Wipfeld

Aus für Pultdach und Co.

Rechts neben der Kirche auf dem Hochplateau soll das neue Baugebiet 'Thiergärten II' entstehen. Pultdächer passen da nicht ins Ortsbild, findet das Amt für Denkmalschutz.
Foto: Daniela Schneider | Rechts neben der Kirche auf dem Hochplateau soll das neue Baugebiet "Thiergärten II" entstehen. Pultdächer passen da nicht ins Ortsbild, findet das Amt für Denkmalschutz.

Aktuell läuft das Bauleitverfahren für das Baugebiet "Thiergärten II". Die Offenlegung der Planunterlagen ist beendet, nun standen die sogenannten Abwägungen der eingebrachten Bedenken und Anregungen an. Ein "ungeübtes Prozedere" - so Bürgermeister Tobias Blesch - für das Gros des Gemeinderates oder gar "Neuland", wie es Gabriele Brach formulierte. Deshalb gab es eingangs von Planer Matthias Pröstler (rö Ingenieure, Würzburg) und VG-Bautechniker Alexander Luft eine kurze Einführung in das kommunale Baurecht und die Durchführung der ordnungsgemäßen und fehlerfreien Abwägungen, die der Gemeinderat für jede Stellungnahme treffen musste.

Anschließend arbeitete Pröstler Punkt für Punkt die redaktionellen Hinweise, planungsrelevanten Anregungen und  - im schlimmsten Fall - Bedenken ab. Neben der Berücksichtigung der üblichen Stellungnahmen verschiedener Versorger gab es durchaus einige Überraschungen - sogar für den erfahrenen Planer.

Das Bayrische Landesamt für Denkmalschutz äußerte nämlich Bedenken gegen die festgesetzte "liberale Gestaltung" der Dächer. Das Argument: Das geplante Baugebiet liege weithin sichtbar auf einem Hochplateau in unmittelbarer Nähe zur Kirche. Damit es sich nun in die Umgebung einfügt, sollten ausschließlich traditionelle Dachformen und -farben verwendet werden. Laut Planer ein sehr konkreter, schwer zu entkräftender Einwand, der das "Aus" für Pultdach und Co bedeuten würde.

Im Gremium verursachte die Abwägung einiges Bauchgrimmen, auch wenn das Votum dann mit 12:1 eindeutig ausfiel. "Es gefällt uns nicht" stellte Gabriele Brach klar. Das Gremium hätte gerne eine freiere Gestaltung genehmigt, wollte es sich aber weder mit dem Denkmalamt "verscherzen", wie es Bernhard Kießling zusammenfasste, noch Verzögerungen riskieren. Zugelassen sind nun nur noch Satteldächer, Halbwalmdächer und Walmdächer in rotbraunen bis dunkelbraunen Farbtönen oder in Schiefer, sowie ausnahmsweise Flachdächer auf Nebengebäuden, Garagen und Carports.

Zum Punkt Immissionen meldete sich Gemeinderat Markus Schott zu Wort. In der Abwägung hieß es nämlich, dass von der örtlichen Holzfirma Gleitsmann kein Lärm zu erwarten sei, da der Sägewerksbetrieb im nördlichen Bereich stillgelegt sei. Das wollte Schott als zuständiger Geschäftsführer so nicht stehenlassen. Es werde dort noch "gesägt und gehobelt" und so gebe es also geringfügigen Lärm. Dazu "ruhe" aktuell der Sägebetrieb, eine dauerhafte Stilllegung sei nicht geplant - das wurde nun in der Abwägung umformuliert.

Entkräftet wurden auch Stellungnahmen, die auf die negativen Auswirkungen auf die Innenentwicklung durch das neue Baugebiet abzielten. Wie Pröstler ausführte, entstehen acht Bauplätze, für die es 24 Bewerber gibt. Trotz intensiver Bemühungen der Gemeinde konnten bis dato keine vorhandenen potentiellen Bauflächen für die wohnbauliche Entwicklung aktiviert werden. Zudem werde, wie gleich mehrere Stellungnahmen anregten, ein Baugebot in den Kaufverträgen festgesetzt.

Hingewiesen wird auch auf eine mögliche Erdfallgefahr, da der Untergrund teilweise aus verkarstungsfähigem Karbonatgestein besteht. Außerdem wird der bestehende Bebauungsplan des angrenzenden Baugebietes "Thiergärten" geändert, da dort ursprünglich geplante, nicht umgesetzte Grünflächen neugeordnet werden müssen. Berücksichtigt werden in den weiteren Planungen die Belange des Artenschutzes. Aktuell läuft die spezielle artenschutzrechtliche Prüfung, danach könnte dann die Satzung für den Bebauungsplan auf den Weg gebracht werden.

Weiter ging es mit allgemeinen Themen: So erteilte der Rat grünes Licht für den Dachausbau eines Zweifamilienhauses mit Schleppgaube und entschied sich abschließend für eine sehr vereinfachte Variante hinsichtlich der Erneuerung der Trinkwasserleitung bis hin zum Schloss. Wie Jochen Schneider berichtete, wurde bei einem Vororttermin eine kostengünstige Variante mit maximal 20 000 Euro Schätzkosten ermittelt, bei der die bestehende Leitung geortet wird und lediglich Übergänge und Schieber ausgewechselt werden.

Zum Schluss lobte Tobias Lothar die gemeindliche Weihnachtstassen-Aktion, die bei den Senioren sehr gut angekommen sei.

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