Schweinfurt

Auf dem Transporter mit nur zwei Rädern und einem E-Motor

Um das Lastenfahrrad als Alternative zum Auto zu fördern, will die Stadt 30 000 Euro an private Käufer zahlen. Wie sich ein Lastenrad fährt, hat die Redaktion getestet.
Die Redaktion testete: Das Packster 40 gehört zu den Kleinen unter den Lastenrädern und ist für den privaten Gebrauch (Einkauf, Ausflüge) gedacht. Das zulässige Gesamtgewicht liegt bei 160 Kilogramm.
Foto: Gerd Landgraf | Die Redaktion testete: Das Packster 40 gehört zu den Kleinen unter den Lastenrädern und ist für den privaten Gebrauch (Einkauf, Ausflüge) gedacht. Das zulässige Gesamtgewicht liegt bei 160 Kilogramm.

Es war eine weise Entscheidung, die wenig befahrenen Radwege nach Grafenrheinfeld für meine erste Tour mit einem E-Lastenfahrrad aussuchen. Auf den ersten Metern war ich wackelig unterwegs. Aber dann: Mit und ohne Motor ging es flott durch den Industrie- und Gewerbepark Maintal. Auch funktionierte das Lenken alsbald sicherer, solange ich ein Ziel vor den Augen hatte und nicht nach dem Vorderrad sah. Nach der Leerfahrt und dem anschließenden Transport eines Bierkastens (18 Kilogramm) und eines zehn Kilogramm schweren Kartons mit Dauerbrennern für das Kaminfeuer kam ich gar ins Schwärmen. Ob auf Feldwegen, auf Pflaster oder beim Anstieg zum Leopoldina-Krankenhaus, ein derart komfortables Radeln muss den Vergleich zum City- wie auch zum Tourenrad nicht scheuen. 

Bewährte Komponenten: Die Motorunterstützung kommt von Bosch, die Schaltung von Shimano.
Foto: Gerd Landgraf | Bewährte Komponenten: Die Motorunterstützung kommt von Bosch, die Schaltung von Shimano.

Ich bin Vielfahrer und nahezu täglich mit dem MTB, dem Touren- oder dem Rennrad unterwegs. Die technischen Komponenten des Packster 40 der Marke Riese & Müller hatte Filialleiter Ulrich Fenn vom größten Fahrradfachmarkt in Unterfranken ("Schauer der Radmarkt") mir schnell erklärt: Alles stammt aus der Fabrikation von bekannten und bekannt guten Herstellern. Gewöhnungsbedürftig sei jedoch das Lenken wegen des großen Radstands, denn zwischen Vorder- und Hinterrad sitzt nicht nur der Fahrer, sondern auch der Lastkorb, erklärte Fenn.     

Auf Tour ging Gerd Landgraf. Gewöhnungsbedürftig war der große Radstand.
Foto: Horst Breunig | Auf Tour ging Gerd Landgraf. Gewöhnungsbedürftig war der große Radstand.

Beim Linksabbiegen aus dem Parkplatz in die Rudolf-Diesel-Straße war dann das Lenken mit dem weit entfernten Vorderrad eine Herausforderung, die im Anschluss erst einmal stoppen und verschnaufen ließ. Umso mehr war dann das korrekte Einbiegen zur Unterführung in Richtung  Hafenstraße auf der anderen Seite der B 286 ein Erfolgserlebnis. Hinter dem Gemeinschaftskraftwerk, wo für den Radler eine Spur auf dem Gehweg abgetrennt und man nicht mehr auf der Straße ist, stellte ich den Motor ab, der bislang auf der untersten (Eco) von vier Leistungsstufen unterstützte. Im gemütlichen Tritt und trotzdem mit 18 bis 20 Stundenkilometern ging es ins Maintal. Als dort der zweite Kreisel gemeistert war, wurde ich mutig und fuhr – da allein auf dem Radweg – im Slalom durch das Herbstlaub, was zu der Erkenntnis führte, dass man im Blick haben muss, wohin man will, und nicht darauf achten soll, was das Vorderrad gerade macht.   

Das übersichtliche Cockpit.
Foto: Gerd Landgraf | Das übersichtliche Cockpit.

Ohne Rückenwind aus dem Akku ließen sich auch die kleinen Steigungen des Radwegs entlang der Kreisstraße (Baggersee-Gochsheim) flott bewältigen. Vor dem Einbiegen im Ort aus der Schweinfurter Straße nach links in die Straße An der Haak (Radweg in Richtung Röthlein) erinnerte die Unsicherheit beim einhändigen Steuern (Geben des Abbiegezeichens mit dem linken Arm) daran, dass für das sichere Lenken weiteres Üben angesagt war. Auf dem Fronseeweg vom Friedhof zum Vogelschutzgebiet Sauerstücksee (Betonweg) überzeugte der Komfort des Rads, mit dem ich anschließend all den Pfützen auf dem erdigen Weg entlang des Ellerngrabens bis hin zur Kreisstraße erfolgreich auswich. Kein Spritzer verunzierte das geliehene Rad.   

