Gerolzhofen

Aus verschlüsselten Wörtern wieder Schlüsselwörter machen

Pfarrer Stefan Mai predigt zur Eröffnung der Ausstellung „Was uns angeht. Große Wörter des Christentums“ im Steigerwalddom. Es geht um Übersetzungshilfen für Worthülsen.
Seit dem Wochenende läuft die Ausstellung im Steigerwalddom
Foto: Klaus Vogt | Seit dem Wochenende läuft die Ausstellung im Steigerwalddom

Am Wochenende wurde in der Gerolzhöfer Stadtpfarrkirche die Wanderausstellung „Was uns angeht. Große Wörter des Christentums“ eröffnet. In den Gottesdiensten stellte Pfarrer Stefan Mai die Intension dieser Ausstellung vor, an deren Entwicklung er selbst mitgearbeitet hat.

Das Christentum verbreitete sich nach dem Tod Jesu in geradezu rasanter Geschwindigkeit: von Palästina nach Kleinasien, von Kleinasien nach Griechenland, von Griechenland nach Rom, und von da in alle Welt. Dabei begegnet das Christentum jedesmal einer anderen Kultur und einer neuen Sprache. Und zentrale Begriffe und Vorstellungen der neuen Religion mussten jedesmal in eine andere Sprache und Kultur übersetzt werden. Jesus hat Aramäisch gesprochen. Seine Anhänger mussten beim Übersetzen nach Kleinasien seine Botschaft ins Griechische übersetzen. Beim Übersetzen von Kleinasien nach Rom war Lateinisch angesagt. Und erst Martin Luther hat die Bibel dann ins Deutsche übersetzt – und damit gerungen, für den ursprünglichen Sinn des Textes in der anderen Sprache die passenden Wörter zu finden, die den neuen Adressaten auch verständlich waren.

Der Alttestamentler Jürgen Ebach habe die Kunst des Übersetzens, so Pfarrer Mai, pointiert auf ein Schlagwort gebracht: "Üb‘ ersetzen". Es reiche eben nicht, einfach die alten Begriffe korrekt zu übersetzen, sondern es kommt darauf an, die alten Begriffe durch Wörter zu ersetzen, die ihren Sinn aufschließen. Ohne längere Erklärung muss es bei den Adressaten sofort klingeln: Ah, das ist gemeint.

Wenn Jesus etwa von der Gottesherrschaft spricht, dann meint er damit die Art und Weise, wie Menschen im Sinn Gottes gut miteinander umgehen. Menschen in Palästina, die mit biblischen Texten vertraut waren, wussten, was mit „Gottesherrschaft“ gemeint ist. Aber als das Christentum nach Griechenland kam, musste dafür ein Wort gefunden werden, bei dem die neuen Adressaten ohne lange Erklärung an etwas Ähnliches dachten. „Ekklesia“ war der neue Idealbegriff, der ziemlich nahe an das herankommt, was mit „Gottesherrschaft“ gemeint ist.

Ist "Kirche" noch "Ekklesia"?

Bei „Ekklesia“ stand nämlich jedem Griechen vor Augen: Das ist die ideale Verfassung, gelebte Demokratie in einer Stadt, in der alle zu Wort kommen und jede Stimme gleich zählt. Doch wenn heutzutage „Ekklesia“ mit „Kirche“ übersetzt werde, fragte Stefan Mai, komme da der ursprüngliche Sinn noch zum Tragen, dass alle Getauften gleichwertig sind und gleiche Stimme haben – und dass darin die „Gottesherrschaft“ besteht?

Die Ausstellung will ermutigen, ganz praktisch das Ersetzen von längst abgegriffenen Wörtern des Christentums zu üben. Pfarrer Mai: "Sprechen Sie nicht mehr von 'Erlösung', sondern von 'Freiheit', nicht mehr von 'Schuld', sondern von 'Verantwortung' – und schon bekommen die alten Schlüsselwörter einen anderen Klang." Die Ausstellung lade ein, die ererbten Glaubenswörter neu für sich zu erwerben, aus verschlüsselten Wörtern wieder Schlüsselwörter werden zu lassen. "Such‘ neue Wörter, damit alte Begriffe, die zu Worthülsen geworden sind und oft zu Missverständnissen führen, aufgebrochen werden und ihren eigentlichen Sinn für heutige Menschen erschließen."

Zwölf große Stelen

Die Ausstellung besteht aus zwölf großen Stelen mit jeweils einem großen Wort des Christentums. Sie werden aber sofort kombiniert mit zwölf Wörtern aus der heutigen, modernen, profanen Sprache, die eine neue Spur für das Verständnis legen. Das lädt ein, auf Entdeckungsreisen zu gehen. Auf den verschiedenen Säulenseiten sind in einem bunten Potpourri Texte aus der Literatur, der Bibel, dem kirchlichen Liedgut und – per Hashtags zum Herunterladen – Songs aus der heutigen Musikszene zu finden. Daneben Sprichwörter, Gebete, Redensarten, Worte aus der Liturgie.

Sie alle kreisen um das große Wort auf der Säule und bringen immer wieder neue Bedeutungsfacetten ins Spiel. Und sie haben nur ein Ziel: "Üb‘ ersetzen!"

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