Grafenrheinfeld

"Besondere" Maria Immaculata wird rekonstruiert

Dr. Ludwig Weth, Walter Kaspar und Bürgermeister Christian Keller (von links) begutachten die Rekonstruktion der im Krieg zerstörten Maria Immaculata des Bildhauers Petro Schiller.
Dr. Ludwig Weth, Walter Kaspar und Bürgermeister Christian Keller (von links) begutachten die Rekonstruktion der im Krieg zerstörten Maria Immaculata des Bildhauers Petro Schiller. Foto: Daniela Schneider/Petro Schiller/Kaplan Selig

"Etwas ganz Besonderes" sei die rekonstruierte Sandsteinfigur der Grafenrheinfelder Maria Immaculata in der Werkstatt des Bildhauers und Steinrestaurators Petro Schiller in Königsberg.

Warum? Weil sich der Steinkünstler sicher ist, dass er eine Sandsteinstatue in dieser Dimension noch nicht gefertigt hat. Schiller hat zwar schon viele Marienstatuen restauriert, Sockel saniert und Inschriften rekonstruiert, dazu auch neue Figuren und Bildstöcke geschaffen. Aber bis jetzt noch nie die vollständige Rekonstruktionen eines Denkmals dieser Größe gefertigt, das bereits im zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

Der sei schon so lange her, so Petro Schiller beim Besuch von Bürgermeister Christian Keller und den Gemeinderäten Ludwig Weth und Walter Kaspar in seiner Werkstatt, da sei es eher selten, dass eine Gemeinde 75 Jahre später eine originalgetreue Nachbildung beauftragt und dazu noch den Schaffensprozess begutachtet.

Grafenrheinfeld fast komplett zerstört

In der Nacht vom 24. auf den 25. Februar 1944 wurde durch alliierte Bombenangriffe fast ganz Grafenrheinfeld in Schutt und Asche gelegt. Auch der mehr als drei Meter große Bildstock in der Bühlstraße vor dem Haus der Familie Weth wurde in dieser Nacht völlig zerstört.

Auf Anregung von Walter Kaspar, Grafenrheinfelder mit einem Faible für die Gebäude und Denkmäler seiner Heimatgemeinde, beschloss der Gemeinderat 2019, eine Nachbildung des Bildstockes mit Immaculata-Figur bei Petro Schiller zum Gedenken an den 75. Jahrestag der Zerstörung Grafenrheinfelds in Auftrag zu geben.

Als Vorlage diente dem Bildhauer lediglich eine Aufnahme des spätbarocken Denkmals aus der Dorfchronik des Kaplans Michael Selig – ein schwieriges Unterfangen, schließlich ist das Foto gut 100 Jahre alt und von eher schlechter Qualität.

Mehr als fünf Tonnen Sandstein

Maximal vergrößert hat es dann – so Schiller augenzwinkernd – doch geklappt, mit einigen künstlerischen Freiheiten. So ist auf dem Foto der Gesichtsausdruck Marias nicht richtig zu erkennen. Das Team um Petro Schiller hat deshalb eine eigene Interpretation geschaffen. Mehr als fünf Tonnen Sandstein bester Qualität und unzählige Stunden Arbeit stecken in der wuchtigen, aufwändigen und detailreichen Rekonstruktion, erst grob geflext und behauen und dann in feinster Handarbeit gefertigt.

Schon beim Sockel gerät Schiller vor der Grafenrheinfelder Abordnung ins Schwärmen. Keine Stelle an der Vorderseite des geschwungenen Sockels, die nicht mit filigraner Ornamentik bearbeitet sei. Alleine hier wurden laut Schiller "einige 100 Stunden Arbeit" investiert.

Platzwahl wurde im Vorfeld intensiv diskutiert

Auf der Rückseite hat die Gemeinde dann noch eine Inschrift mit der Entstehungsgeschichte beauftragt.  Die 1,63 Meter große Madonnafigur steht auf einer Weltkugel, die von christlichen Symbolen umrahmt wird. Knapp 44 000 Euro kostet die Rekonstruktion der Maria Immaculata, die mit blattgoldenem Sternenkranz und Lilie im Rosengärtchen der Gemeinde an der Hauptstraße zwischen Pizzeria und Kulturscheune einen neuen Platz finden wird.

Alle drei Gemeindeverantwortlichen betonen, die Platzwahl in zentraler Lage, gleich neben der mächtigen Pfarrkirche und dem Kirchplatz, sei im Vorfeld intensiv diskutiert worden. Die Rekonstruktion ist weitgehend fertig, es stehen noch einige abschließende Feinarbeiten an, doch dafür muss die Figur auf die Seite gelegt werden.

In Etappen wird das Restauratoren-Team dann anschließend den mächtigen Bildstock mit Grundplatte, Podestsockel, Zwischenplatte und Figurenaufbau auf dem vorbereiteten Fundament im Rosengärtchen errichten. Ein Termin für die offizielle Einweihung steht noch nicht fest. Im Gespräch sind Maria Himmelfahrt (15. August) und der Erntedanksonntag (4. Oktober).    

Das etwa 100 Jahre alte Foto aus der Dorfchronik von Kaplan Selig zeigt die ursprüngliche Maria Immaculata.
Das etwa 100 Jahre alte Foto aus der Dorfchronik von Kaplan Selig zeigt die ursprüngliche Maria Immaculata. Foto: Daniela Schneider/Petro Schiller/Kaplan Selig

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