Der Rückweg durch das Maintal war im Eco-Betrieb und mit 25 Stundenkilometern in wenigen Minuten geschafft. Die Fahrrad-App auf meinem Handy zeigte dann 39 Minuten für die 10,1 Kilometer lange Tour.

Herausforderung bei der Fahrt zum Krankenhaus

Für die zweite Ausfahrt stellte Ulrich Fenn eine Bierkiste und die Dauerbrenner auf die 48 Zentimeter breite Ladefläche. Ich, das Rad (29 Kilo), das Bier (18 Kilo) und das Kaminholz (10 Kilo) summierten sich auf 147 Kilogramm (bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 160 Kilo). Schon beim Schieben aus dem Laden flößte das Halten des Gleichgewichts Respekt ein, das sich jedoch schon bei der Eingewöhnungsrunde auf dem Parkplatz reduzierte. Auf der Fahrt zum Sennfelder Bahnhof spielte das Gewicht keine Rolle – wollte jedoch beim Absteigen vor der roten Ampel an der Ludwigsbrücke gehalten sein. 

Zur zweiten Runde wanderten ein Kasten Bier und ein Karton Dauerbrenner in den Fahrradkorb.
Foto: Gerd Landgraf | Zur zweiten Runde wanderten ein Kasten Bier und ein Karton Dauerbrenner in den Fahrradkorb.

Das Pflaster auf dem Marktplatz und rund um das Rathaus ließ die Dauerbrenner auf den Bierkasten knallen, beeindruckte jedoch den Vorbau, also die Lenkung, und auch den Sitzkomfort nur unwesentlich. Die Weiterfahrt zur Gutermannpromenade und das Einbiegen in diese an der Kunstmühle offenbarte einen Nachteil des langen Radstands. Während dieser im Geradeauslauf Stabilität beschert, mangelt es in engen Kurven an Agilität. Scharfes Rechtsabbiegen ging mit dem 2,23 Meter langem Packster nicht. Ich brauchte auch die linke Straßenseite. Die Kurven im Alten Friedhof an der Schultesstraße waren trotz Steigung kein Problem. Beim Schieben in der Spitalstraße war das Gefährt im Gleichgewicht zu halten. Nach der Fahrt durch die Rückertstraße und die Mainberger Straße bis zur Hennebergstraße ging es bergauf zum Leopoldina-Krankenhaus.     

Gefühlvoll bremsen

Obwohl der Motor erst im Eco-, dann im Tour-, im Sport- und letztendlich im Turbo-Betrieb (höchste Stufe) unterstützte, fiel die Tachoanzeige auf elf Stundenkilometer. Allerdings wären noch drei tiefere Gänge der Shimano Deore-Schaltung zu wählen gewesen. Über die Segnistzstraße ging es zur Albertistraße und von dort an bergab. Aus 40 Stundenkilometern ließen sich die 147 Kilogramm dosiert und exakt bremsen. Der weitere Rückweg brachte keine neuen Herausforderung. Am Radmarkt verriet das Handy für die absolvierten neun Kilometer eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 15,4 km/h.   

Lastenfahrräder beim Radmarkt Schauer.
Foto: Gerd Landgraf | Lastenfahrräder beim Radmarkt Schauer.

Die Stadt Schweinfurt gewährt ihren Bürgern im Rahmen der Maßnahmen gegen den Klimawandel einen Zuschuss beim Erwerb eines Lastenfahrrads von 25 Prozent, höchstens jedoch 1000 Euro. Der Radmarkt Schauer hat bislang zwei "ernsthaft Interessierte" notiert. In der Rudolf-Diesel-Straße 14 stehen auf der 3000 Quadratmeter großen Geschäftsfläche Lastenräder von vier Herstellern, darunter das 4500 Euro teure Packster. Doch wer ein Lastenrad will, der müsse vor allem eines machen: sich vom Fachhandel beraten lassen, sagt Ulrich Fenn.  

Themen & Autoren
Schweinfurt
Gerd Landgraf
Akkus
Krankenhäuser und Kliniken
Leopoldina-Krankenhaus Schweinfurt
Motoren
Mut
Parkplätze und ruhender Verkehr
Produktionsunternehmen und Zulieferer
Radwege
Stadt Schweinfurt
Städte
Transport
ins Schwärmen
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)