Schweinfurt

Atomare Autos, leuchtende Beeren und stolze Preisträger

Die beste Seminararbeit kam aus Schweinfurt: Prof. Dr. Jochen Seufert von der FH Würzburg-Schweinfurt zeichnete Sonnencreme-Forscher Philipp Vollmuth aus.
Foto: Uwe Eichler | Die beste Seminararbeit kam aus Schweinfurt: Prof. Dr. Jochen Seufert von der FH Würzburg-Schweinfurt zeichnete Sonnencreme-Forscher Philipp Vollmuth aus.

„Wenn hier jemand sein Smartphone hervorzieht und sagt, es ist ohne Nanotechnologie, kann es nur mit Zauberei zugehen“, sagte Professor Dr. Alfred Forchel, Sprecher des „Clusters Nanotechnologie“. Das bayernweite Netzwerk von Firmen, Forschern und Bildungsreinrichtungen hat es sich zur Aufgabe gemacht, die winzigkleine Welt der Nanoteilchen groß herauszubringen.

Gleich ob entspiegelte Brillen, kratzfeste Oberflächen, sanft an Krebszellen andockende Medikamente oder eben Smartphone-Technologie: von Menschen zu neuen Strukturen und Formen umgebaut Moleküle sind längst dabei, unsere Alltagswelt zu erobern. Nur sind die Millionstel Millimeter großen Nanoteilchen naturgemäß fürs menschliche Auge unsichtbar. Die immense wirtschaftliche und technische Bedeutung spiegele sich noch nicht ausreichend im Schulunterricht wieder, so der Physiker und Präsident der Julius Maximilians-Universität Würzburg, bei der Preisverleihung des 11. Schulwettbewerbs zur Nanotechnologie.

Der wurde im letzten Jahr vom „Nanonetz Bayern e.V.“ ausgeschrieben, insgesamt 29 Projektgruppen nahmen teil. Unter anderem arbeitet hier die Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt mit der Uni Würzburg zusammen.

Insgesamt wurden Preise in Höhe von 2000 Euro vergeben, über 120 Schüler saßen in der Aula, als Jury und Sponsoren zur Preisverleihung schritten. Auf den ersten Platz des Hauptwettbewerbs kam das Johann-Michael-Fischer-Gymnasium aus Burglengenfeld, die sich über 800 Euro freuen darf.

Die Klasse 8a hat hier mehrere Kurzfilme gedreht, Motto „Nanotechnologie hautnah erleben – wie beeinflussen kleinste Teilchen unseren Alltag“. Nanosilber in Socken etwa hemmt die Geruchsbildung, dank antibakterieller Wirkung, „Mensachips“ ermöglichen Datentransfer in der Schulkantine.

Ein zweiter Preis (der „Initiative Junger ForscherInnen“) geht an das Jack Steinberger-Gymnasium Bad Kissingen, wo Sechst- und Siebtklässler an „Bluminat“ forschten: Das Wundermittel hält Blumenwasser und Kräuter länger frisch, dank Alginatkapseln und Nanosilber.

Den Preis für die beste Kleingruppenarbeit erhält das „AB von Stettensche Institut“ in Augsburg, für ein originelles Nanocar-Race. Inspiriert vom bislang kleinsten Autorennen der Welt, 2016 in Toulouse, haben die Schüler eine Art „Teilchen ärgere dich nicht“-Würfelspiel entwickelt. Wenn durch Forscher Fahrzeuge und Motoren auf Molekülgröße „geschrumpft“ werden, gelten unterm Elektronenmikroskop die völlig eigenen, oft magisch anmutenden Gesetze der Quantenphysik. „So ein Nanoauto kann davonschweben, wenn es auf eine Verunreinigung trifft“, erläutern die Nachwuchs-Physikerinnen aus der zehnten Klasse, „das wäre dann ein Vollcrash.“

Über den Preis für die beste Seminararbeit darf sich das „Humboldt“ als Gastgebergymnasium freuen: Q11-Schüler Philipp Vollmuth hat die Fluoreszenz von Nanopartikeln in Sonnencremes untersucht - mit Blick auch auf mögliche Risiken: Manche Teilchen gehen buchstäblich unter die Haut, so dass man damit selbst Heidelbeeren zum Leuchten bringen kann.

Das schwärzeste Schwarz

Erstmals gab es neben dem Haupt- auch einen Posterwettbewerb. Das Humboldt-Gymnasium landete auf Platz 3. Die Neuntklässler hatten den wasserabweisenden Lotusblüteneffekt ebenso zu Papier gebracht wie per Magnetfeld durch den Organismus steuerbare Nanoroboter. Oder das lichtverschluckende „Vantablack“, als schwärzestes Schwarz der Welt, einsetzbar etwa in Kameras oder Weltall-Teleskospen.

Die Neunt- und Zehntklässler des Gymnasiums Marktbreit fragten nach der Alltagstauglichkeit der neuen Werkstoffe: Nanoruß etwa soll für Autoreifen ungeahnter Qualität sorgen (2.Platz). Auf dem Siegertreppchen stand die 9. Klasse des Meranier-Gymnasiums Lichtenfels, mit Aufklappbildern, dank denen man erfuhr, dass sich Nanofarbe längst in Milch ebenso findet wie in Zahnpasta oder Tattoo-Tinte.

Für den musikalischen Rahmen sorgte der Chor des AvH mit Gospelklängen.

Nanu, Nano? Im Alexander von Humboldt-Gymnasium wurden die Sieger eines bayernweiten Schulwettbewerbs Nanotechnologie ausgezeichnet.
Foto: Uwe Eichler | Nanu, Nano? Im Alexander von Humboldt-Gymnasium wurden die Sieger eines bayernweiten Schulwettbewerbs Nanotechnologie ausgezeichnet.
Nanopartikel groß herausgebracht: Der erste Preis ging nach Burglengenfeld.
Foto: Uwe Eichler | Nanopartikel groß herausgebracht: Der erste Preis ging nach Burglengenfeld.
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