Werneck

Blick zurück: Von der Schweizerei des Schlosses zur Färberwerkstatt

Auf einem älteren Foto mit dem ehemaligen Schweizerei-Gebäude sind in der Mauer der Wern noch zwei frühere Öffnungen zu sehen. Hinter ihnen dürften die früheren Gänge in die Kellerräume gewesen sein, durch die der Färber zur Wern gelangte. 
Foto: Christa Röckelein | Auf einem älteren Foto mit dem ehemaligen Schweizerei-Gebäude sind in der Mauer der Wern noch zwei frühere Öffnungen zu sehen.

Dass die Schweizerei des Schlosses Werneck nichts mit Bergen, aber sehr wohl mit Kühen zu tun hatte, dürfte bekannt sein. Wo genau dieser große Kuhstall in der heutigen Balthasar-Neumann-Straße lag, und dass das Gebäude danach auch eine Färberwerkstatt beherbergte, sind neue Erkenntnisse.

Aufgearbeitet hat sie der Historische Verein Markt Werneck, der sich seit 20 Jahren um die Geschichte und die Geschichten dahinter kümmert.

Das blaue und das eingerüstete Gebäude in der Balthasar-Neumann-Straße in Werneck war ursprünglich die Schweizerei, der Viehstall des fürstbischöflichen Schlosses. Das zunächst einstöckige Gebäude wurde später aufgestockt und nach dem Krieg in zwei Haushälften geteilt. 
Foto: Silvia Eidel | Das blaue und das eingerüstete Gebäude in der Balthasar-Neumann-Straße in Werneck war ursprünglich die Schweizerei, der Viehstall des fürstbischöflichen Schlosses.

Der 25. April 2001 kennzeichnet für den rührigen Verein den Gründungstermin. 38 historisch Interessierte trafen sich damals im katholischen Pfarrheim, blickt Vorsitzender Bernd Göbel zurück. Seither wurden 36 größere und kleinere Schriften herausgegeben, alles eigene Forschungen der Mitglieder: sei es über berühmte Personen aus Werneck, über besondere Ereignisse oder über spezielle Zeitabschnitte.

192 historische Beiträge fürs Amtsblatt

Hinzu kamen bislang 192 historische Beiträge im Wernecker Amtsblatt und unzählige Veranstaltungen. Wegen der Corona-Pandemie sind diese seit einem Jahr nicht mehr möglich, was die Mitglieder aber nicht daran hindert, weiter zu forschen.

So hat Vorstandsmitglied Manfred Fuchs ein Buch über "Handwerk, Handel und Gewerbe in Werneck im 19. und 20. Jahrhundert" erstellt, das derzeit im Druck ist. Vor allem im Hinblick auf eine Ortschronik wird seit zwei Jahren intensiv gearbeitet. Denn bis zum Ortsjubiläum 2023, an dem die urkundliche Ersterwähnung Wernecks vor 800 Jahren voraussichtlich gefeiert wird, soll das Werk fertig sein.

Immer wieder neue Informationen holen die Vereinsmitglieder aus den Quellen der Archive, ergänzen sie um eigene Recherchen bei Privatpersonen und stellen Zusammenhänge her. Göbel selbst widmet sich derzeit den Straßen, Plätzen und Gebäuden in Werneck und stieß auf die Schweizerei des Schlosses. Hilfreich war ihm dabei die Quellenarbeit von Vereinsmitglied Ludwig Schmitt.

Pläne für Sommerresidenz des Fürstbischofs  geändert

Bekanntlich ließ Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn von 1733 bis 1745 seine Sommerresidenz durch Balthasar Neumann erbauen. Allerdings wurden 1740 die Baupläne gravierend verändert, der geplante vierte Flügel, der Nordflügel, fiel weg. Vermutlich wurden einige der dort geplanten Räume in die Gebäude des nördlichen Vorhofes verlegt, die eigentlich als Stallungen gedacht waren. Für die wegfallenden Ställe wurde daher außerhalb des Schlosses die Schweizerei gebaut, für die Vieh- und Milchwirtschaft.

Wie Göbel herausfand handelte es sich bei dem Gebäude Nummer 42 – heute die Wohnhäuser Balthasar-Neumann-Straße 9 und 11 – wohl um Kuhställe. Bereits 1755 fand aber ein Umbau zu "Klepper- und Pferdeställen" statt.

Umbau und Verkauf

Mit dem Ende des Hochstifts Würzburg verkaufte der bayerische Staat 1805 das Gebäude samt Grundstück an Katharina Krepp, die Witwe des Schenkstatt-Inhabers und Posthalters Johann Krepp. Es könnte durchaus sein, vermutet Göbel, dass sie das Gebäude als Stallung für Pferde der Posthalterei nutzte.

Nach ihren Tod verkauften ihre Kinder 1830 die Schweizerei an den aus Niederwerrn stammenden Salomon Kohnstamm. Der 29-jährige jüdische "Schönfärber" – zuständig für die "Buntfärberei" – und Färbermeister hatte im gleichen Jahr das Bürgerrecht in Werneck erhalten. Weil für die Ausübung des Berufs mit dem Waschen, Beizen, Spülen, Färben und wieder Spülen der Stoffe viel Wasser gebraucht wurde, siedelten sich früher die Färber in der Nähe von Fließgewässern an.

Möglicher Rest vom Zugang zur Wern

Kohnstamm brauchte also die vorbeifließende Wern. Von ihrem Ufer gingen früher mehrere etwa 15 Meter lange Gänge weg Richtung Norden. Möglicherweise handelte es sich bei einem davon um einen direkten Zugang vom Keller des Hauses zur Wern. Im Keller findet sich noch heute eine Abmauerung, bei der es sich um die Reste dieses Ganges handeln könnte, meint Göbel.

Im Erdgeschoss der beiden Häuser 9 und 11 in der Wernecker Balthasar-Neumann-Straße sind noch die Rippenbögen des Viehstalls des Schlosses zu sehen. 
Foto: Renate Prümer | Im Erdgeschoss der beiden Häuser 9 und 11 in der Wernecker Balthasar-Neumann-Straße sind noch die Rippenbögen des Viehstalls des Schlosses zu sehen. 

Salomons unverheirateter Sohn Joseph führte seine Färberei fort. Die Tochter Berta starb 1925, sie war die letzte jüdische Einwohnerin Wernecks.

Das Gebäude, die ehemalige Schweizerei des Schlosses, wechselte mehrmals die Besitzer. 1949 wurde es in zwei Haushälften geteilt: Nummer 9 und 11. Noch heute sind im Erdgeschoss beider Häuser die Rippenbögen sichtbar, die die ehemaligen Stallungen überspannten.

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