politikern und Staatsführern mehr und mehr akzeptiert. Vor allem der Einsatz gegen die Todesstrafe zeigte Ergebnisse: 142 Länder haben diese heute abgeschafft (Stand: 2017, Quelle: Europäisches Parlament). 56 Länder aber wenden sie noch an. Ein Wermutstropfen für Ulrich Philipp ist, dass es gerade in den reichsten Ländern der Welt die Todesstrafe noch gibt. "In China und den USA wird noch exekutiert. Das ist bitter."

"Der Einsatz für die Menschenrechte ist heute mehr denn je nötig", meinen die Schweinfurter ai-Mitglieder. Sie merken bei ihrer Standarbeit aber auch, dass manche Menschen gerade auf das Thema "Todesstrafe" aggressiv reagieren. Und noch etwas fällt ihnen auf: "Seit es Fake-News gibt, glauben die Leute, wir verbreiten Lügen." Der Großteil der Passanten allerdings honoriere die Arbeit der Menschenrechtsorganisation. "Jeder Dritte unterschreibt auf unserer Petitionsliste", freut sich Ulrich Philipp.

Acht- bis zehnmal im Jahr baut die Gruppe ihren Infostand in der Stadt auf. So auch wieder am Samstag, 7. Dezember, anlässlich des Tags der Menschenrechte (10. Dezember). Von 11 bis 13 Uhr werden die ai-Mitglieder in der Spitalstraße über ihre Arbeit informieren und um Unterstützung im Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen bitten. Es liegt eine Petition zugunsten politischer
Gefangener zur Unterschrift aus. Denn "die Notwendigkeit hört nicht auf".

Information: Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hatte am 10. Dezember 1948 in Paris die 30 Artikel umfassende "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" verabschiedet. Aus Anlass des 71. Jahrestages zeigt die Schweinfurter Gruppe von amnesty international am Montag, 9. Dezember, um 18.30 Uhr mit dem Filmforum des KulturPackts den Animationsfilm "Persepolis" der Iranerin Marjane Satrapi im Kino KuK. Er basiert auf der Kinder- und Jugendgeschichte der Regisseurin während und nach der Islamischen Revolution im Iran. Begleitend zum Film hat die ai-Gruppe einen Info-Stand mit der Möglichkeit, eine Petition zugunsten politisch Verfolgter zu unterschreiben. Wer selbst aktiv werden will: Die Schweinfurter ai-Gruppe trifft sich jeden dritten Donnerstag im Monat um 19.30 Uhr im Kulturpackt-Büro, Burggasse 2.

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