Gerolzhofen

Barbara Becker und die Tafeln: Ein Besuch bei Profi-Helfern

Einen Tag bei der Tafel mit anpacken – der Landtagsabgeordneten Barbara Becker war das ein Anliegen. Sie traf auf Ehrenamt-Profis und auf einige Sorgen und Nöte.
So machen wir das hier: Die Landtagsabgeordnete Barbara Becker (rechts) arbeitete einen Tag bei der Tafel in Kitzingen mit und ließ sich zeigen, welche Vorbereitungen vor der Essensausgabe nötig sind. Dann stattete sie auch der Tafel in Gerolzhofen einen Besuch ab.
So machen wir das hier: Die Landtagsabgeordnete Barbara Becker (rechts) arbeitete einen Tag bei der Tafel in Kitzingen mit und ließ sich zeigen, welche Vorbereitungen vor der Essensausgabe nötig sind. Dann stattete sie auch der Tafel in Gerolzhofen einen Besuch ab. Foto: Frank Weichhan

Ganz klar: Hygiene ist alles. Handschuhe, Mundschutz und sich nach Möglichkeit aus dem Weg gehen. So läuft das beim morgendlichen Sortieren an den Ausgabe-Tagen bei der Kitzinger Tafel in Corona-Zeiten. Barbara Becker hört sich den einen oder anderen geflissentlichen Hinweis dazu freundlich an, nickt und verweist lachend darauf, dass sie in diesem Bereich durchaus vom Fach ist: Die Landtagsabgeordnete gehört im Münchner Maximilianeum dem Arbeitskreis Gesundheit an. Wenn jemand die Corona-Regeln verinnerlicht hat, dann die Wiesenbronnerin. Ein sichtbares Zeichen dafür ist nicht zuletzt auch der mitgebrachte und ganz in blau gehaltene Mundschutz. Darauf der sinnige Spruch: "Demokratie – mit Abstand das Beste!"

Dass man auch mit Abstand nah dran sein kann, zeigt dieser Mittwoch: Einmal bei der Tafel mithelfen, die ehrenamtlichen Helfer sowie die Abläufe und letztlich auch mögliche Probleme kennen lernen – das hatte sich Barbara Becker schon länger vorgenommen. Jetzt, zum Ende der Sommerferien, klappt es endlich: Die Berufspolitikerin lässt sich am Vormittag in Kitzingen zeigen, was alles an Lebensmitteln angeliefert wurde.

Dabei ist ihr nach eigenen Angaben wichtig zu betonen, dass sie "nicht einfach zur Besichtigung" gekommen ist – anpacken ist angesagt. Und neben Kitzingen schaut die Abgeordnete dann auch bei der Tafel in Gerolzhofen vorbei, die im Hinterhof des "Kaiserhofs" untergebracht ist. 

Die Geheimnisse des Sortierens

Die Tafel-Mitarbeiter in Gerolzhofen und Kitzingen freuen sich über das Interesse und geben nur zu gerne Einblicke in die Geheimnisse des Sortierens. Becker trifft auf ein eingespieltes Team, bei dem jeder Handgriff sitzt. Alles muss seine Ordnung und seinen Platz haben. "Hoch professionell" gehe es da zu, wird die seit Oktober 2018 im Landtag sitzende CSU-Abgeordnete später ihre Eindrücke zusammenfassen. 

Der Kitzinger Tafel-Chef Manfred Seigner nutzt die Chance, um über das eine oder andere Problem zu reden: Etwa, wie Corona auch hier alles durcheinandergewirbelt hat. Oder dass man inzwischen von der Ausgabe von vorher gepackten Tüten wieder weggekommen sei – zu unterschiedlich sind die Bedürfnisse der Kunden, die laut Seigner aus über 30 Nationen stammen.

Zuletzt habe es zudem "mehrfach Stress“ mit einer kleinen Gruppe afrikanischer Asylbewerber aus der nahe gelegenen Gemeinschaftsunterkunft gegeben. Diese würden sich nicht immer an Regeln halten und gerade ältere Kunden nachhaltig verschrecken. In solchen Fällen, so hat Seigner inzwischen festgelegt, würden künftig die von der Tafel ausgestellten Berechtigungskarten wieder entzogen. Zudem hat die Polizei angekündigt, verstärkt ein Auge auf mögliche Unruhestifter zu werfen und die Tafel-Mitarbeiter ermuntert, lieber einmal mehr nach Hilfe zu rufen als einmal zu wenig. 

