SCHWEINFURT

Auch Männer kommen in die Jahre

Auch in der letzten Seniorenvorstellung dieser Saison „Mann über Bord“ gab es im Theater richtig was zu lachen. Diesmal über die Männer. Hatten vor einigen Wochen erst die „Golden Girls“ über ihre seelischen und körperlichen Wehwehchen geklagt, standen diesmal die Sorgen und Probleme von vier Männern um die 50 im Scheinwerferlicht.

Die spritzige Koproduktion des Euro-Studios mit dem Theater im Rathaus Essen unter der Regie von Matthias Freihof hatte dazu ein brillantes Komödianten-Quartett ins Rennen geschickt, vier renommierte Theater- und TV-Schauspieler. Situationskomik und pointierte Dialoge sorgten für einen kurzweiligen Theaterspaß.

Das Autorenpaar Robert und Ulrike Brambeer bedient sich bei „Mann über Bord“ des von Franz Wittenbrink kreierten Genres Liederabend („Sekretärinnen“, „Männer“). Auch hier erzählen die erfundenen Figuren meist in ihren Songs von ihren Konflikten, Sehnsüchten, Gedanken und Gefühlen. Matthias Freihof (Martin), Simon von Parys (Bert), Stephan Bürgi (Boris) und Jens Schnarre (Stefan) glänzen auch als Sänger (Einstudierung Klaus Siebert) und geben als Tänzer ihr Bestes (Andrew Hunt). Für die musikalische Begleitung sorgt das Christoph-Wirsching-Quartett im Hintergrund.

Die Fische können warten

Zu einem Angel-Wochenende am Bodensee haben sich vier langjährige Freunde verabredet. Die Fische können warten, denn zunächst müssen sich die Männer in aller Ausführlichkeit die Nöte und Beschwernisse ihrer Midlife-Krise von der Seele reden: Eigenbrötler Martin hat immer noch keine Frau gefunden, dem alternden Womenizer Boris machen Ehefrau Manuela und die schwangere Geliebte Jenny Stress. Der gemütliche Kettenraucher Bert beklagt sich über seine zänkische Frau und der verkappte Feminine Stefan will endlich ein Geheimnis lüften.

Die einfache Handlung dient lediglich als Stichwortgeber für die folgenden Songs, deren deutsche Texte den jeweiligen Spielsituationen angepasst sind. Da beklagt Bert seinen Haarausfall zur Melodie von „California Dreaming“, sein Hexenschuss wird in „Tainted Love“ besungen. Boris hat dem Alter mit „Eye of the Tiger“ den Kampf angesagt.

Seinen staunenden Freunden und dem ebenso verwunderten Publikum erklärt er, dass die Totalrasur am besten Stück nicht nur modisch angesagt sei, sondern auch für eine optische Maximierung sorge. Und noch eine Weisheit von ihm: „Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert“. Echtes Bildungstheater zur Teestunde.

Zu „I will survive“ bekennt Stephan „Schwul ist cool“, Bert trennt sich wegen eines vermeintlichen Seitensprungs von seiner Frau („Unchain my Heart“), die spätere Versöhnung feiern beide in „Stand by me“. Und Bert empfiehlt seinen Freunden in „Cold Finger“ die Prostata-Vorsorge. Positiv auch das Finale: Den gemeinsamen Sorgen des beginnenden Alters setzen die Vier die Beständigkeit ihrer Freundschaft entgegen: „We are Family“. Langer herzlicher Applaus für einen vergnüglichen Nachmittag.

Nachdem jetzt beide Geschlechter im Theater der Stadt ihre Sorgen offenlegen durften, ausgiebig über Blasenschwäche, Stützstrümpfe, Haarausfall und rektale Prostata-Untersuchung diskutieren konnten, freuen wir uns doch auf die große Operettengala der Operettenbühne Salzburg am 29. September: Unvergängliche, mit Erinnerungen verbundene Melodien, ein flottes Ballett für die Herren, für die Damen ein strahlender verführerischer Tenor. Vielleicht singt er ja aus Franz Lehárs Operette „Guiditta“ die Arie „Freunde, das Leben ist lebenswert“. Manfred Herker

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