Schonungen

Beim Bau der Kirche packten alle mit an

Blick auf Kirche und das erst vor wenigen Jahrzehnten errichtete Gemeindehaus.
Foto: Rita Steger-Frühwacht | Blick auf Kirche und das erst vor wenigen Jahrzehnten errichtete Gemeindehaus.
Peter Lindacher am Eingang der Kirche.
Foto: Rita Steger-Frühwacht | Peter Lindacher am Eingang der Kirche.

"Ich schreibe gegen das Vergessen", versichert Peter Lindacher. Der Schonunger beschäftigt sich seit 2012 mit der Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde des Ortes. "Damals war eine Zeit der Vakanz bei der Besetzung der Pfarrstelle und somit eine Zeit des Innehaltens und Nachdenkens", setzt er hinzu. Zu dieser Kirchengemeinde gehören die evangelischen Einwohner der Gemeinde Schonungen und der Orte Gädheim sowie Greßhausen im Landkreis Haßberge.

Die Gemeindeglieder leisteten Hand- und Spanndienste für ihre Kirche, im Bild bei den Aushubarbeiten für das Fundament 1954.
Foto: Sammlung Saalmüller | Die Gemeindeglieder leisteten Hand- und Spanndienste für ihre Kirche, im Bild bei den Aushubarbeiten für das Fundament 1954.

Peter Lindacher ist der Kirchengemeinde eng verbunden. Seit mehr als zwei Jahrzehnten gehört er der Kirchenverwaltung an. Bereits vor einigen Jahren hat er im Redaktionsteam des "Evangelischen Gemeindebriefs Christuskirche Schonungen" mitgearbeitet. Daher zeigte er sich offen, als das vor eineinhalb Jahren gegründete Redaktionsteam dieser Kirchenzeitung entschied, den historischen Werdegang der Kirchengemeinde zu verfassen und abschnittsweise in den Gemeindebriefen zu veröffentlichen.

Der Dachstuhl der Kirche war aufgerichtet. Der Richtspruch erfolgte 1954.
Foto: Sammlung Bachmann | Der Dachstuhl der Kirche war aufgerichtet. Der Richtspruch erfolgte 1954.

Für die Jahre der Reformation kann er auf die Ortschronik von Josef Ryba zurückgreifen, die dieser 1966 herausgab. In der Reformation waren die Dörfer des Amtes Mainberg, zu denen Schonungen zählte, evangelisch geworden. Als jedoch 1542 die Herrschaft von den der "neuen Lehre" zugetanen Hennebergergrafen an den Bischof von Würzburg überging, setzte sich ab 1574 unter dem Episkopat von Julius Echter die Rekatholisierung durch.

Schlicht: Der Altarraum der Kirche.
Foto: Rita Steger-Frühwacht | Schlicht: Der Altarraum der Kirche.

Erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zählte Schonungen wieder mehrere evangelische Mitbürger. 1909 gründeten 33 Personen einen "Evangelischen Verein", der bis 1954 bestand, berichtet Peter Lindacher. Ziel dieses Zusammenschlusses war der "Erwerb eines würdigen gottesdienstlichen Lokals", zitiert der Autor aus der Vereinsatzung. Evangelischer Gottesdienst, den ein Pfarrer aus Sankt Johannis Schweinfurt, dem Schonungen zugeordnet war, hielt, fand in Wirtshaussälen statt. Ab 1920 stellte die Familie Sachs einen Betsaal in den Mainberger Amtsgebäuden zur Verfügung.

'Denn der Mensch definiert sich über sein Woher und Wohin.'
Foto: Rita Steger-Frühwacht | "Denn der Mensch definiert sich über sein Woher und Wohin."

Pfarrhaus entstand

Nachdem die Zahl der Protestanten nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem durch den Zuzug von Flüchtlingen auf rund 1000 gestiegen war, erhob die Landeskirche Schonungen 1953 zur Kirchengemeinde. "Die evangelischen Kirchenmitglieder wollten damals einfach ihre Kirche haben". Das zeige sich in den außerordentlichen Anstrengungen dieser Zeit, resümiert Peter Lindacher. Zunächst aber entstand ein Pfarrhaus, in dessen Untergeschoss Räume für die Gemeinde untergebracht waren.

Ab 1951 begannen unter Pfarrer Hans Martin Nägelsbach zunächst die Planungen, dann die Arbeiten zum Bau der Kirche. "Mit Hilfe einer Vielzahl von Spenden aus ihren schmalen Geldbeuteln bauten die Kirchengemeindemitglieder zunächst das Pfarrhaus und leisteten dabei auf der Baustelle alle nur möglichen Hand- und Spanndienste", weiß Peter Lindacher aus den unveröffentlichten Aufzeichnungen des damaligen Pfarrers.

Da für die Ausstattung der Kirche wenig Geld vorhanden war, brachten sie ihre handwerklichen Fähigkeiten ein. Die Schmiedearbeiten für Kanzel, Liedanzeige, Altarkerzenständer und Wandleuchter entstanden in der Werkstatt von Karl Pfundt. Den Ambo und das etwa 15 Zentimeter große Altarkreuz hat Gotthelf Bubeck geschnitzt.

Die Kirchenbänke für den rund 150 Personen fassenden Kirchenraum wurden von einer örtlichen Schreinerei gefertigt, die nur die Materialkosten berechnet hat. Die Glocken wurden von der Schweinfurter Großindustrie gespendet, und der Petrushahn auf dem erst einige Jahre nach Fertigstellung der Kirche errichteten Glockenturm ist ein Geschenk der Muttergemeinde St. Johannis, Schweinfurt. Erst Jahre später konnte eine Orgel eingebaut werden.

In nächster Zeit werden die jüngsten Entwicklungen in der evangelischen Kirchengeschichte Schonungen von Peter Lindacher zu Papier gebracht. Der Autor hofft dabei auf Berichte und Bildmaterial von Gemeindemitgliedern.

Andreas Duft, jetzt evangelischer Pfarrer in Schonungen, begrüßt die Initiative von Peter Lindacher. "Ich freue mich, dass Peter Lindacher mit seinem großen Wissen über viele Jahrzehnte unserer Kirchengemeinde diese Aufgabe angegangen hat. Denn der Mensch definiert sich über sein Woher und Wohin."

Zusendungen von historischen Bildern und Berichten: Evangelisches Pfarramt Schonungen, Schrotberg 47, 97453 Schonungen, Tel.: (09721) 59204, Fax: (09721) 750071, E-Mail: pfarramt.schonungen@elkb.de

Das Gemälde 'Jesu am Kreuz mit weinenden Frauen' stammt aus dem Betsaal in Mainberg.
Foto: Rita Steger-Frühwacht | Das Gemälde "Jesu am Kreuz mit weinenden Frauen" stammt aus dem Betsaal in Mainberg.
Ins rechte Licht gesetzt: die Kirche bei Nacht.
Foto: Andreas Duft | Ins rechte Licht gesetzt: die Kirche bei Nacht.
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