Drohung unter dem Scheibenwischer

Gegen einen Mitarbeiter der Tafel hatte es sogar eine Drohung gegeben: Es klemmte unter dem Auto-Scheibenwischer eine Beerdigungsankündigung mit dem Namen des Mannes. Aktueller Stand: Der Fall liegt bei der Staatsanwaltschaft Würzburg zur Prüfung; der Täter konnte bislang nicht ermittelt werden.

Ein Unding, wie Barbara Becker kopfschüttelnd betont. Es könne nicht angehen, dass "sich Ehrenamtliche beschimpfen und bedrohen lassen müssen". Vor diesem Hintergrund kam das generelle Lob aus berufenem Munde gerade recht: Die Tafel sei gleich doppelt gut. Zum einen biete sie Bedürftigen eine zusätzliche Hilfe. Zum anderen wirke man einer Verschwendung von Lebensmitteln entgegen.

"Es kann nicht sein, dass sich Ehrenamtliche beschimpfen und bedrohen lassen müssen."
Landtagsabgeordnete Barbara Becker über unschöne Vorkommnisse bei der Tafel

Von solchen drastischen Vorkommnissen wie in Kitzingen kann der Leiter der Schweinfurter und Gerolzhöfer Tafel, Ernst Gehling, glücklicherweise nicht berichten. "Bei uns läuft es gesittet ab", sagt er. In Schweinfurt habe es in der Vergangenheit zwar ab und an kleinere Irritationen bei der Ausgabe der Lebensmittel gegeben, aber dann sei er als "Ordner" aufgetreten. Jetzt, zu Corona-Zeiten, dürfen die Tafel-Besucher bei der Ausgabe sowieso nur einzeln eintreten. Damit habe sich das Problem auch erledigt. Und in Gerolzhofen, ergänzt Ernst Gehling, habe es eh noch nie derartige Probleme gegeben.    

Die Landtagsabgeordnete Barbara Becker (links) besuchte die Außenstelle der Schweinfurter Tafel in Gerolzhofen und übergab dabei auch eine Spende. Brigitte Stühler, Leiterin des Gerolzhöfer Ladens, freute sich über die 1300 Euro.
Die Landtagsabgeordnete Barbara Becker (links) besuchte die Außenstelle der Schweinfurter Tafel in Gerolzhofen und übergab dabei auch eine Spende. Brigitte Stühler, Leiterin des Gerolzhöfer Ladens, freute sich über die 1300 Euro. Foto: Ernst Gehling

Auch wenn Barbara Becker den Helfer-Teams attestiert, dass ihr "Ehrenamt unbezahlbar" sei, kann ein wenig finanzieller Spielraum nicht schaden. Deshalb dürfen sich die Tafeln in Kitzingen und Gerolzhofen – beide in ihrem Wahlkreis – jeweils über eine Spenden von 1300 Euro von ihr freuen. Das Geld stammt von der jüngsten Diäten-Erhöhung, die Barbara Becker in schwierigen Corona-Zeiten nicht einfach einstreichen wollte. Vielmehr war es für sie ein Anliegen, das innerhalb eines Jahres zusammenkommende Geld zu spenden.

"Wir möchten uns herzlich für die Gabe bedanken und dass Barbara Becker die komplette Summe der Diäten-Erhöhung an Vereine weitergibt, welche sich für Menschen am Rande der Gesellschaft einsetzen", sagt Ernst Gehling, als er gemeinsam mit Brigitte Stühler, die den Laden der Gerolzhöfer Außenstelle leitet, das Geld entgegennimmt. "Mit der großzügigen Spende können einige Monate der Miete bezahlt werden." 

Dass sie sich richtig entschieden hat, ist Barbara Becker nicht erst nach ihrem Tafel-Tag klar. Weshalb den nächsten Mundschutz vielleicht ein leicht abgewandelter Spruch zieren könnte: "Die Tafeln – mit Abstand das Beste!"

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Gerolzhofen
  • Frank Weichhan
  • Klaus Vogt
  • Abgeordnete
  • Barbara Becker
  • Drohung und Bedrohung
  • Ehrenamtliches Engagement
  • Kunden
  • Landtage der deutschen Bundesländer
  • Not und Nöte
  • Polizei
  • Spenden
  • Staatsanwaltschaft
  • Staatsanwaltschaft Würzburg
  • Stress
  • Verschwendung
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!